Tierische Rasenmäher im Tegeler Fließ

Mit dem Ziel die biologische Vielfalt in einem besonders wertvollen Natura 2000-Gebiet im Berliner Bezirk Reinickendorf zu schützen, wurde 2015 ein innovatives Projekt gestartet. Anstelle von schweren Maschinen pflegen hier Wasserbüffel die nassen Wiesen. Hierbei schaffen und erhalten sie Lebensräume für selten gewordene Pflanzen und Tiere und sind zudem ein friedfertiger Publikumsmagnet.

Im Jahr 2015 wurde im Berliner Bezirk Reinickendorf ein innovatives Wasserbüffel-Beweidungs-Projekt zum Schutz der biologischen Vielfalt von Pflanzen und Tieren, des Klimas sowie des Gewässers ins Leben gerufen, um ein wertvolles Natura 2000 Gebiet nachhaltig zu fördern. Die nassen Wiesen des Tegeler Fließes sollten vor der zunehmenden Verbuschung geschützt und eine langfristige Offenhaltung der Wiesen garantiert werden. Die hier selten gewordenen Arten sollten sich wieder ansiedeln und den Lebensraum zurückerobern. Da eine maschinelle Pflege des Gebietes problematisch war, entschieden die verschiedenen Akteure im Naturraum eine langjährige Beweidung durch Wasserbüffel durchzuführen. Im mittlerweile vierten Jahr des Projektes, erhält es durchweg positive Resonanz und wird mit Begeisterung und Interesse der Berliner Bevölkerung verfolgt.

Das Tegeler Fließ besticht durch seine naturbelassene Schönheit am Rande der Großstadt und gehört zum größten zusammenhängenden Natura-2000 Gebiet (377 ha) in und um Berlin. Das Gebiet umfasst neben dem Landschaftsschutzgebiet Tegeler Fließ noch die Naturschutzgebiete Kaltkuffgelände und Niedermoorwiesen. Allgemein gefährdet sind solche Ökosysteme nicht nur durch den Klimawandel, sondern vor allem durch die Ausbreitung landwirtschaftlicher Flächen, da sie trockengelegt, einen großen Nährstoffeintrag erfahren und intensiv bewirtschaftet werden. Gerne besucht wird dieser Lebensraum von Wanderern, Tagesausflüglern und Naturliebhabern, die dieses einzigartige Ökosystem zu schätzen wissen und sich von dem Trubel der Stadt erholen wollen. Das gesamte Habitat ist unbedingt schützenswert, da es aufgrund seiner mosaikartigen Landschaftsstruktur vielen Arten, unter anderem Tierarten der FFH-Richtlinie und sowie der EU-Vogelschutzrichtlinie, ein Zuhause gibt. In diesem vielfältigen Gebiet kann man das Wiesenschaumkraut, den Blutweiderich oder die Sumpfdotterblume finden. Mit etwas Glück beobachtet man sogar gefährdete Arten wie den Sumpfrohrsänger, den seltener werdenden Kuckuck oder den Kleinen Schillerfalter.

Neben den zahlreichen Arten, die sich hier angesiedelt haben, leistet das Gebiet einen Beitrag zum Klimaschutz durch seine Funktion als Kohlenstoffspeicher. Das Projekt verbindet nachhaltigen Arten-, Klima- und Gewässerschutz und erfüllt so gleich mehrere Ziele der Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen.

Nachdem die nassen Wiesen in unserem Ziel-Gebiet (25,4 ha) mehrere Jahre brach lagen und schwankende Wasserstände die Pflege durch schwere Maschinen zeitweise unmöglich machten, konnten dort kaum Pflegemaßnahmen stattfinden und die biologische Vielfalt nahm stetig ab. Ziel war es, im Rahmen einer extensiven Nutzung Lebensräume zu erhalten und Habitate typischer, gefährdeter Wiesenpflanzen, bodenbrütenden Vogelarten und anderer vom Offenland abhängigen Tierarten zu erhalten und zu etablieren.

Innovative Alternativen wurden gesucht, um die seltenen Wiesen nachhaltig zu managen. So wurde der Plan gefasst, dass Wasserbüffel die Feuchtwiesen auf 17 ha zukünftig beweiden. Im Mai 2015 wurden die ersten Wasserbüffel auf den eingezäunten Bereich gelassen und sind seitdem saisonal als „Landschaftspfleger“ aktiv.

Die Beweidung mit Wasserbüffeln bringt gleich mehrere Vorteile mit sich: Sie sind natürliche Rasenmäher, die für die Offenhaltung der Landschaft sorgen und somit für die Ansiedlung und den Erhalt seltener Arten. Sie sorgen außerdem für Suhlen, die auch von anderen Tieren genutzt werden. Sie arbeiten boden- und pflanzenschonend. Zudem sind sie ein Publikumsmagnet und eine zusätzliche Attraktion im Erholungsgebiet. So begleitet das Gabriele-von-Bülow-Gymnasium das Projekt mit großem Interesse und hat eigens dafür eine Website erstellt (http://gvb.wasserbueffel.square7.de/). Das Projekt dient somit auch der Bildung eines Umweltbewusstseins für Schülerinnen und Schüler. Weiterhin werden die Erfolge überprüft, dokumentiert und ausgewertet.

Verschiedene Zeitungen und Lokalblätter berichten regelmäßig über das Projekt, vor allem dann, wenn die Wasserbüffel nach ihrer Winterpause, begleitet von Medien, Amtsträgern und einer großen Anzahl Zuschauer, wieder auf die Weiden gelassen werden. Informationstafeln vor Ort informieren die Ausflügler nicht nur über das Projekt, sondern auch über den Lebensraum mit seinen vorkommenden Tier- und Pflanzenarten. Das Projekt ist durch die Zusammenarbeit der Oberen Naturschutzbehörde, des Bezirksamtes Reinickendorf und des Landschaftspflegeverbands Spandau e.V. ermöglicht worden. Finanziell gefördert wird das Projekt zudem vom European Network for Rural Development, aus Mitteln des EU-Agrarfonds ELER. Eine langfristige Zusammenarbeit wird von allen Beteiligten erwünscht und angestrebt.

Abschließend lässt sich sagen, dass dieses erfolgreiche Projekt nun im vierten Jahr nachhaltig zum Erhalt und zur Förderung der biologischen Vielfalt beiträgt und aktiven Biodiversitätsschutz leistet.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Weltweit verschwinden Feuchtwiesen und die darauf lebenden Pflanzen- und Tierarten. Um diesem Schwund entgegenzuwirken und eine solch wichtige Feuchtwiese zu erhalten und zu pflegen, werden anstelle von schweren Maschinen Wasserbüffel eingesetzt, die boden- und pflanzenschonend arbeiten. Sie schaffen die notwendigen Lebensräume, sodass sich selten gewordene Arten wieder ansiedeln und ausbreiten können.


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Dokumente

Projektbeschreibung: Wasserbüffel als Landschaftspfleger im Tegeler Fließ

 

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Tegeler Fließ - Westlicher Teil

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Weitere Infos

Bezirksamt Reinickendorf; Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz/Obere Naturschutzbehörde; Landschaftspflegeverband Spandau e.V.
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