Rebhuhnschutzprojekt im Landkreis Göttingen

Das Rebhuhn war früher ein häufiger Vogel in unserer Kulturlandschaft, ist aber heute europaweit bedroht. Die Ursachen sind vielfältig. Verantwortlich für den Bestandsrückgang dieser schönen Vögel sind wir Menschen durch die intensive Nutzung der Landschaft. Das Göttinger Rebhuhnschutzprojekt hat sich zum Ziel gesetzt, dem Rebhuhn zu helfen z. B. durch die Optimierung von Agrarumweltmaßnahmen. Mithilfe engagierter Landwirte werden die Maßnahmen auf Ackerflächen umgesetzt. Dadurch werden neue Lebensräume für die Rebhühner geschaffen. Viele andere Tier- und Pflanzenarten profitieren von diesen Maßnahmen. Ein weiterer wichtiger Teil des Projekts ist die Öffentlichkeitsarbeit. Mit Vorträgen, Informationsveranstaltungen, Beratungen und Feldbegehungen vor Ort sollen lokale Akteure motiviert werden, sich für den Rebhuhnschutz aktiv einzusetzen. Sie sollen zudem so gut geschult werden, dass sie als Multiplikatoren zum effektiven Rebhuhnschutz beitragen. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet von der Universität Göttingen, Abteilung Naturschutzbiologie.


Das Rebhuhnschutzprojekt im Landkreis Göttingen wurde 2004 von den Biologen Dr. Eckhard Gottschalk und Werner Beeke initiiert. Projektträger ist die Biologische Schutzgemeinschaft Göttingen e. V. (BSG).
Das Rebhuhn ist eine hervorragend geeignete Zielart, um die negativen Effekte des Wandels in der Agrarlandschaft auf die Vögel zu untersuchen und Schutzmaßnahmen umzusetzen, da es in der Öffentlichkeit bekannt ist und bei den Landwirten ein positives Image besitzt. Von den Schutzmaßnahmen, die für das Rebhuhn durchgeführt werden, profitieren viele weitere Arten.
Im Rebhuhnschutzprojekt hat die BSG mit der Abteilung Naturschutzbiologie der Universität Göttingen erprobt, wie sich Agrarumweltmaßnahmen effektiver gestalten lassen, um positive Effekte auf die Populationen von Rebhühnern, bestäubenden Insekten und weiteren Vogelarten zu erzielen.
Mithilfe zahlreich engagierter Landwirte im Landkreis Göttingen wurde die Bewirtschaftung von Blühstreifen so modifiziert, dass sie den Lebensansprüchen der Rebhühner genügen.
Eine aufwendige und langjährige Telemetriestudie wurde von der Abteilung Naturschutzbiologie durchgeführt. Es konnte nachgewiesen werden, worin die Schwierigkeiten bestehen, die Rebhühner in der intensiv genutzten Landschaft haben. Zusätzlich wurde untersucht, wie die Vögel auf die Lebensraumaufwertungen reagieren, die mittels optimierter Agrarumweltmaßnahmen durchgeführt wurden. Die Anlage von strukturreichen Blühstreifen hat sich dabei besonders bewährt. Die optimierten Blühstreifen sind zu einem der wichtigsten Brutplätze der Rebhühner geworden, zum anderen konnte der Rebhuhnbestand landkreisweit stabilisiert werden. Zur gleichen Zeit ist der Bestand im restlichen Teil Niedersachsens weiterhin zurückgegangen.
Die Haupttodesursache bei Rebhühnern ist das Gefressenwerden von Raubsäugern und Greifvögeln (Prädation), eine Folge der ausgeräumten und intensiv genutzten Landschaft. In schmalen Strukturen bis 10 m liegt das Prädationsrisiko bei über 60 %. Da breite Strukturen sichere Brutplätze bieten, sollten die Blühstreifen mehr flächig als streifenförmig angebaut werden.
Aufgrund der Ergebnisse der Forschung hat das Land Niedersachsen seit 2015 eine neue Agrarumweltmaßnahme im Förderprogramm: die "strukturreichen Blühstreifen". Nun kann jeder Landwirt in Niedersachsen mit den strukturreichen Blühstreifen neue Lebensräume für das Rebhuhn schaffen.
Damit diese Agrarumweltmaßnahme bekannter in Niedersachsen wird, aber auch um neue Akteure für den Rebhuhnschutz zu finden, wurde mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union, des Landes Niedersachsen, der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung und der Hanseatischen Natur- und Umweltinitiative e. V. 2016 ein weiteres Projekt gestartet: "Qualifizierung von Akteuren zur Initiierung regionaler Rebhuhnschutzprojekte in Niedersachsen".
Ein wichtiger Aspekt bei diesem Projekt ist die Motivierung von Akteuren im Rebhuhnschutz. Die Tatsache, dass Akteure vor Ort nicht auf sich allein gestellt sind, sondern auf eine regelmäßige Beratung und fachliche Unterstützung auf Grundlage der langjährigen Erfahrungen und Erkenntnisse des Göttinger Rebhuhnschutzprojektes zurückgreifen können, lässt viele neue Aktivitäten entstehen. Somit werden Keimzellen geschaffen, die sich für den Schutz der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft interessieren, sich fortbilden und letztlich vor Ort wirksame Maßnahmen für den Artenschutz in unserer Kulturlandschaft umsetzen.
Erleben wir das Rebhuhn beim Spaziergang noch live in unserer Landschaft, dann erleben wir auch ein Stück biologische Vielfalt.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Die Bestände vieler Vogelarten in der Agrarlandschaft sind in Europa in den letzten Jahrzehnten dramatisch eingebrochen. Das Rebhuhn steht mit einem Bestandsrückgang von 94 % seit 1980 an trauriger Spitze. Eine der Hauptursachen für diese Bestandseinbrüche ist die intensive Landwirtschaft. Lebensräume, insbesondere sichere Bruträume, gehen verloren. Nur ein Umdenken in der Agrarpolitik, auf europäischer und nationaler Ebene, kann die Ziele der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt wirklich erreichen. Der Landwirt muss finanziell in die Lage versetzt werden, nicht nur Lebensmittel auf seinen Ackerflächen anzubauen, sondern auch als Landschaftspfleger mit wirksamen Agrarumweltmaßnahmen den Bestandsrückgang zu stoppen, um so die Vielfalt in der Natur wieder zu steigern. Der Spaziergänger kann wieder mehr Natur erleben in der sonst ausgeräumten und agrarindustriell geprägten Landschaft.
Das Rebhuhnschutzprojekt trägt u. a. mit seiner umfassenden Öffentlichkeitsarbeit dazu bei, die biologische Vielfalt in der Landschaft wieder zu erhöhen. Der Schwerpunkt liegt auf dem Rebhuhn, aber die Mitnahmeeffekte wirken sich auch positiv auf viele andere Arten aus. Gerade Insekten, die auch wichtige Bestäuberleistungen für uns Menschen erbringen, profitieren von einer extensiv genutzten und blütenreichen Landschaft. Geben wir der lokalen Flora wieder die Möglichkeit des Erblühens, unterstützen wir viele Insekten, die ihrerseits eine wichtige Nahrungsquelle vieler Tierarten sind.

Video:


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Dokumente

Leitfaden Rebhuhnschutz vor Ihrer Haustür 2017 aktualisiert.pdf

Infoblatt strukturreiche Blühstreifen Homepage 2017.pdf

Flyer - Rebhuhnschutz vor Ihrer Haustür 2017 Homepage.pdf

 

Besuchen Sie uns

Biologische Schutzgemeinschaft Göttingen e. V.

Geiststr. 2
37073 Göttingen

Öffnungszeiten: montags: 9 - 12 Uhr, donnerstags: 14 - 17 Uhr

Herr Werner Beeke
Tel.:0551/43477
mail@biologische-schutzgemeinschaft.de
http://www.rebhuhnschutzprojekt.de

 

Weitere Infos

Biologische Schutzgemeinschaft Göttingen e. V.
Göttingen

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