Bergheiden im Rothaargebirge

In den Hochlagen des Rothaargebirges findet man neben ausgedehnten Waldflächen auch historische Kulturlandschaften: die Bergheiden. Diese baumarmen, von den Zwergsträuchern Blaubeere, Preiselbeere und Besenheide dominierten Landschaften besitzen internationalen Seltenheitswert und damit große Bedeutung für den Erhalt der biologischen Vielfalt.

Heideblüte und Beerenreife im Spätsommer wirken als Besuchermagnet und sind daher bedeutsam für die Erholung und touristische Wertschöpfung. Bekannte Beispiele sind die Bergheide am Ettelsberg bei Willingen und die Niedersfelder Hochheide, die größte Bergheide Nordwestdeutschlands, in über 800 m ü. NN.

Doch neben den bekannten Bergheiden gibt es im Bereich der hessisch-westfälischen Landesgrenze auch viele Bergheiden, die in Vergessenheit geraten sind und in denen Gehölze wieder die Oberhand gewonnen haben. Weckt man diese Heiden durch Erstpflege und die Einführung einer angemessenen Bewirtschaftung nicht aus ihrem Dornröschenschlaf, gehen diese Relikte einer alten Kulturlandschaft für immer verloren.

Das Bergheiden-Projekt hat es sich zum Ziel gemacht, den weiteren Rückgang an Bergheideflächen zu stoppen, den Zustand der verbliebenen Flächen zu verbessern und den Erhalt der montanen Zwergstrauchheiden im Projektgebiet durch Neuschaffung von Heiden und deren Vernetzung nachhaltig zu sichern. Dazu dient auch die Unterstützung einer sozialen Schäferei.


Bergheide-Landschaften wirken rau und ursprünglich. Doch entstanden sind sie durch Menschenhand aus Wäldern. Durch starke landwirtschaftliche Nutzung der nun baumfreien Flächen, den daraus resultierenden Nährstoffentzug und die klimatischen Bedingungen erhielten nun kleinwüchsige Zwergsträucher einen Konkurrenzvorteil. Doch mit dem Ende der traditionellen Heidebewirtschaftung gewannen wieder die Gehölze die Oberhand, teilweise durch gezieltes Anpflanzen, teilweise durch natürliche Sukzession. Die wertvolle Lebensgemeinschaft der montanen Zwergstrauchheiden wurde so im Laufe des letzten Jahrhunderts mehr und mehr verdrängt. Was heute noch erhalten ist, ist ein wertvoller Schatz und Anlass für das Bergheiden-Projekt im Rothaargebirge. Aufgrund der Flächenausdehnung, Vernetzung und weitgehenden Vollständigkeit der Lebensgemeinschaften ist das Rothaargebirge das wichtigste Gebiet für den langfristigen Erhalt der durch die FFH-Richtlinie europäisch geschützten Bergheiden in Deutschland.

Das Bergheiden-Projekt beginnt mit der Heideblüte im Jahr 2017 und hat eine Laufzeit von vier Jahren. Durch die enge Einbindung von regionalen Akteuren und langfristige Kooperationen zwischen den Projektpartnern wird eine nachhaltige Wirkung des Projektes erzielt. Die Diemeltalschule in Willingen hat bereits eine Patenschaft für die Heiden auf der Kahlen Pön übernommen und sich durch erste Arbeitseinsätze für die Pflege engagiert.

Insgesamt 50 Bergheideflächen mit rund 190 Hektar Fläche sind im Gebiet des Naturparks Diemelsee und im Naturpark Sauerland-Rothaargebirge erhalten geblieben und stehen im Fokus des Vorhabens. Durch eine enge Zusammenarbeit von Naturschutzpraxis und Begleitforschung in Form eines umfassenden Monitorings sollen essentielle Fragestellungen zur Rettung der Bergheiden beantwortet werden. Die Pflege bestehender Heiden soll optimiert und ehemalige Heidestandorte sollen wiederhergestellt werden. Übertragbare Ergebnisse aus beiden Bereichen werden abgeleitet und durch Öffentlichkeitsarbeit und Publikationen verbreitet.

Ein weiterer Aspekt des Projektes ist die Lösung von bestehenden Konflikten und Problemen bei der Heidewirtschaft. Nur eine auskömmliche Bewirtschaftung sichert dauerhaft die notwendige Pflege der Heiden durch Weidetiere. Daher unterstützt das Bergheiden-Projekt regionaltypische Bewirtschaftungsformen der ortsansässigen Betriebe. Besonderes Anliegen ist dabei die Stärkung der sozialen Landwirtschaft, bei der Menschen mit einer körperlichen Einschränkung und/oder Lernbehinderung einen betreuten Arbeitsplatz erhalten. Mit Hilfe heimischer Schäfereibetriebe konnte bereits auf zwei Heiden im Raum Willingen eine Erstbeweidung eingeführt werden und auf einer dritten die Beweidung wiederaufgenommen werden.

Heidelandschaften stellen oft Sehnsuchtsorte dar und bieten daher eine ganz besondere Form des Naturerlebnisses und der Erholung in der Natur. Nicht ohne Grund wurde auf der Bergheide bei Niedersfeld mit dem „Goldenen Pfad“ ein landschaftstherapeutischer Weg errichtet.
Unter dem Aspekt „Natur für alle“ werden auf dem Kahlen Asten stellvertretend Bergheiden im Rothaargebirge auch für Menschen mit Mobilitätseinschränkung erlebbar gemacht. Ein kurzer, barrierearmer Rundweg mit geeignetem Wegebelag wurde bereits realisiert. Weitere Verbesserungen des Naturerlebnisangebotes sind geplant.

Bestehende Reibungspunkte der unterschiedlichen Nutzergruppen sollen im Zuge des Projektes durch Dialog und ein breites Angebot an Öffentlichkeitsarbeit entschärft werden. Als eine der ersten Maßnahmen des Projektes fand am 10. September 2017 der 1. Hochheidetag auf der Niedersfelder Hochheide statt. Damit wurde bereits ein wichtiger Schritt zur Stärkung der Wanderschäferei, zur Sensibilisierung von Einheimischen und Touristen für das Thema Bergheiden und vor allem zur Konfliktlösung zwischen Schäferei und Beerenpflückern unternommen. Weitere Impulse im Bereich Öffentlichkeitsarbeit wurden durch eine Auftakt-Veranstaltung mit Fachvorträgen und Bergheiden-Exkursion, einen Radiobeitrag in der WDR5-Wissenschaftssendung Leonardo und einen Fernsehbeitrag in der WDR Lokalzeit Südwestfalen gesetzt.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Der Erhalt der Bergheiden leistet einen wertvollen Beitrag zur Umsetzung der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt. Der Stopp und die Umkehr des Rückganges der historisch entstandenen Biodiversität, die Schaffung eines länderübergreifenden funktionalen Biotopverbundes und die Regeneration und Neuentwicklung gefährdeter, ökologisch wertvoller Lebensräume sind gemeinsame Ziele. Der gefährdete FFH-Lebensraumtyp „Trockene europäische Heiden“ (4030), in seiner besonders seltenen Ausprägung als montane Zwergstrauchheide, wird durch das Projekt optimiert, erhalten und wiederhergestellt. Durch die Schaffung eines durchgängigen Triftwegesystems soll ein „lebender Biotopverbund“ erzielt werden, so dass Weidetiere die typischen Pflanzen und Tiere der Bergheiden verbreiten helfen.


Bild 1
Bild 2

Bild 3
Bild 4

Dokumente

Projektbeschreibung des Vorhabens ´Bergheiden im Rothaargebirge´

Flyer des 1. Hochheidetages 2017

Pressemitteilung des 1. Hochheidetages 2017

WDR5-Radiobeitrag ´Rettung für Sauerländer Bergheiden´

 

Besuchen Sie uns

Naturschutzgebiet "Neuer Hagen"

Parkplatz Hochheide-Hütte
59955 Winterberg-Niedersfeld

Öffnungszeiten: jederzeit frei zugänglich

Herr Benedikt Wrede
Tel.:(02961) 98913-06
b.wrede@biostation-hsk.de
http://www.biostation-hsk.de

 

Weitere Infos

Zweckverband Naturpark Diemelsee in Kooperation mit dem Naturpark Sauerland-Rothaargebirge, der Universität Osnabrück und dem Naturschutzzentrum - Biologische Station - Hochsauerlandkreis
Winterberg-Niedersfeld

Aktuelles, Projekte und Termine in unserem Newsletter
*Pflichtfeld