WaldWerken in der Biosphäre Bliesgau

Durch Kurs- und Freizeitangebote schärft das Projekt „WaldWerken“ den Blick für die biologische Vielfalt einer Kulturlandschaft und eröffnet innerhalb der verschiedenartigen Waldgesellschaften Einsichten in die Qualitäten unseres Waldes, seiner Hölzer, seiner Entwicklung und Nutzbarkeit, aber auch der fortschreitenden Bedrohung und am Beispiel der Esche seiner dramatischen Substanzgefährdung einer Baumart aufgrund globaler Holzhandelspraktiken.

Durch ganzheitlich konzipierte Kurs- und Freizeitangebote ernten die Teilnehmenden beispielsweise ökonomisch uninteressantes oder krankes Schwachholz im Frühjahr, schälen es und bauen nach einer dreimonatigen Trocknungs- und Inspirationsphase ihren eigenen Wildholzstuhl, den sie in der Gruppe nach drei Tagen Open Air Atelier im Wald als Unikat mit nach Hause nehmen können.

Aus japanischen Studien kennt man die positiven mentalen Wirkungen des Waldes, ein intensives gemeinsames handwerkliches Arbeiten im Team verstärkt zusätzlich die psychosomatischen Wirkungen. Das Ergebnis der Arbeit macht stolz und stärkt das Selbstbewusstsein und ist nach vorliegenden Erfahrungen sogar geeignet, im Rehabilitationsbereich einen eigenen Therapie-Sektor abzudecken.

Sinnstiftungs-Gründungsmitglied Prof. Gerald Hüther fügt hinzu: Neue persönliche Erfahrungen mit positiver emotionaler Qualität verändern unser Gehirn und seine Verschaltungen und tragen zur Vitalität in einem lebenslangen Prozess bei. (Neuroplastizität)

Die „WaldWerken“-Kurs- und Freizeitangebote sind Teil eines langfristig angelegten nachhaltigen regionalen Entwicklungskonzeptes das als innovatives Dachkonzept für das Biosphärenreservat Bliesgau auf einen Paradigmenwechsel der touristischen Sichtweise setzt. Der Gast einer Region ist nicht mehr oder minder passiver Konsument von Dienstleistungen, sondern erfährt durch aktives und kreatives Arbeiten in der Natur und einer Gruppe von Gleichgesinnten sich selbst und die Vielfalt eines Biosphärenschutzgebietes in ganzheitlicher Weise.

„WaldWerken“ greift in der biologischen Substanz auf die Besonderheiten der biologischen Vielfalt der zehn Kernzonen des Biosphärenreservates zurück - allesamt Waldlandschaften mit unterschiedlichen Buntsandstein- und Muschelkalkböden, Laub und Mischbestandsarten – mit teilweise hohem Eschenanteil, Alterswäldern, Sukzessionsflächen und Biotopholzanteilen.
Fünf der zehn Schutzzonen haben den zusätzlichen Status von NATURA 2000 Gebieten.
Ebenfalls teilen diese Zonen wie der des gesamten Waldbestandes des Saarlandes jedoch auch den alarmierenden massiven Krankheitszustand (über 90 % Befall) der europäischen gemeinen Esche (fraxinus excelsior), was zum Anlass genommen wird an diesem Exempel den Zusammenhang von globalen Holzhandelssystemen und regionalen Auswirkungen der Bedrohung der Laubbaumart Esche in Kulturgeschichte, Waldbauformen, Biodiversitätsstrategien, geeigneten Schutzmaßnahmen darzustellen und durch handwerklich-künstlerische praktische Arbeiten erfahr- und erlebbar zu machen.

Basierend auf Studien zu einem speziellen „Bildungskonzept der nachhaltigen Entwicklung“ bestehen unter dem Dach von „WaldWerken“ seit 2015 Kurssysteme zu Grün- und Wildholzbau für Erwachsene und Kinder, in denen:
• die traditionellen Techniken des hölzernen Zeitalters vermittelt werden
• die Bedeutung der biologischen Vielfalt von Baumarten und ihrer kulturellen Bedeutung für Handwerk und Umwelt kennengelernt wird
• die Eignung der Esche als Edelholzlaubart und ihre universelle Eignung für Werkzeug- und Möbelbau praktisch durch die Herstellung von rustikalen Unikatmöbeln erlernt wird
• eine künstlerisch-gestalterische Zusammenarbeit in den Mehr-Generationen-Kursen teamgeistfördern angeboten wird
• durch begleitende Förster das spezifische naturnahe Waldbewirtschaftungskonzept des Stadtwaldes Blieskastel durch Erkundungen praktisch erfahren und in den Zusammenhang mit der Bedrohung der Esche einbezogen wird
• Bewohner und Gäste geeignete Schutzstrategien und Maßnahmen im Monitoring potenziell resistenter Eschenexemplare in den unterschiedlichen Biosphärenkernzonen erläutert bekommen
• durch Laubbaum-Neupflanzungen in jeder Kurseinheit dem Geist nachhaltiger Bewirtschaftung in praktischer Form und mit dem Erwerb entsprechender fachlicher Kompetenzen abgeschlossen wird.

Durch fachliche Evaluation der Pilot- und Kursangebote innerhalb der Region öffnen die innovativen „WaldWerken“-Kurs- und Freizeitangebote dem Biosphärenreservat Bliesgau die Chance auf ein originäres Alleinstellungsmerkmal im Tourismus.

„WaldWerken“ als nachhaltiges langfristiges Dachkonzept für „WaldWerken“-Kurs- und Freizeitangebote wird 2018 zusätzlich abgerundet durch zwei Schwester-Projekte „WaldVital“ und „WaldVision“, die in Partnerschaften mit Medizinern, Psychsomatikern der Reha-Klinik Blieskastel, der Uni-Klinik Homburg, Soziologen und Intensivpädagogen der besonderen natur- und teamtherapeutischen Wirkung von „WaldWerken“-Angeboten nachgehen werden (Public-Private-Partnership).

Das Besondere am „WaldWerken“-Kurs- und Freizeitangeboten
Konzeptuell geht das naturorientierte Angebot von einem paradigmatischen Wechsel in der Betrachtung einer touristischen Dienstleistung aus. Statt primär rezeptiv mit der Ressource Natur und allenfalls erklärend-verstehend sich Naturphänomenen zu nähern, stellen „WaldWerken“-Kurs- und Freizeitangebote den Gast als Akteur und praktisch Tätigen in den Mittelpunkt des natürlichen und sozialen Geschehens und begleitet ihn auf seinem Weg, mit dem traditionellen Holzarten des vergangenen hölzernen Zeitalters und dem dazugehörigen traditionellen Wissen einen selbst entworfenen und seinen Bedürfnissen entsprechenden Wildholzstuhl als kunsthandwerkliches Unikat zu bauen.

Die besonderen Aspekte sozialer Nachhaltigkeit von „WaldWerken“
• Einladung aller Teilnehmenden der Angebote zu einem „Herbstsalon“ der Wild- und Grünholzbauer, bei dem ihre produzierten Stühle, Bänke, Objekte, Werkzeuge usw. ausgestellt werden
• Initiativen, bei denen sich die Akteure von „WaldWerken“ zu weiteren waldkulturellen Anlässen treffen können und eine informelle Gemeinschaft gefördert wird
• Rekrutierung von Teamern aus dem Kreis der Teilnehmenden
• Die Teilnehmenden der „WaldWerken“-Kurs- und Freizeitangebote ernten und schälen am Ende ihrer Ferien Holz für den Stuhlbau der nachfolgenden Gäste und werden mit Foto und Holz als „Wildholzgeber" dokumentiert. Die neuen Gäste nutzen dieses zum Bau und senden ein Foto.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

• „WaldWerken“ greift in der biologischen Substanz auf die Besonderheiten der biologischen Vielfalt der zehn Kernzonen des Biosphärenreservates zurück - allesamt Waldlandschaften mit unterschiedlichen Buntsandstein- und Muschelkalkböden, Laub und Mischbestandsarten – mit teilweise hohem Eschenanteil, Alterswäldern, Sukzessionsflächen und Biotopholzanteilen.
• Diese Landschaften bieten in ihren spezifischen Zusammensetzungen dort besonderen Lebensraum für Tiere, die ihr Habitat oft nur dort finden.
• Bei den handwerklichen Arbeiten erschließen sich auch die unterschiedlichen Eigenschaften und besonderen Qualitäten von Holzarten und ihre unterschiedliche Verwendung z. B. für den Möbelbau. Nicht jede Holzstruktur ist aufgrund ihres Faserverlaufs spaltbar und im Grünholzbau nutzbar.
• Die Fragilität der Esche wird bei „WaldWerken“ beispielhaft erörtert und ihr hochwahrscheinliches Aussterben in den europäischen Waldlandschaften in den nächsten Jahren erlebbar, emotional erfahrbar und Gegenmaßnahmen bekannt gemacht.
• Generell erfahren Teilnehmende in den Kurs- und Freizeitangeboten die Sinnhaftigkeit eines Biosphärenreservates, die Bedeutung des Erhalts einer besonderen Kulturlandschaft und ihrer Bedrohung am Beispiel der Biosphäre Bliesgau.


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Dokumente

Seiten aus Urlaubs-undFreizeitangebote_WaldWerken.pdf

Flyer WaldWerken 2018

 

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