Sonderwettbewerb Soziale Natur

Lern- und Erlebnisort Sundgauhaus

In Zusammenarbeit mit dem Trinationalen Umweltzentrum TRUZ aus Weil am Rhein bietet das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt Lernen der Leopoldschule Weil am Rhein seit dem Schuljahr 2009/2010 ihren Schülern mit Förderbedarf im Bereich Lernen ein ganz besonderes Natur- und Umweltprojekt an. Hierfür steht ein 200 Jahre altes Fachwerkhaus aus dem Sundgau in Frankreich, das sogenannte Sundgauhaus, mit umliegendem ehemaligen Landesgartenschaugelände, einem Naturgarten und einem Tiergehege zur Verfügung. Die Schüler lernen überwiegend in der freien Natur und in der kalten Jahreszeit auch im Sundgauhaus. Dabei erleben und erarbeiten sie sich Sachverhalte aus den Bereichen Biologie, biologische Vielfalt, Naturpädagogik, Gartenbau und Umwelt und üben lebenspraktische Tätigkeiten ein, die im Unterricht der Schule und in den Elternhäusern oftmals so nicht vermittelt werden können. Die Beschäftigung mit der Natur, den Tieren und dem Umweltschutz dient außerdem dazu, dass die Schüler das soziale Miteinander in diesem besonderen Lernort erleben und einüben können.

Im "Sundgauhaus-Projekt" werden verschiedene Lebensräume wie Weiher, Wald und Wiese mit den darin lebenden Tier- und Pflanzenarten erlebt und erforscht, um Begeisterung für die Natur zu wecken und Kenntnisse über die biologische Vielfalt zu erwerben. Umweltthemen wie Mülltrennung und -vermeidung werden erörtert und eingeübt sowie bei der Arbeit im Kräutergarten und dem eigenen Gemüsebeet Erfahrungen im naturnahen Gartenbau sowie über die Herkunft und Zubereitung von Lebensmitteln gesammelt. Zudem werden durch die Pflege der Kaninchen und Ziegen Aspekte des Tierschutzes und des rücksichtsvollen Umgangs mit Tieren behandelt und eingeübt.

Neben der Beschäftigung mit Natur- und Umweltthemen können die Schüler vielseitige Erfahrungen im sozialen Miteinander sammeln und davon über den Schulunterricht hinaus profitieren. Da ein Großteil der Schüler über mehrere Schuljahre mindestens einmal im Monat an einem Unterrichtsvormittag am "Sundgauhaus-Projekt" teilnimmt, können die Kompetenzen nachhaltig erlernt und in der Lernbiographie verankert werden. Ein gesellschaftlich vorteilhaftes Lern-, Tätigkeits- und Lebensverhalten wird gezielt eingeübt und erworben. Positive (Gemeinschafts-) Erlebnisse helfen, soziale Grenzen und Hindernisse zu überwinden. Sie geben wichtige Impulse für die Selbsterfahrung und Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und schaffen eine individuelle Begegnung mit der Natur. Die Zusammenarbeit mit anderen Kindern ist besonders bei der Gartenarbeit gefragt, gilt es hier doch, gemeinsam das eigene Gemüsebeet mit Kartoffeln, Kürbis, Radieschen oder Kohlrabi so zu bewirtschaften, dass es im Juni und Juli eine reiche Ernte hervorbringt.

Folgende Kompetenzen werden in diesem Projekt mit und von den Schülerinnen und Schülern eingeübt und erworben:

Soziale und personale Kompetenzen:
- gemeinsames Lernen und Lösen von Aufgaben, das Erfahren und Erlernen von gemeinsamer Tätigkeit, gegenseitige Unterstützung, Toleranz und Wertschätzung im Rahmen praktischer umweltbezogener Arbeit

Fachliche Kompetenzen:
- Erlernen des verantwortungsbewussten Umgangs mit Natur und deren Ressourcen (Mülltrennung und -vermeidung, Energie- und Wasserverbrauch senken)
- heimische Pflanzen und Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen kennenlernen, von ihrem Schutz und der notwendigen Pflege erfahren
- Natur und Umwelt im Wandel der Jahreszeiten erleben
- Natur- und Tierschutz und deren Bedeutung erlernen
- Zubereitung von gesunden Mahlzeiten aus z.T. selbst angebauten Produkten (z.B. Pellkartoffeln mit Quark, Kürbis- und Gemüsesuppen, Herstellung von Brot...)
- Herstellen von Heilsalben und Tee
- Basteln und Gestalten mit Naturmaterialien

Das "Sundgauhaus-Projekt" begann im Herbst 2009 und wurde seitdem jedes Jahr erfolgreich durchgeführt. Im Schuljahr 2016/2017 nahmen zwei Klassen teil. Im Schuljahr 2017/2018 sind es insgesamt 30 Schüler aus drei Klassen (Klasse 1/2, Klasse 3 sowie Klasse 4). Zudem wurden drei Schüler aus inklusiven Bildungsangeboten der Grundschule aufgenommen. Jeden Montagmorgen gehen die Schulklassen, begleitet von ihren Lehrerinnen, im wöchentlichen Wechsel zum Sundgauhaus. Bereits der gemeinsame 15-minütige Weg zum Lern- und Erlebnisort Sundgauhaus schafft den ersten Kontakt mit der Natur. Beim Sundgauhaus steht dann zuerst die Pflege der Tiere auf dem Programm. Unter Anleitung und Aufsicht von Lehrkräften und Mitarbeitern des Trinationalen Umweltzentrums führen die Schüler selbständig Arbeiten im Stall und auf der Weide durch und füttern die Tiere. Die anschließenden Informationen und Arbeiten zum Umweltschutz und der Natur mit einem praktischen Lehranteil von 70 % sind mit schulischen Inhalten verknüpft und den Jahreszeiten sowie dem Wetter angepasst.

Die Lehrkräfte und Eltern der Kinder berichten über vielfältige positive Ergebnisse des Projektes:

Umweltbewusstsein: Schüler stellen mehr Fragen, sind wissbegieriger, setzen Maßnahmen zur Verminderung von Müll, Wasser- und Energieverbrauch zu Hause um.
Freizeitgestaltung: Schüler besuchen mit ihren Eltern das Gelände beim Sundgauhaus, verbringen mehr Zeit in der Natur. Eltern berichten, dass ihre Kinder vermehrt Freude daran haben, ihre Artenkenntnisse anzuwenden.
Ernährung: Schüler kochen Gerichte aus dem Sundgauhaus zu Hause mit den Eltern nach, sie steigen auf gesündere Vesper mit Vollkornbrot, Äpfeln, Tee um. Eltern bitten um Kochrezepte.
Teamfähigkeit: Schüler sind kritikfähiger, interessierter, teamfähiger.
Körperbewusstsein: Schüler haben ihre Motorik z.B. beim Klettern und Balancieren verbessert.
Konzentration: Schüler sind bei der anschließenden Hausaufgabenbetreuung außerordentlich gut konzentriert, arbeiten selbständig und zügig, was auch am Folgetag noch spürbar ist.

Das Sundgauhaus-Projekt wird auf den Webseiten des Trinationalen Umweltzentrums, der Leopoldschule und des Fördervereins der Leopold-Förderschule Weil am Rhein vorgestellt.



Bezug zur biologischen Vielfalt:

Das Gelände des Trinationalen Umweltzentrums rund um das Sundgauhaus weist verschiedene Lebensräume auf: Wald, Wiese, Teich, Bach, Trockenmauer. Die dort vorkommenden Lebewesen werden wiederholt im Schuljahr mit Keschern und Becherlupen gesammelt, betrachtet und bestimmt. Auch größere Arten wie Amphibien und Vögel werden benannt und vorgestellt. Die Vielfalt der Pflanzen lernen die Schüler beim Gestalten mit Naturmaterialien oder beim Arbeiten in der Kräuterküche kennen. So erhalten die Schüler einen guten Überblick über die biologische Vielfalt in ihrem lebensnahen Umfeld und erfahren, wie sich die Arten in den Lebensräumen unterscheiden und auch im Jahresverlauf verändern.


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Dokumente

Sundgauhaus-Projekt trägt Früchte.pdf

 

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Mattrain 1
79576 Weil am Rhein

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr

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Tel.:07621 940 78 23
thomas.schwarze@truz.org
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