Kopfeichenland

Pflege und Erhalt von alten Kopfeichen, Streuobst- und Flachlandmähwiesen

Alte und morsche Bäume, als vielfältigen Lebensraum, für holzbewohnende Käfer gibt es in Bayern nicht mehr viele. Einen letzten Rückzugsort bieten die über 1000 Kopfeichen am Hetzleser Berg, einem Zeugenberg am westlichen Rand der Fränkischen Schweiz, nahe bei Forchheim. Die Eichenrinde mit ihrem hohen Gerbsäureanteil lieferte die Hauptzutat für das Handwerk der Rotgerber. Zum Ernten der Eichenrinde wurden die Eichen regelmäßig, bis in die 1950er Jahre, auf „Kopf“ gesetzt um von den armdicken Ästen die Rinde zu schälen. Die ältesten Kopfeichen sind bis zu 300 Jahren alt und bilden die unterschiedlichsten Alters- und Zerfallsstadien eines Baumes ab. Die im Inneren der Kopfeichen, durch holzzersetzende Pilze , entstandenen Mulmhöhlen bietet aktuell 245 xylobionten Käfern ein zu Hause, wie u.a. dem Eremit (Osmoderma eremita) einen durch die FFH-Richtlinie europaweit streng geschützten und seltenen Blatthornkäfer. Wie der Name schon sagt, ist er ein sehr treuer Mieter der, über Jahrzehnte, in vielen Generationen, in der Mulmhöhle lebt. Seit dem Jahr 2010 werden die Kopfeichen durch den Landschaftspflegeverband Forchheim über Landschaftspflegemittel (LNPR) mit den Eigentümern gemeinsam wieder gepflegt und so vor dem Zerfall durch Eigenwicht, Schnee- und Windbruch geschützt. Im Biotopverbund mit altem Streuobst und extensiv bewirtschafteten artenreichen Flachlandmähwiesen bietet der Hetzleser Berg einen herausragenden Lebensraum für zahlreiche Vogel- und Insektenarten. Mit Hilfe des Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramms (VNP) können die artenreichen Wiesen und Streuobstbestände langfristig erhalten und naturschutzfachlich betreut werden. Der Bayerische Naturschutzfonds trägt durch seine Finanzierung des Projektmanagements maßgeblich zum Erfolg des Projektes bei.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Mulmhöhlen, Totholz und xylobionte Käfer – Biodiversität an Kopfeichen am Beispiel der holzbewohnenden Käfer
Es sind für die Kopfeichen und die umliegenden Streuobstbestände bisher 245 xylobionte Käferarten dokumentiert. Für die Kopfeichen ergeben sich 191 xylobionte Käferarten, die exklusiv oder schwerpunktmäßig in Eiche auftreten. Insgesamt sind 80 gefährdetet xylobionte Käferarten (Rote-Liste-Arten) dokumentiert, davon für die Kopfeichen 68 Arten der Roten Liste Deutschland 2011 bzw. Bayern 2003, die exklusiv oder schwerpunktmäßig in Eiche auftreten. Die hohen Anteile wertgebender und gefährdeter Arten im Gesamtartenspektrum (80 Arten) und insbesondere in den Kopfeichen (35,8% RL-Arten) sind von bayernweiter Bedeutung, der Hetzleser Berg ist ein hotspot der Xylobiontendiversität in Bayern.
Insgesamt konnten sechs Urwaldreliktarten (Müller et al. 2006) nachgewiesen werden, was auf die „megatree continuity“, also die Standort- und Faunentradition vor Ort belegt. Alle diese Arten sind Mulmhöhlenbesiedler. In Anbetracht des bisher festgestellten Artenspektrums und der Ausstattung mit hochwertigen Altbäumen mit Biotoptradition (megatrees continuity) ist das Gebiet als einer der qualitativ hochwertigsten Lebensräume für xylobionte Insekten in Bayern einzustufen.Bemerkenswert am Hetzleser Berg ist in diesem Zusammenhang auch die enge Verzahnung der Kopfeichen mit Streuobstbeständen.




Video:
https://www.youtube.com/watch?v=SFXF0Jr-N0U&feature=youtu.be


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Dokumente

KopfeichenLand_Flyer_LPVFO.pdf

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