Sonderwettbewerb Soziale Natur

Matschen, Klettern, Toben - mit Kindern raus in die Natur

Der Lernhof Natur und Geschichte ist ein interkultureller Lern- und Erfahrungsraum und ermöglicht Kindern (und Erwachsenen) konkrete Erfahrungen im Umgang mit Pflanzen und Tieren. Statt mit Computer und Fernsehen kommen Kinder mit der Natur in Kontakt. Die heutige Lebensrealität von Kindern ist von vielen abstrakten, virtuellen und komplexen Vorgängen geprägt, Medien bestimmen einen Großteil der Freizeit. Der Lernhof Natur und Geschichte ist ein Mitmachhof auf dem das aktive Erlebnislernen insbesondere für Kinder, die in der Stadt leben und oft aus benachteiligten Familien kommen, im Vordergrund steht. Hier können Kinder konkrete Erfahrungen im Umgang mit der Natur und deren Vielfalt von Pflanzen und Tieren, im Garten und mit den Tieren auf dem Hof (Esel, Schafe, Kaninchen, Rammelsloher Hühner, Bienen) machen. Darüber hinaus spielt das Bewegen im Freien, Klettern und Spielen in der freien Natur und das Kennenlernen von Insekten, Tieren und Pflanzen eine wichtige Rolle.


Bundesweite Studien belegen, dass viele Kinder und Jugendliche sich zu wenig bewegen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, dass Kinder sich täglich mindestens eine Stunde bewegen sollten. Die Realität sieht jedoch anders aus. Wie eine weitere bundesweite Studie belegt (KIM-Studie), verbringen Kinder im Durchschnitt bis zu drei Stunden vor dem Fernseher. So verwundert es nicht, dass Kinder einerseits immer dicker und andererseits auch immer ungeschickter werden. Dabei verfügen Kinder von Natur aus über einen instinktiven Bewegungsdrang. Dies ist vor allem bei den Jüngeren erkennbar: Wann immer sich die Gelegenheit dazu ergibt, erproben sie ihre körperliche Geschicklichkeit durch Springen, Hüpfen, Klettern oder Balancieren.
Rennen, durch Pfützen stapfen, Tiere beobachten, auf Baumstümpfe klettern, Stöcke und Steine sammeln ist auf dem Lernhof erlaubt. Kinder, die sich draußen bewegen, mit anderen spielen und bauen, haben Spaß und verbessern ganz nebenbei ihre Körperbeherrschung, Bewegungsabläufe und Haltung. Beim gemeinsamen Spielen lernen Kinder auch, auf andere zu achten, mit anderen gemeinsam zu planen, zu tun und dabei auftauchende Probleme zu bewältigen.
Mit unserem Bewusstsein und unserem abgespeicherten Wissen vernachlässigen wir unsere Sinne. Wir schauen weniger hin, riechen, schmecken und tasten kaum mehr, Kinder haben Mühe mit dem Gleichgewicht. Jede alltägliche Handlung auf dem Lernhof wie Feuer machen, Holz suchen, Gras für die Tiere schneiden oder das Reagieren auf die Wetterverhältnisse beanspruchen die Sinne.
Auf dem Lernhof erfahren Kinder die Natur um sich herum mit allen Sinnen, betasten verschiedenste Strukturen (Rinde eines Baumes, Feder eine Huhnes), nehmen unterschiedliche Gerüche war (Duft einer Blüte, „Gestank“ im Hühnerstall), hören aufmerksam zu (Blöken der Schafe, Summen der Bienen) und sehen kleinste Details.
Die Kinder nutzen die natürlichen Begebenheiten zum Springen, klettern, krabbeln und balancieren. Die Koordination von Auge, Ohr, Hand und Körper erweitert die Vernetzung im Gehirn und prägt das Wahrnehmungsvermögen. Das Balancieren fördert den Gleichgewichtssinn, der für das Lernen wichtig ist und für das mathematische Verständnis eine große Rolle spielt. Auch das Laufen auf unebenem Gelände erfordert ein hohes Maß an Geschicklichkeit und Koordinationsfähigkeit. Die natürliche Umwelt auf unserem Gelände und angrenzende Bachlauf ist oft unübersichtlich, sehr verschiedenartig, besitzt eine Vielfalt an Formen und Materialien.
In verschiedenen Projekten und Aktivitäten lernen die Kinder dabei auch die biologische Vielfalt kennen, sei es bei der Erkundung der Insekten im Boden und morschem Holz, beim Bau eines Insektenhotels und dem Besuch unserer Bienen oder bei der Vorbereitung der jährlich stattfindenden Pflanzentauschbörse mit ca. 25 verschiedenen Sorten an Tomatenpflanzen.
Eine Besonderheit sind unsere Esel. Esel als eine der ältesten Haustierrassen zum Tragen von Lasten, werden bei uns gerne zum Wandern mit den Kindern z.B. in den Wald mitgenommen. Da Kinder ungern „spazieren“ gehen, sind die Esel eine große Motivation, die Kinder ins Freie zu bringen.
Das Motiv von Kindern zum Spielen in der Natur ist das subjektive Gefühl von Freiheit. Kinder können in der Natur freizügig spielen, sind zugleich gut aufgehoben und können dem Wunsch nach „Wildnis“ und Abenteuer nachgehen. In Naturerfahrungsräumen spielen Kinder länger, lieber und weniger allein, das Kinderspiel ist häufig komplexer, kreativer und selbstbestimmter (vgl.: Prof. Dr. Ulrich Gerhard, Bundesamt für Naturschutz, Skript 230, 2008).
Der Lernhof Natur und Geschichte wird von verschiedenen Kitas, Grundschulen, Förderschulen, Hort- und sonstigen Gruppen das ganze Jahr über besucht. Es findet eine Zusammenarbeit mit der Familienhilfe, Kinderheim, u.a. sozialen Einrichtungen statt. Daneben gibt es offene Angebote und Ferienspiele für Kinder von 1-14 Jahren. Unterstützung erfährt der Lernhof durch das städtische Galama-Projekt mit Langzeitarbeitslosen und Flüchtlingen bei baulichen Reparaturen.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Soziales und interkulturelles Lernen, Teilhabe, Naturerfahrung, gesunde Ernährung und umweltbewusste Lebensweise sind zentrale Punkte in der Verantwortung für Natur und Umwelt und im Zusammenleben von Kulturen und Generationen. Auf dem Lernhof wird den Kindern ein natürlicher, sparsamer und verantwortlicher Umgang mit Ressourcen vermittelt. Die ökologischen Zusammenhänge von Boden, Pflanzen und Tieren werden verdeutlicht. Auf dem Lernhof lernen Kinder im jahreszeitlichen Rhythmus einheimische Wild- und Kulturpflanzen kennen. Es gilt ökologische Zusammenhänge und die biologische Vielfalt für die Kinder sichtbar zu machen (z.B. Biene – Artenvielfalt – Bestäubung oder Boden – Kompost - Insekten - Garten). Die Kinder sammeln z.B. verschiedene Apfelsorten und probieren und verarbeiten diese. Nebenbei erkennen sie die Vielfalt und Sorten bei Obst und Gemüse, lernen wie viel Arbeit und Mühe zur Produktion von Lebensmittel nötig ist und geerntet werden muss, wenn es reif ist.


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Besuchen Sie uns

Diakonisches Werk Region Kassel Lernhof Natur und Geschichte

Weg in der Aue 75
34128 Kassel

Öffnungszeiten: dienstags und donnerstags 14.00 Uhr -17.30 Uhr, Gruppen nach Vereinbarung

Frau Petra Kaltenstein
Tel.:0561-884161
petra.kaltenstein@dw-region-kassel.de
http://www.dw-kassel.de/rat-und-hilfe-finden/interkulturelles-lernen-sprache-kultur-umwelt/lernhof-natur-und-geschichte/http://www.bioleka.de ;

 

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Kassel

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