ArcheSchäferei – unterwegs mit Waldschaf & Steinschaf

2. Weiterentwicklung:

Den Schafen geht es nach wie vor gut und sie sind fleißig in der Landschaftspflege und freundlich mit den Kindern, die uns besuchen kommen. Schon mehrere Jahren haben wir versucht, mit den Naturschutzverbänden vor Ort ins Gespräch zu kommen. Ganz so einfach war es nicht, die Traditionen sind doch recht stark verankert. In 2016 gab es eine gemeinsame Fledermaus-Veranstaltung mit dem Schwäbischen Albverein, aus der sich eine sehr erfreuliche Zusammenarbeit entwickelte. Inzwischen wird das Arche-Sommerfest gemeinsam gefeiert, es ist zu einem schönen Kinder-Familienfest mit buntem Programm rund um Schafe, Wiesen, Spiel und Spaß im Freien geworden, an dem auch viele Ehrenamtliche mithelfen. Auch ein gemeinsames Angebot für Kinder mit ihren Eltern wird sehr gut angenommen. Sehr erfreulich ist, das auch Väter mit ihren Söhnen dabei sind und viel Freude beim gemeinsamen Arbeiten auf den Streuobstwiesen haben und auch beim Basteln von Nisthilfen, Fledermauskästen etc. Um Menschen anzusprechen, von den seltenen heimischen Nutztierrassen und ihren Lebensräumen zu erzählen, braucht es viele Zugangswege. Wir freuen uns über einige tolle Projekte, bei denen wir mitmachen konnten: Bericht im SWR Fernsehen vom 14.04.2016 Schafe kommen in Mode - interkulturelles Filmprojekt 2017 Beitrag in einem Reiseführer über die Schwäbische Alb 2018 "Wir haben es satt" SÜD - Demo in Tübingen 2018 (Orgateam - wird fortgeführt, bei Interesse bitte melden) links siehe webseite www.arche-alb.de

Weiterentwicklung:

Seit 2013 wurden weitere Weideflächen in die Bewirtschaftung aufgenommen und die Herdengröße entsprechend aufgestockt (etwa verdoppelt auf ca. 12-14 ha). Ehemalige Hochgras-Mulchwiesen sind durch die Beweidung nun wieder vom Grasfilz befreit und die zarteren Gräser und Blumen können sich ausbreiten, Grundlage für Schmetterlinge, Bienen & Co. (begleitende ÖA). Interessant ist auch das Thema Humus- und Bodenaufbau durch Weidetiere. Ein Teil der Veranstaltungen findet in Kooperation mit dem Stadtjugendring Reutlingen e.V., dem Kinderschutzbund und dem Jugendmigrationsdienst Reutlingen statt. Mit Hilfe von Projektmitteln der Baden-Württemberg-Stiftung können nun weitere Zielgruppen teil haben: 2014 /15 gab es 3 Ferienwochen für Kinderschutzbund-Kinder, im Sommer 2015 fand die erste Waldschafwoche für Kinder aus Flüchtlingsfamilien statt. Ziel aller Angebote ist die Begegnungen mit der Biodiversität um uns herum aber auch, dass wir selbst ein Teil der Artenvielfalt sind und auch sehr vielfältig sein können: im Aussehen, in der Herkunft, der Muttersprache – und trotzdem zusammen gehören und Menschen sind. 2014 – Fortbildung zur Streuobstpädagogin absolviert (DEKADE-Projekt Böblinger Streuobstschule) - kooperative Angebote vor Ort (Gründung: Reutlinger Streuobstpädagogen) 2014 – Versuch & Umsetzung: pflanzengefärbte Waldschafwolle fürs ArcheWoll-Sortiment 2015 – Anerkannter Lernort Bauernhof Baden-Württemberg 2015 – Zertifizierter Bildungspartner Biosphärengebiet Schwäbische Alb

Ursprüngliche Bewerbung:

Waldschafe und Krainer Steinschafe stehen seit vielen Jahren auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen. Sie gehören zu den ältesten heimischen Landschafrassen, sind kulturelles Erbe unserer Vorfahren bis hin in die Jungsteinzeit - und dienen uns heute als exzellente Landschaftpfleger.

Erhaltungszucht
Mit drei trächtigen Waldschafen begann das "Waldschafprojekt" 2005. Kurz darauf kamen die Steinschafe dazu. Inzwischen besteht die Mutterschafherde aus 40-50 Waldschafen und 20-30 Krainer Steinschafen. Dazu kommen etwa 15-20 gekörte Widder.

Auch innerhalb der Rassen wird auf genetische Vielfalt geachtet. Es werden männliche und weibliche Tiere aus verschiedenen genetischen Linien gehalten. Jährlich werden mehrere Böcke mit jeweils kleinen Zuchtgruppen verpaart. Nur so lassen sich die Genpools geringer Populationen erhalten, erweitern und die Rassen bleiben stabil und gesund.

Der Bestand eingetragener Zuchttiere in Deutschland beträgt beim Waldschaf ca. 1.300, beim Krainer Steinschaf ca. 500-600 Tiere. Der geringe Bestand liegt nicht am Unvermögen der Tiere, sondern an der strukturellen Benachteiligung kleiner Rassen. Dabei haben sie viel zu bieten. Sie sind grundfuttertauglich, robust, kümmern sich fürsorglich um den Nachwuchs und haben gesunde Klauen. Meine Schafe gehen vorzugsweise in die Zucht, in Melkbetriebe und in Landschaftspflegeprojekte. Diverse Zuchten konnten mit Tieren aus der ArcheSchäferei neu begründet werden.

Der Erhalt unserer Nutztierrassen ist genetisches wie auch kulturelles Erbe. Viele der alten Nutztierrassen haben Eigenschaften, die wir gerade in der ökologisch-nachhaltigen Landwirtschaft benötigen. Sie sind zum Teil tausende von Jahren alt und stehen nun aufgrund kurzsichtiger wirtschaftlichen „Effizienzstrategien" vor dem Aussterben. Noch sind sie vorhanden. Wir sollten alles dafür tun, um Sie zu erhalten. Wir werden robuste anpassungsfähige Nutztiere und Nutzpflanzen brauchen, die mit wenig Energieeinsatz unkompliziert wachsen und gedeihen können, damit die biologische Vielfalt erhalten bleibt.

Landschaftspflege
Die Herden sind in Streuobstwiesen, Hanglagen und auf Naturschutzflächen in der Beweidung. Besonders wo nur schwer mit Maschinen gearbeitet werden kann, sind die Wald- und Steinschafe mit ihrem guten Verbiss zu begehrten Helfern geworden. Ehemalige artenarme Hochgras-Mulchflächen auf den Streuobstwiesen bekommen wieder Luft am Boden, feine Gräser und Blumen können sich wieder ausbreiten. Schmetterlinge und Bienen finden auf den Weideflächen den ganzen Sommer über Nahrung. Auf den eigenen Wiesen verbleiben genügend Altholzbäume für Vögel und Fledermäuse.

Nachwachsende Rohstoffe und Humusaufbau
Der Erhalt traditioneller, regional angepasster Rassen spart Ressorcen an vielen Ecken. Weidetiere hinterlassen zudem wichtigen Dünger, der von Regenwürmern und vielen anderen Lebewesen zu Humus umgebaut wird. Nur so entsteht fruchtbarer Boden. Humushaltige, artenreiche Böden können wesentlich mehr CO2 speichern, als magere und artenarme. Beweidungsprojekte sollten gefördert statt behindert werden. Krainer Steinschafe sind auch in Mittel- und Hochgebirgslagen als Milchschaf nutzbar. Schafwolle ist ein regional nachwachsender Rohstoff, der immer noch viel zu wenig genutzt wird.

ArcheWollprojekt
Seit 2009 wird die Wolle der Tiere zu robusten Wollwaren verarbeitet. Socken, Teppiche, Strickwolle sind in den gewachsenen Farben der jeweiligen Rassen erhältlich. Seit 2014 färben wir einen Teil der Strickwolle mit Naturfarben, was wunderschöne langlebige Farben ergibt.

Umweltbildung und Streuobstpädagogik
Rund um die Schafe finden viele Ferienkurse, Schulprojekte, Tagesangebote und Familienwanderungen statt. Kinder, Jugendliche und Erwachsene bekommen Direktkontakt zu den Tieren - viele berühren dabei das erste Mal in ihrem Leben die weiche lanolinhaltige Schafwolle oder ein warmes Schafgehörn. Sie erleben, wie begeistert und liebevoll die Hütehündin Ronja ihre Arbeit macht, wie die Mutterschafe ihre Lämmer beschützen und dass man auf den freundlichen Waldschafbock Waldemar sogar reiten kann.

Mit der Schafherde gehen wir von Weide zu Weide, wandern wie ein Wanderschäfer. Die Kinder waschen, kardieren und filzen die Wolle der Wald- und Steinschafe und bekommen handfesten Einblick in alte Handwerkstechniken. So sind Grundlagen gelegt für Gespräche und Aktionen zur die Textilherstellung, die Kleider am eigenen Leib, nachwachsende Rohstoffe und naturnahe Verarbeitung der „Wunderfaser Wolle“. Da die Schafe meist draußen auf den Streuobstwiesen sind, bietet sich die Verknüpfung mit den Themen der Streuobstpädagogik an. Seit 2014 werden nun auch Bäume gepflanzt, Fledermauskästen gebaut, Insekten bestimmt und Apfelkuchen gebacken.

Ein Teil der Veranstaltungen findet in Kooperation mit dem Stadtjugendring Reutlingen e.V., dem Kinderschutzbund und dem Jugendmigrationsdienst Reutlingen statt. Mit Hilfe der finanziellen Unterstützung der Baden-Württemberg-Stiftung können seit 2013 nun verstärkt auch Kinder aus sozial schwachen und finanziell benachteiligten Familien an den Angeboten Teil haben. Im Sommer 2015 gab es die erste Waldschafwoche für Kinder aus Flüchtlingsfamilien.

So wird biologische Vielfalt auf vielen Ebenen erhalten und gefördert.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Unsere ArcheSchafe erhalten die biologische Vielfalt der heimischen Nutztierrassen und kümmern sich gleichzeitig um die biologische Vielfalt ihres Lebensraumes - weil sie als Weidetiere genau da sind, wo sie von Natur aus hingehören: auf die naturnahe Weide. Dort wird gefressen und die Hinterlassenschaften sind Grundlage für weitere Kreisläufe. Durch die Wechselbeweidung mit ausreichend Ruhephasen für den Bewuchs, haben auch alle anderen Bewohner dieser Gemeinschaft wunderbare Lebensbedingungen.

Das Ziel aller pädagogischen Angebote sind Begegnungen mit der Biodiversität um uns herum, aber auch das Erleben, dass wir selbst ein Teil der Artenvielfalt sind und auch sehr vielfältig sein können: im Aussehen, in der Herkunft, der Muttersprache – und trotzdem zusammen gehören und Menschen sind. Und dass wir uns kümmern müssen, sonst ists aus mit der Vielfalt.



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Dokumente

Dekade-Antrag - Beschreibung der Tätigkeiten und Arbeitsbereiche 2005 - 2012

 

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Wiesen, Weiden, Schafkoppeln, Stall - rund um die Schwäbische Alb und das Biosphärengebiet

Zum Kreuzle 2
72770 Reutlingen

Öffnungszeiten: je nach Jahreszeit

Frau Barbara Zeppenfeld
Tel.:0172/ 53 55 499
info@arche-alb.de
http://www.arche-alb.de

 

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