Rieselfeldlandschaft Hobrechtsfelde

Etablierung von Synergien zwischen Naturschutz, Forstwirtschaft und stadtnaher Erholung durch die Entwicklung aufgeforsteter Rieselfelder zu beweideten halboffenen, artenreichen Waldlandschaften im Einzugsgebiet Berlins. Ziel ist es, mittels extensiver Beweidung einen für Deutschland neuen Landschaftstyp mit hoher biologischer Vielfalt zu entwickeln: die halboffene Waldlandschaft unter Berücksichtigung der besonderen Situation auf ehemaligen Rieselfeldern.

Hauptziel desVorhabens Rieselfeldlandschaft Hobrechtsfelde ist die Erprobung neuer Synergien von Naturschutz und Forstwirtschaft durch die Beweidung heterogener Waldlandschaften – aufgeforsteter Rieselfelder – im Spannungsfeld zwischen Großstadt und Naturpark. Ziel ist es, mittels extensiver Beweidung einen für Deutschland neuen Landschaftstyp zu entwickeln. Auf den ehemaligen Rieselfeldern rund um Hobrechtsfelde und in den angrenzenden klassischen Waldflächen wird durch extensive Beweidung eine halboffene Waldlandschaft als neuer Typ einer naturgeprägten Kulturlandschaft geschaffen.
Grundsätzlich soll das Projekt die Walderhaltung sichern. Die Bedeutung der Waldweide u.a. als forstwirtschaftliches Instrument der Weiterentwicklung von forstlichen Sonderstandorten in naturnahen Laubwald in einer halboffenen Waldlandschaft soll erprobt werden. Darauf aufbauend wird die extensive Beweidung durch große Weidetiere als Instrument zur Umwandlung heterogener Waldlandschaften in ökologisch wertvollen halboffenen Mischwald genutzt. Im Fokus stehen sowohl Naturschutzzielsetzungen wie biologische Vielfalt, landschaftliche Diversität/ Dynamik, ausgedehnte Übergangsstadien zwischen Gehölzstrukturen und Offenlandschaft, Schaffung von Pionierstandorten als auch forstwirtschaftliche Ziele wie die Förderung von Zielbaumarten und das Zurückdrängen von Neophyten. Dabei sind die sich aus der ehemaligen Rieselfeldnutzung ergebenden, besonderen Standortbedingungen (Boden, Hydrologie, Schwermetalle) von entscheidender Bedeutung.

Das Vorhaben gliedert sich in drei Themenfelder. Die darin formulierten Ziele bilden seinen inhaltlichen Gesamtrahmen:
Beweidung
• Stärkung der Biodiversität durch die Schaffung nachhaltiger halboffener beweideter Waldstandorte
• Klärung des rechtlichen Rahmens insbesondere in Bezug auf die Waldweide und Schaffung langfristiger Planungssicherheit
• Schaffung ökologisch wertvoller, stadtnaher Erholungsräume mit dynamischen Landschafts- bzw. Waldbildern
• Wirtschaftliche Aspekte der Beweidung als Baustein der Pflege und Entwicklung von Sonderstandorten des Waldes
Gewässer- und Moorrenaturierung – ökologische Sanierung
• Reduzierung des Wasserabflusses und damit eine Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes
• Erhöhung der Grundwasserneubildung durch Waldumbau
• Stützung des Landschaftswasserhaushaltes durch die Abflüsse aus den östlich angrenzenden Randgemeinden unter Einbeziehung von geklärtem Abwasser
• Umbau an Gewässern (z.B. Sohlenanhebungen des Lietzengrabens und seiner Zuflüsse) zur Verbesserung des Gebietswasserhaushalts und zur besseren Erlebbarkeit des Gewässers
• Renaturierung wertvoller Niederungswiesen und Moorstandorte
• Schadstoffbindung durch Aufbringen und Einarbeiten von Mergel auf Teilflächen, gezieltes Wassermanagement

Kommunikation, Besucherlenkung und Öffentlichkeitsarbeit
• Attraktive Vermittlung der komplexen Zielsetzung des Beweidungskonzeptes mit seinen ökologischen, erholungswirksamen und wirtschaftlichen Entwicklungsperspektiven
• Stärkung der Akzeptanz für den Naturschutz durch zeitgemäße Öffentlichkeitsarbeit unter Einbeziehung vorhandener Potenziale wie z.B. des Landschaftswasserhaushaltes oder der Kunstobjekte in der Landschaft
• Stärkung der Naherholungsfunktion und Vermittlung der im Rahmen des Projektes neu entstehenden Naturerlebnisqualitäten durch ergänzende Umweltbildungsangebote
• Wissenschaftliche Begleitung zum Nachweis der nachhaltigen Wirkung und der Beispielhaftigkeit des Vorhabens sowie seiner Übertragbarkeit auf vergleichbare Aufgabenstellungen
• Einbindung der Maßnahmen und Ziele des E+E-Vorhabens in die allgemeine Entwicklung im räumlichen und inhaltlichen Umfeld des Projektgebietes – Nutzung von Synergieeffekten.
Das Projekt lief zwischen 2011 und 2015 als E&E Vorhaben in Trägerschaft des Fördervereins Naturpark Barnim e.V. und wird seit Auslaufen durch die Berliner Forsten in Kooperation mit dem Naturpark Barnim weiter geführt.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Auszüge aus den Untersuchungen der HNEE:
Zieht man allein die Artenanzahl als Indikator für die Biodiversität heran, dann hat sich diese für die Vegetation im Projektzeitraum signifikant erhöht. Gefährdete Arten kommen vorrangig auf Sonderstandorten (z. B. Sanddüne) vor. Die Laufkäfer profitieren von der beweidungsbedingt abnehmenden Streuschicht. Die Koprophagenfauna, also die Organismen, die sich von Exkrementen anderer Tiere ernähren können mit 25 Arten als reichhaltig bezeichnet werden. Im Gegensatz zu saisonaler Beweidung fördert die extensive Ganzjahresbeweidung mit weitgehendem Verzicht auf Medikamente eine artenreichere Dungkäfergemeinschaft, die wiederum mit ihren Großinsekten als Nahrungsbasis für verschwundene oder stark gefährdete Vogel- und Fledermausarten eine Schlüsselrolle spielen. Amphibien und Libellen profitieren von den Wiedervernässungsmaßnahmen. Positive Beweidungseffekte stellen sich auch am Ufer durch Tritt und Fraß der Weidetiere dar. Diese offenen, besser besonnten Teilbereiche an den Gewässerufern kommen auch den Reptilien zugute. Dem Strukturreichtum der Landschaft geschuldet zählen die Brutvögel zu den wertgebenden Arten. Bei flächendeckenden Brutvogelkartierungen konnten insgesamt 107 Arten nachgewiesen werden, darunter auch landes- und bundesweit gefährdete Arten wie Krick- und Löffelente, Braunkehlchen, Raubwürger, Wachtelkönig, Wendehals und Zwergdommel. Damit hat das Gebiet für Berlin eine besondere Bedeutung.


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Besuchen Sie uns

Ausstellung im Alten Speicher auf Gut Hobrechtsfelde

Hobrechtsfelder Dorfstraße 45
16341 Panketal

Öffnungszeiten: Freitag - Sonntag 10-18 Uhr

Frau Antonia Gerke
Tel.:+491719513435

 

Weitere Infos

1. Phase Förderverein Naturpark Barnim 2. Phase und aktuell Berliner Forsten
Panketal

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