Wilde Mulde - eine Wildflusslandschaft in Mitteldeutschland

Kiesbänke, wandernde Ufer, viel Totholz – all das macht einen Wildfluss aus. Die Mulde besitzt viele dieser Eigenschaften und ist zugleich der größte Fluss in Deutschlands Tiefland, dessen Ufer nicht vollständig verbaut und dessen Flussbett nicht zur Fahrrinne ausgebaggert wurde. Dieser Naturschatz soll mit dem Projekt „Wilde Mulde“ stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Zudem sollen drei ausgewählte Abschnitte naturschutzfachlich entwickelt werden, denen es an Naturnähe noch fehlt. Das Projekt wird durch umfängliche Forschungsarbeiten begleitet.

Lebensraum Totholz
Umgestürzte Bäume und große abgebrochene Äste sind Kennzeichen natürlicher Flüsse. Sie gestalten die Ufer und stabilisieren die Flusssohle. Zudem bieten sie Kleinstlebewesen und Fischen Lebensraum. Sie haben damit eine großen Beitrag zur Sicherung der biologischen Vielfalt. Nun besteht das Vorhaben darin, sechs große Bäume mitsamt Wurzeln und Krone dem Gewässer zu überlassen und so neue Lebensräume zu schaffen. Die wissenschaftliche Forschung wird gewissenhaft die Entwicklung der Lebensräume wie insgesamt die zu erwartenden Veränderungen des Flussabschnittes begleiten. Aus der Nähe öffentlicher Wege werden aber auch alle anderen Interessierten die Gelegenheit haben, den Wandel hautnah mitzuerleben.

Wiederherstellung eines Naturufers
Ein natürlicher Fluss schlängelt sich durch seine Aue und verändert ständig seinen Lauf. Mit dieser Eigenart bilden Fluss und Aue eine lebendige Einheit. Jedoch wurde die Hälfte der Unteren Mulde in ein enges Uferkorsett gezwungen. Nun soll auf einem ca. 500 m langen Abschnitt das natürliche Ufer der Mulde wiederhergestellt werden, indem es von Steinen bereinigt wird. Ferner soll die Entstehung der für einen Wildfluss typischen steilen, abbrechenden Ufer und die auf der gegenüberliegenden Seite seicht in den Fluss laufenden Kiesbänke erforscht werden. Nicht weniger gilt das Interesse der Wissenschaft diesen Lebensräumen und ihren zahlreichen Bewohnern.

Anschluss eines Seitenarmes
Zur Charakteristik einer Flusslandschaft gehört, dass der Fluss selbst von anderen Gewässern umgeben ist. Sogenannter Altarme zum Beispiel, die aus alten Flussläufen entstanden sind, oder von seichten bis tiefen Flutrinnen, die bei Hochwasser durchströmt werden. Viele dieser Gewässer leiden darunter, dass sie von den schwankenden Wasserständen des benachbarten Flusses abgekoppelt sind. Der WWF möchte einen solchen von der Mulde abgekoppelten Seitenarm so wieder anschließen, dass bei erhöhten Wasserständen das für diesen Lebensraum so wichtige Wasser einströmen kann. Die Forschungsarbeiten dienen hier dem Verständnis der Funktionsweisen einer Wildflusslandschaft und geben Rückschlüsse auf die Wirksamkeit der Maßnahmen hinsichtlich der biologischen Vielfalt.

Aufforstung Hartholzauwald
Das Wechselspiel von Hochwasser und Trockenzeiten in den Wäldern von Flussauen erklärt die Besonderheiten dieses Lebensraums, der viele daran angepasste Pflanzen- und Tierarten beheimatet. Dieser „Regenwald Deutschlands“ verdient besonderen Schutz. Im Projekt Wilde Mulde sollen 5 ha dieses vor allem aus Eichen, Ulmen und Eschen bestehenden Auwalds gepflanzt werden.

Die Wildflusslandschaft als Naturschatz
Zu den Zielen des Projektes gehört es auch, den Wildfluss als stadtnahen Naturschatz kennen und schätzen zu lernen. Zu diesem Zweck findet jährlich ein Mulde-Fluss-Tag in Dessau statt. Überdies werden im Rahmen des Projektunterrichts örtlicher Schulen unterschiedliche Themen zur Mulde bearbeitet. Den Fragen zur Bedeutung der Flussaue für die Menschen wird sich die wissenschaftliche Forschung zuwenden. Zudem gilt es zu untersuchen, ob und inwieweit die geplanten Verbesserungsmaßnahmen auf Akzeptanz stoßen.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Der Zustand der Fließgewässer und Flussauen in Deutschland ist einer der Indikatoren in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) und gibt Auskunft über die Situation der Flussauen als Lebensraum von Pflanzen und Tieren (BMU 2010). In der NBS ist verankert, dass bis 2020 Fließgewässer und Auen in ihrer Funktion als Lebensraum soweit gesichert werden sollen, dass eine für Deutschland naturraumtypische Vielfalt an Organismen und Biotopen gewährleistet wird. Durch die Revitalisierung der Unteren Mulde und die damit verbundene Initiierung der morphologischen Erneuerung von Fluss und Aue kann die Le-bensraumfunktion verbessert bzw. nachhaltig gesichert werden. So werden neue Pionier-standorte natürlich geschaffen, auf denen Arten und Lebensgemeinschaften wieder geeignete Lebensräume finden, die deutschland- und europaweit als besonders gefährdetet gelten. Darüber hinaus wirkt die Wiederanbindung eines Altgewässers der zunehmenden Verlandung und damit dem Verlust der Biodiversität in Gewässern und Auen entgegen. Mit der initialen Begründung von Auenwaldflächen wird die Vernetzung der großen geschlossenen Auenwaldbestände im Biosphärenreservat Mittelelbe verbessert.

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Dokumente

Wilde Mulde - Revitalisierung einer Wildflusslandschaft in Mitteldeutschland

 

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