Sonderwettbewerb Soziale Natur

"Grün macht glücklich!" Gemeinschaftsgarten in Ratingen-West

Der Garten befindet sich im Grünzug am Maximilian-Kolbe-Platz in Ratingen-West. Der Garten ist eingezäunt, hat aber ein offenes Tor, er kann also jederzeit von allen betreten, besichtigt, benutzt, gepflegt und genossen werden. Auf einer Fläche von derzeit 1000m² gärtnern zur Zeit etwa dreißig Einzelpersonen, Paare und Familien. Es gibt sowohl gemeinschaftliche als auch "private" Beete. Zudem kommt einmal wöchentlich die "Gruppe 4" der Städt. KiTa Erfurter Str. mit bis zu 25 Kindern plus Erzieherinnen in den Garten. Auf der Basis von konzeptioneller Naturpädagogik lernen die Kinder, Umweltzusammenhänge zu verstehen, und machen Naturerfahrungen mit allen Sinnen. Einmal im Monat ist für alle NutzerInnen "Grüner Samstag" mit vorbereiteten Gemeinschaftsaktionen (Zaunbau, Flächenplan, Sommerfest, Bodenverbesserung...) und gemütlichem Mittagspicknick.

Vorgeschichte/Entstehung
Der Interkulturelle Gemeinschaftsgarten ist entstanden als Teilprojekt des BiWAQ-Projekts "InWESTment" in Ratingen-West. Dieser Stadtteil hat eine besonders hohe Bevölkerungsdichte, das Bild wird geprägt von großen Wohnblöcken und Hochhäusern neben kleineren Mehrfamilienhäusern und Reihenhaussiedlungen. Kindergärten, Grundschulen und jegliche weiterführende Schulen sind vor Ort. Es gibt umfangreiche Grünanlagen, die aber vor allem pflegeleicht gestaltet sind. Auf biologische Vielfalt wurde hier (noch) kein besonderes Augenmerk gerichtet.

Projektziele
Ziel des Gartenprojektes ist es, Menschen ohne eigenen Garten das Gärtnern in ihrem direkten Lebensumfeld zu ermöglichen. Der Garten soll als neuer Begegnungsort das Miteinander der Menschen im Quartier wachsen lassen- unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Alter und sozialem Status. Der Stadtteil soll verschönert, die Lebensqualität durch die neue Pflanzenvielfalt vor der Tür verbessert werden.

Soziale Natur
Vereine und Anwohner spendeten mehrere Bäume und Großsträucher. In den Beeten wachsen neben Beerensträuchern und diversen Gemüsesorten auch verschiedene Kräuter, Sommerblumen und Stauden. Die Teilnehmer*innen haben private Beete individuell gestaltet, es werden aber auch gemeinschaftliche Flächen bewirtschaftet.

Etwa einmal pro Woche kommt eine Kindergartengruppe zum gemeinsamen Gärtnern.
Darüber hinaus helfen mehrere Menschen regelmäßig im Garten ohne eine eigene Parzelle zu bewirtschaften. Sie unterstützen die Betreuung der Kindergartengruppe, helfen bei der Pflege der Beete und bei anderen anfallenden Arbeiten im Garten und übernehmen Aufgaben zur Förderung der Gemeinschaft.

Unser Garten steht nicht nur für biologische Vielfalt, sondern für Vielfalt in jedem Sinne: Die Menschen, die sich im Gemeinschaftsgarten engagieren, sind zwischen 2 und 79 Jahre alt, es sind Mädchen und Jungen, Frauen und Männer. Manche leben alleine, manche kommen mit ihrer Familie in den Garten, manche leben zu zweit mit Lebenspartner*in.
Einige sind berufstätig, andere schon lange arbeitslos. Manche sind in Rente, manche in Elternzeit. Die einen leben schon immer in diesem Stadtteil, andere sind gerade erst hierhergezogen. Neben Deutsch sind noch zahlreiche andere Muttersprachen vertreten. Die Verständigung fällt manchmal schwer, aber durch gemeinsame Gartenätigkeiten können Sprachbarrieren überwunden werden genau wie Alters- und soziale Unterschiede.

Der Garten ist zwar eingezäunt, das Tor ist aber immer offen. Viele Nachbarn und Passanten kommen gerne mal auf ein Pläuschchen an den Gartenzaun und immer öfter auch in den Garten hinein.
So ist der Garten bereits jetzt ein grüner Treffpunkt im Quartier.

Einmal im Monat ist "Grüner Samstag": hier können sich alle Mitgärtner*innen, die sonst zu ganz unterschiedlichen Zeiten in den Garten kommen, treffen und gemeinsam tätig werden. So werden neue Kontakte geknüpft, die ohne den gemeinsamen Garten nie zustande gekommen wären. Durch die gemeinsame, zielgerichtete Betätigung sind am Ende des Tages alle zufrieden. Die gemütliche Mittagspause und das Hand-in-Hand -arbeiten schweißt zusätzlich zusammen.
Alle sind gleichermaßen stolz auf alles, was im Garten gut gedeiht. Ratschläge und praktische Hilfe werden genauso getauscht wie Erntegut und Rezepte für die Zubereitung.


Der Garten als "Lernort Natur"
Gelernt wird hier viel und ganz nebenbei: Die Kindergartenkinder dachten tatsächlich zu Beginn, daß Erdbeeren "von Aldi kommen". Inzwischen haben sie selber Erdbeeren gepflanzt, geerntet und gegessen. Sie wissen, was Pflanzen zum Leben brauchen, und sie können viele der Pflanzen in unserem Garten erkennen und benennen. Neben der Bewirtschaftung und Pflege eigener Beete werden jahreszeitliche Naturthemen behandelt und die Flora und Fauna im Garten und seiner Umgebung werden erforscht. Die angrenzende Wiese nutzen wir dabei gerne für themenbezogene Spiele.
Und auch die Erwachsenen gewinnen: wer noch nie einen Garten hatte, erzählt, daß er oder sie plötzlich mit ganz anderen Augen durch den Stadtteil geht. Die Bäume und Grünflächen werden viel differenzierter gesehen, der Wechsel der Jahreszeiten und das Werden und Vergehen im Naturkreislauf werden sinnlich wahrgenommen.
Die Bedeutung von biologischer Vielfalt wird erkannt, das Umweltbewußtsein steigt.


Zukunftsaussichten
Das Projekt wird noch bis einschließlich 31.12.2018 gefördert.
Eine Verstetigung über die Projektlaufzeit hinaus ist geplant, der Garten soll dauerhaft erhalten bleiben. Für die Zukunft ist angedacht, den Bereich Natur- und Umweltbildung noch stärker auszubauen durch entsprechende thematische workshops für
verschiedene Zielgruppen (Grundschule, ältere Kinder und Jugendliche, Familien, Erwachsene).
Da der Platz im Garten begrenzt ist, soll dies zum Teil "outgesourct" werden in Projekttage oder-wochen an Schulen und in Kindergärten und in die freie Natur rund um den Stadtteil.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Die Obstbäume, Stauden und Sommerblumen wie auch die blühenden Gemüsepflanzen im Garten locken spürbar Insekten und Vögel an, die wiederum die Befruchtung und die Samenverbreitung der Pflanzen im Garten vorantreiben. Im Mikrokosmos Gemeinschaftsgarten können wir so die Bedeutung der biologischen Vielfalt erleb- und erlernbar machen.
Der Ratinger Bienenzuchtverein e.V. spendete einen "Bienenbaum": Euodia hupehensis, zu deutsch tatsächlich Bienenbaum, der mit seiner späten reichen Blüte eine besonders beliebte Nahrungsquelle für Bienen und andere Insekten ist. Der NaBu Krerisverband Mettmann spendete zwei Apfelbäume. Hier wählten wir bewußt zwei "alte Sorten" aus dem Rheinland, die auch für Streuobstwiesen geeignet sind. Aus den gemeinsamen Baumpflanzaktionen ist ein dauerhafter Kontakt mit beiden Vereinen entstanden, der jetzt in Kooperationsvereinbarungen konkretisiert werden soll. So ist für die kommende Saison angedacht, im Garten einen Bienenstock aufzustellen. Vorbereitend dafür legten wir bereits in dieser Saison einen Insektengarten an. Mit der Kindergartengruppe besichtigten wir den Bienenstand des Vereins, dies soll im Jahresturnus (nicht nur mit Kindern) wiederholt werden.
Anfang August beteiligen wir uns an der Aktion "Insektensommer" des NaBu; eine Zusammenarbeit mit der Ratinger Ortsgruppe soll 2019 konkret werden (Naturexkursion im Stadtteil; Bau und Installation von Insektennisthilfen; Unterstützung beim Amphibienschutz).


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Besuchen Sie uns

Gemeinschaftsgarten im Grünzug am Maximilian-Kolbe-Platz

Maximilian-Kolbe-Platz 38
40880 Ratingen

Öffnungszeiten: Freitags 10-15 Uhr; einmal monatlich "Grüner Samstag" 10-15 Uhr, wechselnde Daten; für selbständige Besichtigungen ist der Garten jederzeit frei zugänglich.

Frau Dunja Plešnik
Tel.:0162-2892797
dunja.plesnik@caritas-mettmann.de

 

Weitere Infos

Caritasverband für den Kreis Mettmann e. V., Projektleitung: Tigsty Asfaw, Planung und Durchführung: Dunja Plešnik
Ratingen

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