Der Dünenschäfer kehrt zurück

Die Altwarper Binnendüne ist ein naturschutzfachliches Kleinod im Nordosten Mecklenburg-Vorpommerns und Lebensraum vieler bedrohter Arten. Seit Ausweisung als NSG (1990) gab es Bestrebungen, eine extensive Beweidung zum Erhalt der Flächen zu etablieren und so die biologische Vielfalt am Standort zu sichern. Im Zusammenhang mit der Naturerbeentwicklungsplanung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt Naturerbe GmbH zur „Ueckermünder Heide“ erhielt der Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz 2016 den Auftrag, eine Planung zur extensiven Beweidung zu erarbeiten. 2017 konnte die historische Schafbeweidung am Standort reaktiviert werden.

Die Altwarper Binnendüne liegt im Nord-Osten Mecklenburg-Vorpommerns auf der Halbinsel Altwarp nahe der gleichnamigen Ortschaft an der deutsch-polnischen Grenze.

Seit den 1930er Jahren wurden die Wälder und die Dünen als militärisches Übungsgelände genutzt. Mit Wiedervereinigung Deutschlands gingen die Flächen in den Besitz der Bundesrepublik Deutschland. 2008 wurde das Eigentum an Flächen der Ueckermünder Heide als Teil des Nationalen Naturerbes (NE) an die DBU Naturerbe GmbH (DBUNE) übertragen.

Veranlassung:
Die Altwarper Binnendünen sind zentrales Schutzgut des NSG „Altwarper Binnendünen, Neuwarper See und Riether Werder“ und des gleichnamigen FFH-Gebietes.

Die Dünen sind offen oder mit lockeren Vegetationsbeständen bedeckt: Silbergras-Pionierfluren und Thymian-Schafschwingelrasen. Die Standorte sind Lebensraum bedrohter Arten.

Einmalig für Mitteleuropa ist die große Population der Forels-Kerbameise (Coptoformica foreli) im Bereich der Düne. Aktuelle Untersuchungen belegen leider einen Populationsrückgang seit 2001. Die Art benötigt offene Biotope und ist durch sukzessive Vegetationsverdichtung bedroht.

Um die biologische Vielfalt am Standort zu erhalten, hat die DBUNE ein Leitbild zur „Ueckermünder Heide“ erstellt. Neben der natürlichen Entwicklung großer Waldflächen sollen ausgewählte lichte Kiefernwälder in Kombination mit strukturreichen Saum- und Offenlandbiotopen gefördert werden.

Problematisch im Bereich der Binnendüne ist die Ansiedlung von Gehölzen, wie der Spätblühenden Traubenkirsche und die Ausbreitung von Landreitgras. In den letzten Jahren hat der Naturpark „Am Stettiner Haff“ ausgewählte Bereiche deshalb gemäht. Zum Erhalt waldfreier und halboffener Dünenbereiche war die Etablierung einer extensiven Beweidung anzustreben.

Bereits seit Festsetzung des NSG (1990) haben verschiedene Stellen versucht, eine naturschutzfachlich orientierte Beweidung der Düne zu etablieren. So plante man eine Pflege mit Halbwild-Pferden. Das Projekt konnte, nicht zuletzt aufgrund fehlender Akzeptanz in der Bevölkerung und eines eigentumsübergreifenden Ansatzes, nicht realisiert werden.

Mit Übertragung bundeseigener Flächen an die DBUNE besteht die Möglichkeit, eine Beweidung in zentralen Bereichen der Düne zu realisieren.

Umsetzung:
2016 erhielt Bundesforst von der DBUNE den Auftrag, eine Planung zur Beweidung zu erarbeiten. Aufgrund der lokalen Ressentiments gegenüber der Planung mit Pferden wurde eine Beweidung mit Schafen angestrebt. Leider gab es vor Ort keine Betriebe mit Schafhaltung mehr. Es konnte aber ein ansässiger Landwirtschaftsbetrieb gefunden werden, der bereit war, eine Schafherde für die Düne aufzubauen: Der Biobetrieb Tierproduktion Haffküste.

Da der Wolf im Gebiet beheimatet ist, waren Maßnahmen zum Herdenschutz zu planen. Nach intensiver Beratung ergreift der Tierhalter folgende Maßnahmen: Am Tag schützt ein Gitter-E-Zaun (8.000 V) in Verbindung mit einem vorgelagerten Litzen-E-Zaun die Herde. Die Nacht verbringt die Herde in einem Tier-Transportwagen, der als Nachtpferch dient. Der Einsatz des Sch(l)afwagens erhöht dabei den Nährstoffaustrag.

Die Düne ist zentraler Bestandteil der lokalen touristischen Infrastruktur. Daher war die Beweidung mit der Gemeinde abzustimmen. Im Ergebnis wird es keine feste Zäunung geben; die Beweidung erfolgt kleinflächig mit mobilen Zäunen. Somit bleibt das Wanderwegenetz begehbar.

Auf Wunsch der Gemeinde wurde die Öffentlichkeit mit einer Pressemitteilung vorab über das Projekt informiert. Im Vorfeld erfolgte eine Recherche zur historischen Schafhütung im Ort. Im Ergebnis konnte der Artikel die Tradition am Standort darlegen: Der letzte Altwarper Schäfermeister, Fritz Krüger, hatte bis um 1970 Schafe auf der Düne gehütet. Mit seiner Dienstzeit endete die Schafweide in den Dünen. „Dünenschäfer“ Krüger ist nun Namensstifter und lokal-historischer Bezugspunkt für die Wiederkehr der Schafbeweidung auf der Düne.

In 2017 startete das Beweidungsprojekt mit einer 20-köpfigen Herde des „Rauwolligen Pommerschen Landschafes“ und 4 Ziegen. Auch die eingesetzte historische Nutztierrasse hat hier Tradition: Schon Schäfermeister Krüger hatte hier „Pommern“ gehütet.

Die Resonanz nach einem Jahr Schafbeweidung ist groß: So konnte sich Herr Dr. Denstorf von der DBUNE bei der 7. Beiratssitzung zur NE-Fläche über Lob der Naturschutzbehörden zum Projektstart freuen. Auch der Bürgermeister ist froh: Herr Bauer hatte anfangs Sorge, dass die Weidezäune Wanderwege blockieren. Nun freut er sich über positive Rückmeldungen der Touristen. Einige der Anwohner haben sogar eigene Flächen zur Beweidung angeboten. Die positive Resonanz in der Bevölkerung ist nicht zuletzt auf die lokale Verankerungen des Landwirtschaftsbetriebes sowie die vorab erfolgte Öffentlichkeitsarbeit zurückzuführen.

Die Beweidungskulisse soll nun schrittweise ausgeweitet werden.
Der Dünenschäfer ist zurück!

Bezug zur biologischen Vielfalt:

- Reaktivierung historischer Landnutzungsform mit bedrohter historischer Nutztierrasse
- Erhalt FFH-LRT 2330 (Dünen mit offenen Grasflächen mit Corynephorus und Agrostis - Dünen im Binnenland) am Standort: Auffällige Arten auf den Dünen bei Altwarp (Beckersberg) sind insbesondere die Kartäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum), Sandstrohblume (Helichrysum arenarium) und Berg-Jasione (Jasione montana). Des Weiteren kommen vor: Berg-Haarstrang (Peucedanum oreoselinum), Rispen-Flockenblume (Centaurea stoebe), Mittleres Leinblatt (Thesium linophyllon), rundblättige Glockenblume (Campanula rotundifolia), Blaugrünes Schillergras (Koeleria glauca) und Steppen-Lieschgras (Phleum phleoides) u.v.m..
- Habitatpflege für bedrohte Arten (Forels-Kerbameise, Glattnatter, Wiedehof, Ziegenmelker)


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Besuchen Sie uns

Altwarper Binnedüne

Ueckerstraße 48
17373 Ueckermünde

Öffnungszeiten: nach Absprache

Herr Funktionsbereich Naturschutz Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz

 

Weitere Infos

Deutsche Bundesstiftung Umwelt Naturerbe GmbH, Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz
Ueckermünde

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