Große Hufeisennase in der Oberpfalz (Bayern)

Hohenburg in der Oberpfalz beherbergt die letzte Wochenstube der Großen Hufeisennase in Deutschland, die im Jahr 1992 entdeckt wurde. Seit 2012 werden Maßnahmen umgesetzt, die das Nahrungsangebot für diese Fledermausart verbessern und bereits bestehende Jagdgebiete miteinander vernetzen sollen. Im Fledermaushaus Hohenburg haben Besucher die Möglichkeit, sich über diese hoch bedrohte Art und ihre besonderen Ansprüche zu informieren. Sämtliche Bemühungen haben schon nach kurzer Zeit Erfolge gezeigt, denn die Kolonie wächst seit Beginn der Maßnahmen deutlich und kontinuierlich.

Das wichtigste Ziel besteht darin, die Weiterentwicklung der bestehenden Population zu fördern. Ein einziges Ereignis, zum Beispiel eine Krankheit oder ein Blitzeinschlag, kann dazu führen, dass diese letzte Fortpflanzungskolonie verloren geht. Um diese Gefahr zu bannen, muss die Kolonie möglichst schnell soweit anwachsen, dass sie sich aufspaltet und neue Kolonien bildet. Dafür ist es notwendig, dass Gebiete mit guten Jagdmöglichkeiten entwickelt und geeignete Quartiere geschaffen werden.

Um das Nahrungsangebot für die Großen Hufeisennasen zu verbessern, wird im Lauterachtal eine ökologische Weidetierhaltung mit Oberpfälzer Rotvieh betrieben. Der Dung, den die Rinder hinterlassen, bietet verschiedensten Großinsekten einen Lebensraum und somit einen üppig gefüllten Speiseplan für die Große Hufeisennase. Die Pflanzung von Obstbäumen fördert nicht nur die Insektenvielfalt sondern bietet den Hufeisennasen auch neue Möglichkeiten zur Jagd. Um Jagdgebiete im Umland miteinander zu verbinden, werden verbuschende Wiesen und Wälder aufgelichtet. Strukturreiche Waldränder und Hecken in Kombination mit offenen Bereichen dienen den Fledermäusen als Leitlinien in die Jagdgebiete.

Das Gesamtprojekt wird durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit begleitet. Im Fledermaushaus Hohenburg finden regelmäßige Führungen statt. Hier bekommen die Besucher einen Einblick in das faszinierende Leben der Großen Hufeisennase. Im Quartier wurden zahlreiche Kameras installiert, die mit hochauflösenden Bildern den direkten Blick in das Wohnzimmer der Fledermäuse ermöglichen. Mit Fledermaus-Detektoren kann der nächtliche Ausflug der Tiere aus dem Quartier mitverfolgt werden. Infotafeln im Projektgebiet und ein interaktiver Infopoint im Fledermaushaus informieren die Besucher über die Ansprüche und Lebensweise dieser bedrohten Art. Weitere Maßnahmen werden in absehbarer Zeit umgesetzt. In der Gemeinde Hohenburg entstehen aktuell Fledermausrundwanderwege, auf denen sich die Besucher über den Lebensraum der Großen Hufeisennase informieren können.

Das Fledermaushaus hat sich zu einem beliebten Informationszentrum entwickelt, in dem zahlreiche Führungen, Privatveranstaltungen und Fachworkshops stattfinden. Seit 2012 haben rund 12.000 Interessierte das Fledermaushaus besucht. Das Ziel, eine Koloniestärke von 100 Tieren zu erreichen, wurde bereits 2014 überschritten. 2017 konnten 184 erwachsene Tiere und 70 Jungtiere in der Wochenstube gezählt werden.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Dieses einzigartige Projekt fördert nicht nur den Bestand einer hoch bedrohten Fledermausart, sondern die biologische Vielfalt insgesamt. Von den Umgestaltungsmaßnahmen in der Landschaft profitieren auch zahlreiche Insekten. Auf dem benachbarten Truppenübungsplatz Hohenfels konnte sich eine Insektenvielfalt etablieren, die nicht einmal in sehr guten Lebensräumen in der Umgebung erreicht werden kann. Auch die ökologische Weidetierhaltung trägt ihren Beitrag zu einer vielfältigten Insektenfauna bei. Im Dung großer Weidetiere können mehr als 1.000 verschiedene Käferarten leben. Durch diese Beweidungsform wird die Landschaft offen gehalten, wodurch sich eine artenreiche Flora mit zahlreichen wärmeliebenden Arten entwickeln kann.

Video:


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Dokumente

Projektflyer Große Hufeisennase

 

Besuchen Sie uns

Fledermaushaus Hohenburg

Marktplatz 32
92277 Hohenburg

Öffnungszeiten: Jeden Freitag im Mai und August ab 19 Uhr, im Juni & Juli ab 20 Uhr oder nach Vereinbarung

Herr Rudolf Leitl
Tel.:0 96 26 / 9 29 97 72
rudolf.leitl@lbv.de
http://www.fledermaushaus-hohenburg.de

 

Weitere Infos

Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV), Bundesanstalt für Immobilienaufgaben - Bundesforstbetrieb Hohenfels, Landschaftspflegeverband Amberg-Sulzbach e. V.
Hohenburg

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