IP-LIFE „Atlantische Sandlandschaften“

Das Integrierte LIFE-Projekt „Atlantische Sandlandschaften“ ist das erste Integrierte LIFE-Projekt im Bereich „Natur“ in Deutschland. Die Länder Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zielen mit dem länderübergreifenden Projekt darauf ab, zur Trendwende beim Verlust der biologischen Vielfalt beizutragen. Für das Erreichen insbesondere von Ziel 1 der EU-Biodiversitätsstrategie bis 2020 (= vollständige Umsetzung der Vogelschutz- und der Habitat-Richtlinie) im deutschen Teil der atlantischen Region soll ein sichtbarer Beitrag geleistet werden.

Der letzte nationale Bericht aus dem Jahr 2013 über die Umsetzung der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie hatte die ernste Situation für die biologische Vielfalt in der biogeographischen atlantischen Region aufgezeigt: Nur rund 20 Prozent der Erhaltungszustände der durch die Richtlinie zu schützenden Arten und Lebensraumtypen wurden als „günstig“ eingestuft. Mit dem länderübergreifenden Projekt „Atlantische Sandlandschaften“ zielen die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen daher darauf ab, eine Trendwende beim Verlust der biologischen Vielfalt einzuleiten und die Erhaltungszustände der zu schützenden Lebensraumtypen sowie der Arten der FFH-Richtlinie in den atlantischen Sandlandschaften der beiden Länder nachhaltig zu verbessern.

Erster Baustein des Projektes ist die Erarbeitung einer Gesamtkonzeption für die atlantische Region in Deutschland zur Verbesserung des Erhaltungszustandes aller nicht-maritimen Arten und Lebensraumtypen. Der zweite Baustein ist die Erarbeitung und Umsetzung konkreter Maßnahmen zur Verbesserung der Erhaltungszustände von zehn ausgewählten Arten und 15 Lebensraumtypen der Sandlandschaften. In beiden Ländern sollen beispielsweise vorhandene Heidelandschaften, artenreiche Sandtrockenrasen und nährstoffarme Stillgewässer optimiert bzw. wiederhergestellt werden und die Bestände dort lebender Fokusarten, wie z. B. Knoblauchkröte, Laubfrosch und Kammmolch, gestärkt werden. Darüber hinaus werden Synergieeffekte für eine Vielzahl weiterer Lebensräume und Arten erwartet.

Auf europäischer Ebene dient das LIFE-Programm als Förderinstrument für solche Maßnahmen. In rund zweijähriger Vorbereitungszeit war ein entsprechender Förderantrag erarbeitet worden, der von der EU-Kommission zum 1. Oktober 2016 bewilligt wurde. Das IP-LIFE „Atlantische Sandlandschaften“ ist damit das erste Integrierte LIFE-Projekt im Bereich „Natur“ in Deutschland. Das Projektbudget für die Laufzeit von zehn Jahren beträgt 16,875 Mio. Euro und wird zu 60 % von der Europäischen Kommission gefördert. Zudem werden umfangreiche Mittel aus anderen (Förder-)Quellen einbezogen („Hebelmittel“).

In Nordrhein-Westfalen liegt die Gesamtverantwortung für die Umsetzung beim Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MULNV), in Niedersachsen beim Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz (MU). Die Gesamtkoordination des Projektes sowie die operative Umsetzung der konkreten Einzelmaßnahmen in NRW wurde an die Bezirksregierung Münster übertragen. Unterstützt wird die Umsetzung des IP-LIFE durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV). In Niedersachsen wird das Projekt durch den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) koordiniert und umgesetzt.
Die Umsetzung von Maßnahmen vor Ort wird durch Untere Naturschutzbehörden, Biologische Stationen, Regionalforstämter und Naturschutzverbände durchgeführt und von zahlreichen Partnern unterstützt.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Das Projekt dient der Entwicklung eines methodisch-konzeptionellen Ansatzes für das Erreichen von Ziel 1 der EU-Biodiversitätsstrategie und Umsetzung des nationalen Prioritären Aktionsrahmens in allen Bundesländern der atlantischen Region. Neben der Erarbeitung einer „Road Map“ für die Verbesserung aller Lebensraumtypen und Arten der atlantischen Region (exklusive marine Lebensraumtypen und Arten) werden konkrete Maßnahmen für folgende 15 Lebensraumtypen und 10 Arten umgesetzt:

- Sandheiden mit Besenheide und Ginster auf Binnendünen (2310)
- Sandheiden mit Krähenbeere auf Binnendünen (2320)
- Offene Grasflächen mit Silbergras und Straußgras auf Binnendünen (2330)
- Sehr nährstoff- und basenarme Stillgewässer mit Strandlings-Gesellschaften (3110)
- Nährstoffarme bis mäßig nährstoffreiche Stillgewässer mit Strandlings- oder Zwergbinsen-Gesellschaften (3130)
- Dystrophe Seen und Teiche (3160)
- Feuchte Heiden mit Glockenheide (4010)
- Trockene Heiden (4030)
- Wacholderbestände auf Zwergstrauchheiden oder Kalkrasen (5130)
- Artenreiche Borstgrasrasen (6230)
- Lebende Hochmoore (7110)
- Renaturierungsfähige degradierte Hochmoore (7120)
- Übergangs- und Schwingrasenmoore (7140)
- Torfmoor-Schlenken mit Schnabelbinsen-Gesellschaften (7150)
- Moorwälder (91D0)

- Große Moosjungfer
- Kammmolch
- Knoblauchkröte
- Kreuzkröte
- Europäischer Laubfrosch
- Kleiner Wasserfrosch
- Moorfrosch
- Zauneidechse
- Schlingnatter
- Froschkraut


Bild 1
Bild 2

Dokumente

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Öffnungszeiten: nach Absprache

Frau Dr Martina Raffel
Tel.:0251 - 411 16 94
sandlandschaften@brms.nrw.de
http://www.sandlandschaften.de

 

Weitere Infos

Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MULNV), vertreten durch die Bezirksregierung Münster
Münster

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