Sonderwettbewerb Soziale Natur

Ab geht die Lucie

Der Lucie-Flechtmann-Platz war bis 2013 ein ungenutzter grauer Platz in der Bremer Neustadt in der Größe eines Fußballfeldes. Um diese Fläche nutzbar zu machen hat sich die Initiative „Ab geht die Lucie“ gegründet - ein Zusammenschluss aus Nachbar_innen, dem angrenzenden Senior_innenwohnheim und einer KiTa. Seitdem ist der Platz durch ehrenamtlichen Einsatz zu einem grünen Ort der Begegnung geworden. Das besondere Engagement wird im Winter 2017/18 mit einem kleinem Wunder belohnt: Der Platz wird entsiegelt und zu einem echten Garten für alle!

Die Initiative „Ab geht die Lucie“ entstand im März 2012 durch einige direkte Anwohnerinnen des Lucie-Flechtmann-Platzes, sowie der benachbarten Krippe Bambini Cantral und den Seniorenwohnheimen Hansa, die alle den ungenutzten Platz für die Nachbarschaft erschließen wollten. So wurde der erste öffentliche Stadtgarten Bremens bei einem großen Nachbarschaftsfest gemeinschaftlich angelegt. Der zuvor karge Platz wurde von Nachbar_innen mit Hochbeeten bepflanzt und wird seitdem ehrenamtlich gepflegt und bespielt: Seit der ersten Gartensaison gibt es regelmäßig Konzerte, Flohmärkte mit Garten Café, Umweltbildungsprogramm und vieles mehr. Der Gemeinschaftsgarten schafft ein Stück Natur in der Stadt, in dem ökologisch nachhaltig gegärtnert und dadurch Alternativen zu unserer ressourcenintensiven Konsumgesellschaft vorgelebt werden.

Im Oktober 2015 wurde durch ein Bürger-Beteiligungsverfahren ein Entwurf für einen zukunftigen entsiegelten Lucie-Flechtmann-Platz festgelegt. Im Winter 2017/18 realisieren der Verein KulturPflanzen und die senatorische Behörde für Bau, Umwelt und Verkehr gemeinsam diesen Entwurf und nach 10 Jahren Brachfläche und 5 Jahren „ab geht die Lucie“ wird der Lucie-Flechtmann-Platz ein „echter“ Garten!

Schon heute ist die Lucie ein Garten für alle, in dem ein vielseitiges und produktives Miteinander entstanden ist. Zwischen den Beeten treffen sich u.a.:

* Unterschiedliche Generationen: Vom Kleinkind, das im Sandkasten spielt, bis hin zu den 160 Bewohner_innen der benachbarten Hansa-Senior_innenwohnheime

* Unterschiedliche Lebenssituationen: Studierende, Berufstätige, Eltern, Arbeitslose, Geflüchtete, Menschen im Ruhestand und Menschen in Unruhe, z.T. auch marginalisiert Lebende wie Wohnungslose oder Suchtkranke

* Unterschiedliche Bedürfnisse: Menschen, die Kontakt zur Natur suchen genauso wie Menschen, die Kontakt zu anderen Menschen suchen; das Bedürfnis nach Aktivität und dem verwirklichen von Projekten genauso wie das Bedürfnis nach Ruhe und Erholung in der Mittagspause.

Durch die zentrale Lage, die Offenheit und die ungewöhnliche Gestaltung des Stadtgartens werden viele Menschen auf diese besondere Art der Stadtnatur aufmerksam, die andernfalls nicht viel Berührung mit grünen Themenbereichen hätten - und im Vorbeigehen zum Nachdenken angeregt. Viele Stadtkinder sehen hier auf dem Weg zum Supermarkt das erste Mal Tomaten- oder Kartoffelpflanzen.

Zudem erzählt der Lucie-Flechtmann-Platz eine Erfolgsgeschichte: Das Engagement der Stadtgärtner_innen hat nun eine grundlegende Umgestaltung des Platzes zur Folge. Der Prozess der Umgestaltung wird von der Stadt Bremen als erster basisdemokratischer Prozess der Stadtentwicklung bezeichnet. Dieser Erfolg macht deutlich, dass das eigene Handeln etwas in Bewegung setzt. So gibt das Projekt „Ab geht die Lucie“ seinen Besucher_innen eine besondere Motivation für umweltbewusste Alltagshandlungen mit auf den Weg.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Die Lucie wurde in kurzer Zeit und mit wenig Mitteln von einer Betonbrache in einen artenreichen Naturraum verwandelt. Einen großen Anteil dieser Umgestaltung übernahm die Natur selbst, die zwischen den Fugen ungebremst zahlreiche Wild- und Naturpflanzen spießen ließ. Durch regelmäßige botanische Führungen lernen wir die neuen Platzbewohner_innen kennen. Durch die Aussaat vieler Wildblumenmischungen in den Beeten und Baumscheiben bietet die Lucie Futter für ein Bienenvolk, das seit 2016 auf dem Platz lebt, Bestäubungsarbeit leistet und Honig produziert. Unser Insektenhotel informiert mit einem mehrsprachigen Infoschild in leichter Sprache über seine Bewohner_innen. Mehrere Obstbäume alter, regionaler Sorten werden auch über die Umgestaltung hinaus auf dem Platz erhalten. Auf der jährlichen Saatgut Tauschbörse informieren wir über die Bedeutung von keimfähiger Kulturpflanzenvielfalt in Zeiten eines sich wandelnen Klimas. 2016 war die Wanderaustellung „Wurzelgemüse – vergessene Vielfalt“ im Garten zu Gast.


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Besuchen Sie uns

Lucie-Flechtmann-Platz

Grünenstraße 17
28199 Bremen

Öffnungszeiten: jederzeit öffentlich zugänglich

Frau Verein KulturPflanzen e.V.

 

Weitere Infos

KulturPflanzen e.V.
Bremen

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