EDU-Wildlife - Wolf, Bär und Luchs im Fokus

Das für 30 Monate konzipierte Bildungsprojekt hat zum Ziel, das Bewusstsein von Schüler*innen für eine konfliktarme Koexistenz mit großen Beutegreifern wie Wolf, Bär und Luchs zu schärfen und ein Verständnis für gesellschaftliche Entscheidungsprozesse im Wildtierschutz zu schaffen und dabei auch das Verständnis sowie die Praxis von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) für Multiplikatoren zu vertiefen. Aufgrund der bisher geringen Erfahrungen mit großen Beutegreifern in Deutschland profitiert das Projekt von einer Vernetzung mit rumänischen Partnern. Gemeinsam werden partizipative Bildungsinhalte und Methoden zur Koexistenz mit großen Beutegreifern entwickelt, Pädagog*innen und Akteure in Niedersachsen qualifiziert und international vernetzt.

Das Projekt verfolgt zusammengefasst folgende inhaltlichen Ziele:
• Analyse von Kommunikationsstrategien zum Umgang mit Karnivoren im Europäischen Vergleich
• Aufbau eines qualifizierten Netzwerkes von Multiplikator*innen aus Rumänien und Deutschland
• Entwicklung von innovativem Lehrmaterial im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung
• Einbindung von Jugendlichen als zukünftige Entscheidungsträger und Stärkung ihrer Kernkompetenz zur Partizipation an gesellschaftlichen Diskursen

1. Ausgangssituation
Großraubtiere wie Wölfe, Bären und Luchse sind Teil unserer biologischen Vielfalt und besiedeln weite Teile Europas – in vielen Ländern Europas sind sie jedoch auf der roten Liste der bedrohten Tierarten verzeichnet. Infolge internationaler Schutzbestimmungen erholen sich derzeit die Bestände von wildlebenden Wölfen, Bären und Luchsen. In Deutschland erfolgt die Rückkehr der Wölfe über die natürliche Einwanderung aus Nachbarländern. Im Fall des Luchses ist die Rückkehr ein Erfolg aktiver Auswilderungsprojekte. Auch die natürliche Wiederansiedlung von Bären in Deutschland wäre durch die Nähe zur Österreichischen bzw. slowenischen Bärenpopulation denkbar.
Bedingt durch unsere Kulturlandschaft öffnet sich mit dieser Rückkehr und der Anwesenheit der großen Wildtiere jedoch ein gesellschaftliches Konfliktfeld. Diskutiert werden insbesondere die Angst vor Übergriffen auf Menschen und Haustieren, die Verluste von Nutztieren sowie die Auswirkungen auf die Jagd. Mit der Zunahme territorialer Vorkommen größerer Wildtiere steigt daher der Bedarf an Aufklärung und sachlicher Information über die Rückkehr und das Verhalten der Tiere. Hier kann Deutschland von den Erfahrungen derjenigen Länder profitieren, die bereits mit großen Wildtieren in längerer Koexistenz leben. In anderen Ländern der Europäischen Union wie z.B. Rumänien existieren dauerhafte Vorkommen von Bären, Luchsen und Wölfen, so dass die Bevölkerung über jahrelange Erfahrung im Zusammenleben mit diesen Tierarten verfügt. Von besonderem Interesse sind daher die Erfahrungen von Ländern, die eine ähnlich urbane Besiedlungsstruktur wie Deutschland aufweisen. Eine Zusammenarbeit der europäischen Länder wird im Sinne eines internationalen Artenschutzes und zum Schutz der heimischen biologischen Vielfalt gewünscht und ist besonders für wandernde Tierarten bedeutsam.

Das hier vorgestellte Projektvorhaben strebt aus oben genannten Gründen eine Zusammenarbeit mit Rumänien als Land mit stabilen Wildtierpopulationen von Wolf, Bär und Luchs an. In Rumänien leben stabile Populationen des Braunbären (geschätzte Individuen: 6000), von Wölfen (geschätzte Individuen: 2500) und von Luchsen (geschätzte Individuen: 1500) (Salvatori et al. 2002, IUCN, Alparc 2009). Die meisten der Karnivoren leben in den Karpaten, wo sich das Bildungszentrum des Partners der Initiative befindet.

2. Ziele von EDU-Wildlife
Was nun die einen als erfolgreichen Artenschutz zum Erhalt unserer biologischen Vielfalt begrüßen, sehen andere als ökonomische Bedrohung. Hier setzt das SCHUBZ Umweltbildungszentrum an und geht mit der Bildungsinitiative EDU-Wildlife neue Wege: Jugendliche aus Niedersachsen und Rumänien thematisieren das Zusammenleben von großen Beutegreifern und Menschen im internationalen Vergleich. Sowohl im Schulunterricht als auch in Projektwochen und Wildlife-Clubs greifen die Jugendlichen die Spannungsfelder auf, wechseln Perspektiven, tauschen sich dazu international aus und suchen nach Lösungen für ein konfliktärmeres Zusammenleben.

Während der Initiative entstehen Bildungsmaterialien zur Etablierung der Thematik als spannendes BNE-Lernsetting…

A) … in der Schule: Aufbereitung für Zielgruppe Klasse 5 bis 8
Unser Anspruch:
o fachliche und ethische Komplexität wird aufgezeigt
o Befähigung zur Beteiligung an kontroverser Debatte
o reflektierte Entscheidung anstelle intuitiver Entscheidung

B) … in Bildungszentren: Weitergabe der Konzeptionen an
Multiplikatoren
Unser Anspruch:
o Vernetzung und Qualifizierung (mit Akteuren in Rumänien)
o Weitergabe konkreter Methoden

C) … in die interessierte Öffentlichkeit:
o offener Zugang zu den Konzeptionen über eine Lernplattform (MOOC) mit Lehrfilmen, Erklärvideos (Explainity), Hintergrundinfos

Die Initiative wird begleitet durch ein Seminar an der Leuphana-Universität:"Große Beutegreifer - Von der Rationalität und Emotionalität in der Nachhaltigkeitskommunikation." Während dieses Seminars führen die Studierenden kleine Interventionsstudien durch, die die Kommunikation im Zusammenhang mit Großraubtieren in den Blick nehmen und den Einfluss auf die Problembewältigung unterschiedlicher Akteure messen.

Eine Abschlusstagung präsentiert die Aktivitäten und Meilensteine der Initiative und wird als Fachtagung in Kooperation mit der Akademie in Loccum ausgerichtet. Die Ergbnisse werden zudem über einen Tagungsreader und ein päd. Handbuch gesichert.

Reichweite:
- Qualifizierung von 30 Multiplikator*innen im naturwissenschaftlichen Bildungsbereich in 16 Bildungszentren
- Schulung der interessierten Öffentlichkeit über MOOC
- Durchführung von 120 Bildungsangeboten (60 in jedem Land) mit Kindern und Jugendlichen
- 30 mehrtägige Wolfs-Akademien inkl. Fortbildung für Lehrkräfte und Erzieher*innen in Nds
- 10 Wildlife-Clubs in RO (100 Termine)

Weitere Projektdetails mit Partnern, Beirat und Bildungszentren im Anhang.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Mit der Unterzeichnung der Berner Konvention (1979) und dem in Kraft treten der SDGs (2016) hat sich die europäische Gemeinschaft verpflichtet, die Lebensräume einheimischer Wildtiere und die Arten selbst in enger Abstimmung mit der Bevölkerung zu schützen. Zudem haben die Länder bereits 1992 mit der Unterzeichnung der CBD beschlossen, den Verlust der Biodiversität aufzuhalten. Ein Ziel des Abkommens ist es, ein Bewusstsein für den Wert der Biodiversität zu schaffen.
EDU-Wildlife greift diese Ziele auf:Die Migration der Beutegreifer stellt eine Lerngelegenheit dar, über die Wirksamkeit von Schutzgebieten und Naturschutzrichtlinien wie Natura 2000 zu sprechen und dadurch das Bewusstsein für Naturschutz - einschließlich der EU-Biodiversitätsstrategie 2020 – zu stärken.
Doch die Gründe für den Verlust von Biodiversität sind komplex und beinhalten soziale, ökonomische und ökologische Dimensionen. Im Fall von gefährdeten Beutegreifern führen verschiedene Sichtweisen zu einem Dilemma, bei dem sich Akteure zwischen dem Schutz der Tierart, den ökonomischen Interessen sowie dem subjektiven Sicherheitsgefühl entscheiden müssen. Unser Projekt zielt darauf ab, vor allem bei jungen Menschen als spätere Entscheidungsträger, Fähigkeiten zu fördern, die zur Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft wichtig sind. Über die Anwendung von Methoden einer BNE können Kinder und Jugendliche über die Akzeptanz von Beutegreifern diskutieren und dabei soziale und ökologische Entwicklungen berücksichtigen.


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Dokumente

Projektdetails EDU-Wildlife

 

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Öffnungszeiten: Montag - Donnerstag 9.00h-12.00h Die Einrichtung ist während der Niedersächsischen Schulferien für Publikumsverkehr geschlossen.

Frau Dr Nadin Hermann

http://www.edu-wildlife.eu

 

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