Erhalt eines einzigartigen Landschaftsmosaiks aus Wiesen, Gewässern und Wäldern

Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg

Blühende Bergmähwiesen, klare Quellbäche und naturnahe Buchenmischwälder bieten zahlreichen gefährdeten Tier- und Pflanzenarten in der Mittelgebirgslandschaft Vogelsberg einen Lebensraum. Zu diesen besonderen Arten zählen Schwarzstorch, Arnika, Rhön-Quellschnecke, Edelkrebs und der Hirschkäfer. Mit verschiedenen Maßnahmen entwickelt das Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg (im Folgenden abgekürzt mit NGP) diese bemerkenswerte biologische Vielfalt und trägt zum Erhalt des Strukturreichtums der Landschaft bei. Naturschutzorientierte, traditionelle und extensive Land- und Forstwirtschaft sollen die historisch gewachsene und einzigartige Kulturlandschaft des Vogelsbergs auch für nachfolgende Generationen bewahren. Durch die Förderung eines nachhaltigen Tourismus und Schaffung von Umweltbildungsangeboten in der Region, möchte das Projekt das Bewusstsein für die vielfältige Natur im Vogelsberg stärken.

Großflächig, besonders schützenswert, charakteristisch und bundesweit beispielhaft müssen Landschaften sein, um in die Bundesförderung für Naturschutzgroßprojekte aufgenommen zu werden. Als größtes zusammenhängendes Basaltmassiv Mitteleuropas besitzt der Vogelsberg all diese Merkmale. Bei hohen Niederschlägen und dank einer traditionell kleinbäuerlichen Nutzung, haben sich außergewöhnliche Kombinationen von Lebensräumen eingestellt. Neben hunderter Quellen, zahlreicher Bäche und ruhigen Wäldern sind auch die blumenreichen Bergmähwiesen ein prägendes Element dieser Mittelgebirgslandschaft.

2002 haben sich regionale Akteure aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Naturschutz zusammengesetzt, um ihre Idee eines NGP zu entwickeln und zu beantragen. Nach einem umfangreichen Klärungsprozess wurde der Vogelsberg als Region von bundesweiter Bedeutung anerkannt und in dem 92.000 ha großen Projektgebiet entstanden 53 Förderräume von insgesamt 7.600 ha Fläche. Das Auffinden von 90 bedrohten Pflanzen- und 140 gefährdeten Tierarten unterstreicht die nationale Bedeutung dieses Gebietes für den Naturschutz. Mit Arnika, Weichhaarigem Pippau, Bechsteinfledermaus, Mittelspecht und Rotmilan leben im Vogelsberg Tiere und Pflanzen, für die Deutschland, aufgrund ihrer weltweiten Seltenheit, eine besondere Verantwortung trägt. Der Vogelsberg ist ein Hotspot der biologischen Vielfalt in Hessen und in ganz Deutschland.

Viele der gefährdeten Pflanzenarten kommen nur auf extensiv bewirtschaftetem Grünland vor und sind Nahrungsquelle für unzählige Insekten. Diese wiederum dienen Vögeln und kleinen Säugetieren als Nahrungsgrundlage. Die dauerhafte Sicherung des extensiven Grünlands ist Schwerpunktaufgabe des NGP. Die enge Zusammenarbeit mit Landwirten, regionalen Landschaftspflege- und Gartenbaubetrieben prägt die Arbeit des Projektteams. Um die biologische Vielfalt einer reich strukturierten Kulturlandschaft zu erhalten und zu entwickeln, müssen alle an einem Strang ziehen. Vor allem das kooperative Miteinander von Landwirtschaft und Naturschutz sind von entscheidender Bedeutung. Denn ohne das Engagement der Landwirte werden artenreiche Wiesen und Weiden aus unserer Landschaft verschwinden. Das NGP unterstützt deshalb die Bewirtschafter vor Ort ihre Wiesen instand zu setzen oder aufzuwerten. Es gibt Hilfestellung die richtige Bewirtschaftungsform für kostbare Flächen zu finden, damit diese in vielen Jahren noch genauso artenreich sind wie heute. Eine Besonderheit ist die Anreicherung artenarmer Wiesen mit neuen Bergmähwiesen-Arten. Hierfür wird auf ausgewählten, artenreichen Wiesen Samenmaterial durch Drusch gewonnen und auf die artenarmen Flächen ausgesät. Nach und nach können sich so die verloren gegangenen Arten wieder etablieren und eine verlorengegangene Bergmähwiese im neuen Glanz erstrahlen. Auf anderen Wiesen ist die Artenvielfalt durch sogenannte invasive Neophyten, wie etwa der Vielblättrigen Lupine bedroht. Die Lupine ist zwar hübsch anzusehen, bietet aber nicht das Nahrungsspektrum für Insekten, welches beispielsweise typische Bergmähwiesen-Arten bieten können. Zudem ist sie durch ihre Anspruchslosigkeit und die Fähigkeit zur Stickstoffbindung konkurrenzstärker als unsere heimischen Pflanzen. Einmal in eine Wiese eingewandert ist sie nur noch schwer aufzuhalten. Vor allem die Bewirtschafter stellt die rasante Ausbreitung der Pflanzen vor eine Herausforderung. Zumal sie auch noch giftig für Tiere ist und damit die Heuqualität stark leidet. Ohne Hilfe des Projekts ist die Bekämpfung der Pflanzen, die im Idealfall mehrfach im Jahr mit einem Ampferstecher ausgestochen werden sollte, ein kaum zu bewältigender Arbeitsaufwand. Neben der Wiederherstellung von artenreichem Grünland fördert das Projekt die Renaturierung von Bächen und Quellen.

Eine der Besonderheiten der Region ist das Hochmoor „Breungeshainer Heide“. 2017 hat das NGP Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt und dank der Wiedervernässung kann sich das Moor regenerieren. Für die Entwicklung naturnaher Fließgewässer wurden Verrohrungen und Abstürzen entfernt und somit unüberwindbare Hindernisse für wandernde Fischarten beseitigt. Prozessschutzmaßnahmen im Wald und der Umbau von Forsten zu naturnahen Waldgesellschaften runden das Gesamtkonzept ab.

2018 hat das NGP gemeinsam mit Partnern aus der Region Hessens erste Bergmähwiesenmeisterschaft ausgelobt, bei der die besten Wiesen des Vogelsbergs prämiert wurden. Im Vordergrund dieser Meisterschaft steht es den Bewirtschaftern der artenreichen Wiesen ein Gesicht zu geben und ihren Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft wertzuschätzen. Gekürt werden die Landwirte, denen der Spagat gelingt ein Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichen Interessen und naturnaher Bewirtschaftung herzustellen und damit die Biodiversität auf den Wiesen erhalten und dennoch wertvolles Futter für ihre Tiere gewinnen. Naturschutzfachliche Kriterien spielen bei Wiesenmeisterschaften genauso eine Rolle wie futterbauliche.


Bezug zur biologischen Vielfalt:

Der Vogelsberg ist durch Bergmähwiesen, Borstgrasrasen und diverse Feuchtwiesen geprägt. Auf diesen Wiesentypen ist bei naturschutzgerechter Bewirtschaftung die Artenvielfalt besonders hoch. Unzählige Pflanzenarten, wie Arnika, Trollblume, Kleines Knabenkraut, Wald-Storchenschnabel oder etwa das seltene Wald-Läusekraut kommen hier vor. Die Vielfalt an unterschiedlichen Blumen, Gräsern und Kräutern dient zahlreichen Schmetterlingen, wie etwa den seltenen Wiesenknopf-Ameisenbläuling oder dem Randring-Perlmutterfalter, aber auch zahlreichen Bienen, Hummeln, Heuschrecken und Käfern als Lebensgrundlage. Eine große Insektenvielfalt bietet wiederum Vogelarten wie etwa dem Wiesenpieper ausreichend Nahrung, um auch ihre Jungen großzuziehen. Durch den Erhalt und die Wiederherstellung dieser wertvollen und extensiven Grünlandbestände wird im Vogelsberg diese besondere Artenvielfalt gefördert und erhalten. Die Etablierung von tragfähigen, wirksamen und schonenden Bewirtschaftungsformen, welche die biologische Vielfalt fördern und dennoch dem Landnutzer ein Auskommen sichern, ist dabei ein wichtiges Anliegen des Naturschutzgroßprojektes.


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