Biotopverbund Grasland - Damit Biotope nicht alleine dastehen

Übergeordnetes Ziel des Projektes ist es, im Sinne der Nationalen Biodiversitätsstrategie zur biologischen Vielfalt (NBS), den zunehmenden Artenverlust im Grasland/Grünland zu stoppen. Durch den Aufbau eines Biotopverbunds im mesophilen Grünland sollen die Pflanzen- und Tiergemeinschaften dieses Biotoptyps erhalten und gefördert sowie ihre (potenziellen) Lebensräume miteinander vernetzt werden. Umgesetzt wird das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit 250.000 € geförderte Projekt durch das Grünlandzentrum Niedersachsen / Bremen (Koordination), der Universität Oldenburg, dem NABU Oldenburger Land sowie der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Im landwirtschaftlich intensiv genutzten nordwestdeutschen Tiefland haben artenreiche Grünlandflächen durch Umbruch und Nutzungsintensivierung einen starken Rückgang erfahren. Der zunehmende Flächendruck in der Landschaft führt nicht nur zu einem stetigen quantitativen wie qualitativen Verlust von artenreichen Grünlandbiotopen, sondern auch zu ihrer zunehmenden Verinselung. Seit 2013 gilt der Grünlandschutz als prioritäres Handlungsfeld innerhalb der Naturschutz-Offensive 2020 der Bundesregierung. Rückgang und Verinselung artenreicher Grünlandflächen gelten in diesem Zusammenhang als wesentliche Gründe für den Artenrückgang.
Der Erhalt der Biodiversität ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die neben einem gemeinschaftlichen Problemverständnis auch ein gemeinschaftliches Handeln erfordert. Allzu oft agieren jedoch Vertreter aus betroffenen Bereichen nicht konzertiert genug. Im Projekt soll daher ein Zusammenwirken bzw. eine vertikale Vernetzung beteiligter Akteure aus den Bereichen der Wissenschaft, des Naturschutzes, der Verwaltung und der Flächeneigentümer sowie -bewirtschafter erfolgen.
Der Schwerpunkt im Projekt liegt auf dem mesophilen Grünland, welches in der Regel vergleichsweise extensiv genutzt wird (ein- bis dreischürige Wiesen, Weiden oder Mähweiden). Um eine Ausbreitung und Wanderung von Pflanzen- und Tierarten des mesophilen Grünlands weiterhin zu ermöglichen ist nicht nur die Erhaltung und Entwicklung der Flächen notwendig, sondern auch eine Vernetzung über Trittsteinbiotope und lineare Verbindungselemente (Korridore). Dementsprechend ist es Ziel des Projektes, einen Biotopverbund mit dem Fokus auf den Ansprüchen der drei Zielartengruppen Gefäßpflanzen, Tagfalter und Heuschrecken aufzubauen. Damit werden der genetische Austausch und die Ausbreitung der kennzeichnenden Arten ermöglicht und gefördert. Für die Umsetzung des Vorhabens wurden beispielhaft die drei Landkreise Ammerland, Oldenburg und Wesermarsch mit unterschiedlich hohem Grünlandanteil ausgewählt. Aufgrund der diversen Landschaftsstrukturen der betreffenden Landkreise wird eine gute Ausgangssituation für die Übertragbarkeit zu entwickelnder Konzepte auf andere Tiefland-Regionen geschaffen.
In Form eines Biotopverbundkonzeptes werden die wesentlichen Strukturen beschrieben, die geschaffen werden müssen, um einen funktionierenden Biotopverbund sicherzustellen. Dementsprechend erfolgte im ersten Projektjahr 2018 eine Bestandsanalyse von mesophilen Grünlandflächen. Diese eignen sich als Kernflächen für den Biotopverbund sobald sie prioritär diesem Biotoptyp zugeordnet werden können. Während der ersten Vegetationsperiode im Projekt erfolgte in den Projektgebieten in den drei Landkreisen die Inventarisierung von insgesamt 38 ha mesophilem Grünland. Infolge der wissenschaftlichen Untersuchungen hinsichtlich der Zielartengruppen wurden diese als potenzielle Kernflächen in das Biotopverbundkonzept eingebunden. Für die langfristige Entwicklung eines Biotopverbunds ist es entscheidend, die inventarisierten Kernflächen als solche zu erhalten und ggf. zu entwickeln, um diese als Ausgangspunkt der Vernetzung langfristig zu sichern.
Zu Beginn des laufenden Projektjahres 2019 galt die Benennung bzw. Entwicklung notwendiger Vernetzungselemente zwischen den Kernflächen als wesentlicher Bestandteil eines Verbundkonzeptes. Die Arbeitsgrundlage dafür bilden die andauernden wissenschaftlichen Untersuchungen zum Ausbreitungsverhalten und -vermögen der Zielarten und den Ansprüchen an ihren Lebensraum. Mögliche Vernetzungselemente können unter anderem Deiche, Dämme, Gewässerrand- und Wegeseitenstreifen sowie Streuobstwiesen, Hecken und Waldränder darstellen.
Begleitend zur Eruierung der Kern- und Vernetzungselemente werden die Nutzer der Landschaft benannt, angesprochen und sensibilisiert, welche hinsichtlich der Flächenbereitstellung und des -managements bei der Umsetzung des Biotopverbundes mitwirken sollten und können. Aufbauend auf diese Akteursanalyse sind bislang erste Biotopverbundelemente in den Projektgebieten strukturell entwickelt worden. Unter Einbindung aller Ansprüche an die Flächennutzung soll schließlich ein funktionaler Biotopverbund für ein bis zwei Projektgebiete je Landkreis initiiert, beispielhaft umgesetzt sowie langfristig gesichert werden.
Ein wesentliches Ziel des Projektes ist es auch, ein Kooperationsmodell zu entwickeln, aus dem heraus eine zukunftsfähige Zusammenarbeit der Beteiligten erwächst und Handlungsempfehlungen an Flächennutzer und -eigentümer gegeben werden können. Zum Projektabschluss wird eine Informationsbroschüre für Landwirte und andere Flächennutzer erstellt, die interessierte Teilnehmer zukünftiger Biotopverbundkonzepte z. B. bei den Themen Flächenaufwertung, Saatgutbeschaffung und Mahdgutverwertung unterstützen und begleiten soll. Die Ergebnisse und Erkenntnisse aus dem Projekt werden ferner verschriftlicht und können so neuen Biotopverbundprojekten Orientierung bei der Erstellung eines Konzeptes liefern.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Extensiv genutzte Grünlandflächen gehören zu den artenreichsten Biotopen der mitteleuropäischen Kulturlandschaft. Die durch die Nutzung der vergangenen Jahrhunderte entstandene Vielfalt an typischen Offenlandarten ist unter anderem aufgrund der Verinselung dieser Lebensräume gefährdet. Im Sinne der Nationalen Biodiversitätsstrategie zur biologischen Vielfalt (NBS) sollen daher innerhalb des Projektes Wege erarbeitet werden, artenreiche Grünlandflächen über entsprechende Biotopverbundelemente miteinander zu verknüpfen. Die biologische Vielfalt kann nicht ohne eine entsprechende Pflege erhalten werden, weshalb die Nutzer der Grünlandflächen zwingend miteinbezogen werden müssen. Das Projekt beinhaltet daher eine Optimierung der Methoden zur Förderung des Artenreichtums von Grünlandflächen, die Beratung von Flächeneigentümern und -nutzern und eine breite Öffentlichkeitsarbeit.


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Dokumente

Biotopverbund: Neues Projekt am Grünlandzentrum

Netz aus grünen Inseln für mehr Tier- und Pflanzenarten: DBU fördert Biotopverbund für den Artenschutz auf Wiesen und Weiden mit 250.000 Euro

Einsatz für bedrohte Arten

Damit Biotope nicht alleine dastehen

2019-04-12-Bündnis gegen den Artenschutz_Weser-Kurier.pdf

2019-06-01-Artikel_NWZ_Meesenweg.pdf

 

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