Artenreiche Auenwiesen

Das Projekt hat die Erhaltung artenreicher, extensiv bewirtschafteter Grünlandbestände in der Kinzigaue im Rhein-Main-Gebiet (Main-Kinzig-Kreis, Hessen) zum Ziel. Anlaß: Das bisher naturverträglich erzeugte Heu, das als Tierfutter Verwendung findet, ist durch das Auftreten der giftigen Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale L.) kaum nutzbar und unverkäuflich. Hohe finanzielle Einbußen und eine kostenintensive Entsorgung können sich für die wirtschaftenden Landwirte langfristig existentiell bedrohend auswirken. Es besteht die Gefahr, dass die Bewirtschaftung unrentabel wird und eingestellt werden muss. Als Konsequenz daraus würde ein Rückgang der Artenvielfalt und Vogelwelt (Kiebitz, Bekassine u.a.) resultieren. Die im unteren Kinzigtal entstandene Situation ist daher nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch aus Naturschutzsicht als sehr ernst zu bezeichnen

Das Projektgebiet umfasst ausschließlich landwirtschaftlich genutzte Flächen, ist ca. 600 ha groß und befindet in der unteren Flussaue der hessischen Kinzig. Sämtliche Projektflächen liegen im Landschaftsschutzgebiet „Auenverbund Kinzig“. Das als innovativ zu bezeichnende Pilotprojekt soll der zunehmenden Ausbreitung der Herbstzeitlosen durch eine modifizierte, naturverträgliche Bewirtschaftung (variable Mahdmuster / verschiedene Mahdzeiten) entgegenwirken, um sie schließlich auf ein verträgliches Maß zurückzudrängen. Das Gesamtvorhaben basiert auf dem strategischen Ansatz „Schutz durch Nutzung“ und setzt ganz bewusst auf die Kooperation mit der örtlichen Landwirtschaft. Dazu soll das Projekt die akuten Anforderungen der landwirtschaftlichen Produktion mit den naturschutzfachlichen Zielsetzungen für Grünland als Lebensraum unzähliger Tier- und Pflanzenarten verbinden. Vorgesehen ist die Kartierung der Herbstzeitlosenbestände auf 600 ha sowohl zur Vegetations- als auch zur Blütezeit im Herbst sowie die Bestandsaufnahme wiesenbrütender Vogelarten und ausgewählter Amphibien. Die Erkenntnisse münden in einem Konzept zum Schutz und Erhalt der Wiesenbrüter und Amphibien, sowie in der sukzessiven Umsetzung von Maßnahmen in enger Kooperation mit Landwirten und Behörden Darüber hinaus soll ein naturverträgliches Bewirtschaftungskonzept entwickelt werden. Dies beinhaltet u.a., dass die Mahdtermine zukünftig unter Berücksichtigung der Herbstzeitlosen und Optimierung der Wiesenbrütervorkommen gesteuert werden.

Das Projekt startete offiziell am 15. März 2015 und wird voraussichtlich am 14. März 2018 beendet sein. Die Kartierungen der Herbstzeitlosen finden sowohl im Frühjahr (zur Vegetationszeit) als auch im Herbst (zur Blütezeit) statt. Erste Rückdrängungserfolge wurden, bedingt durch eine frühe Mahd, festgestellt. Folgende Natur- und Artenschutzmaßnahmen konnten bereits umgesetzt werden: In der Langenselbolder Kinzigaue entstanden im Winter 2016/2017 neue Feuchtlandbiotope mit einer Gesamtgröße von etwa 2.200 m². Durch das zusätzliche Entfernen großer Gehölzriegel, die als Barrieren die Kinzigaue kleinflächig trennten, wurde die Aue für wiesenbrütende Vogelarten großflächig geöffnet. Erste Kiebitzbruten konnten bereits im Frühjahr/Sommer 2017 beobachtet werden. Viele Bekassinien sind nun wieder bei der Rast zu sehen. Des Weiteren wurden entlang der Kinzig vielfältige Pflegemaßnahmen durchgeführt wie bspw. die Grundsanierung von Amphibientümpeln im Feuchtgebiet Herrenbruch sowie in der Hasselrother Kinzigaue mit der Wiederherstellung von Rohboden. Zurzeit wird die Optimierung einer mit Binsen sehr stark belasteten Grünlandfläche (2,5 ha), die inzwischen für Wiesenvögel als Brutgebiet wertlos geworden ist, geplant und vorbereitet. Des Weiteren wird noch im Oktober 2017 der Lauf des Etzwiesenbaches in der Hasselrother Kinzigaue wiesenvogelgerecht umgestaltet. Das beinhaltet flache Ufer, um Nahrungsbiotope zu schaffen sowie die Abtragung von hoch anstehenden Inseln im Gewässerlauf, die danach ebenfalls als Nahrungsbiotope (stocherfähige Flächen) zur Verfügung stehen sollen. Weitere Maßnahmen sind in der Planung.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Das Projekt soll durch geeignete Maßnahmen den Rückgang der Artenvielfalt (Biodiversität) in der landwirtschaftlich geprägten Kinzigaue, die zugleich Lebensraum unzähliger seltener und bedrohter Tier- und Pflanzenarten ist, aufhalten.

Video:
http://gna-aue.de/projekte-entdecken/umweltlotterie-genau/1-gewinnerprojekt-lebendige-kinzigauen/


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Dokumente

Lebendige Kinzigauen erreicht die GNA nur durch groß angelegte Renaturierungsmaßnahmen und Artenschutzprojekte.

Freie Sicht für den Kiebitz - Der Erhalt und die Entwicklung der Biodiversität in den Auen steht für die GNA an erster Stelle.

Artenschutz im Grünland - Kiebitz erleben, beobachten, verstehen.Projektfaltblatt 2017

 

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