Sonderwettbewerb Soziale Natur

Suchtprävention und Soziale Arbeit mit der Natur

Wildnispädagogik als Impuls für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien. Im Rahmen einer ganzheitlichen Suchtprävention mit der Förderung von Gesundheit und Lebenskompetenzen liegt das tiefere Ziel dieser Fortbildungsreihe (neben der Vermittlung von Kenntnissen, Fertigkeiten, Erfahrungen und dem Transfer in den Berufsalltag) darin, die Verbindung zur Natur und ihrer biologischen Vielfalt - der Vielfalt des Lebens, wozu auch wir Menschen gehören - wieder zu intensivieren. Sich mit der Natur verbunden zu fühlen, das Gefühl zu entwickeln zu diesem Großen und Ganzen dazuzugehören und dies schätzen und lieben zu lernen hat eine vielfältige und positive Wirkung auf unser Leben und unsere seelische und körperliche Gesundheit. Außerdem führt diese Verbindung zu einem achtsameren Umgang mit der Natur und deren biologischen Vielfalt. „Denn das, was ich schätzen und lieben gelernt habe, bin ich auch bereit zu schützen.“ Diese Verbindung lässt das Bewusstsein wachsen, dass das Leben auf unserem Planeten nur in der Kooperation aller Lebewesen - dieser biologischen Vielfalt - gelingen kann.

In diesem Kontext haben wir im Projekttitel bewusst die Formulierung „... mit der Natur" und nicht „... in der Natur" gewählt. Denn wir betrachten Natur nicht als bloßen Austragungsort oder schöne Kulisse, sondern als Kooperationspartner, der uns - in der Gesamtheit seiner biologischen Vielfalt - letztendlich lehrt und uns vielfältige Erfahrungen ermöglicht.


Auf der Grundlage unserer suchtpräventiven und wildnispädagogischen Aktivitäten für Kinder, Jugendliche und Familien seit 2006 (mehrtägige Camps für Jugendliche und Familien, Walderlebnistage für Familien, fortlaufende Waldgruppe für Kinder und Lehrerfortbildungen) bieten wir seit 2011 Multiplikatoren Fortbildungen an. Diese bestehen aus 4 mehrtägigen Modulen und finden in einem Zyklus von zwei Jahren statt. Zurzeit führen wir die 5. Fortbildung mit 19 TeilnehmerInnen durch. Diese Fortbildungen sind in erster Linie für MitarbeiterInnen aus sozialen und therapeutischen Arbeitsfeldern, aus Deutschland und Luxemburg konzipiert. Es nehmen aber auch StudentInnen und Personen aus anderen Berufsbereichen daran teil.

Themenschwerpunkte sind unter andrem: Erlebnis der Stille – die äußere Natur als Spiegel der inneren Natur; Wahrnehmungsübungen und Sinnesschulung; Feuer; bauen von Schutzbehausungen; Herstellen von Gebrauchsgegenständen; Gruppen- und Schleichspiele; Coyote Teaching und die Kunst des Fragens; Einfühlung in andere Lebewesen; ökologische Wahrnehmung, Bäume, Pflanzen und Kräuter, Säugetiere; Spurenlesen; Vögel und deren Rufarten; Kochen in Gruppen; Wildniscamp als suchtmittelfreier Erfahrungsraum; Verknüpfung von Lebenskompetenztraining, Suchtprävention und Wildnispädagogik.

Natur stellt gerade durch ihre große biologische Vielfalt einen elementaren Baustein menschlicher Entwicklung und Gesundheit dar. Vor allem für Kinder sind neben gelungenen Beziehungen, Naturerfahrungen so essenziell wie saubere Luft zum Atmen und gute Ernährung, um die Basis für ein tragfähiges Leben aufzubauen.

Insbesondere Kinder aus suchtbelasteten, traumatisierten und sozial benachteiligten Familien so wie Kinder mit der Diagnose AD(H)S und deren Familie haben meist eine jahrelange Erfahrung mit Frustrationen, Verunsicherungen, Konflikten, Abwertung und Ängsten durchlebt. Der aus diesen Erfahrungen resultierende und oft lang andauernde „Stresszustand“ gefährdet in hohem Maße die geistige, seelische und körperliche Integrität der Betroffenen, vor allem der Kinder und Jugendlichen.

In diesem Kontext ist die Wildnispädagogik, die sich am Coyote-Mentoring orientiert, ein ideales Instrument, um die soziale und therapeutische Arbeit mit belasteten Familien und deren Kindern zu erweitern. Die heilsame und präventiv wirkende Ressource Natur, mit ihrer großen biologischen Vielfalt, in achtsamer Weise zu erschließen und sich damit zu verbinden, gibt Jugendlichen, Kindern und Erwachsenen in schwierigeren Lebenssituationen die Möglichkeit, Resilienzen neu auszubilden und zu verstärken. Denn die Trennung von „der Natur dort“ und „dem Menschen hier“ entspricht nicht dem Charakter unserer Existenz, da der Mensch sowohl Teil der Natur ist als auch die Natur Teil des Menschen. Naturerfahrung ist demnach auch Selbsterfahrung und in ihrem Wesen zutiefst sozial. Es findet Beziehungsarbeit statt, zwischen Menschen und allem Lebendigen. Unsere eigene Lebendigkeit spiegelt sich in der Natur wieder. Sie ist der Inbegriff des sich immer wieder selbst hervorbringenden kreativen Lebens und die Instanz größter Lebendigkeit und Kraft, an der wir immer teilhaben.

Die unmittelbare und natürliche Umgebung des Waldes ermöglicht den Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern ein Erlebnis von Ganzheit und Verbundenheit. Während die Natur – und damit auch ein Teil der menschlichen Natur – im zivilisierten Leben oft ausgegrenzt wird, wird in diesem Setting dieser Teil wieder erfahrbar. Gerade entwurzelten Menschen kann der Wald deshalb ein Gefühl der Heimat geben. Und dies geschieht ganz nebenbei.

Durch dieses unmittelbare Leben in der Lebensgemeinschaft Wald lernen wir dessen biologische Vielfalt kennen und uns damit zu verbinden. In diesem Setting liegt der Schwerpunkt auf „erfahren und verbinden" so wie dem Wecken von Neugier und Begeisterung und nicht auf der Vermittlung und dem Erwerb von reinem Faktenwissen.

Austragungsort der Fortbildungen ist der „Urwald vor den Toren der Stadt", ein Buchenmischwald, reich an alten Bäumen und Totholz, in den seit etwa 20 Jahren nicht mehr durch den Menschen eingegriffen wird. Die große biologische Vielfalt und Schönheit, die in diesem Wald anzutreffen ist, berührt und weckt ganz automatisch Neugier und Begeisterung.

Im Lauf der Jahre hat sich innerhalb dieser Arbeit ein weitreichendes Netzwerk an Unterstützern und Kooperationspartnern in der Großregion Saarland, Rheinland-Pfalz und Luxemburg gebildet. Diese sind: Drogenhilfe Saarbrücken gGmbH, AWO Sozialraumbüro Saarbrücken-West, AWO Sozialraumbüro Völklingen/Warndt, CePT - Centre de Prévention des Toxicomanies in Luxemburg, Caritasverband Westeifel e.V., Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz Saarland, NABU Saarland e.V., Saar Forst, sowie das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie Saarland. Auf dieser breiten Basis ist die Fortdauer dieser Arbeit für die nächsten Jahre gesichert.


Bezug zur biologischen Vielfalt:

Wenn wir mit unseren TeilnehmerInnen, seien es Kinder, Jugendliche, Familien oder TeilnehmerInnen der Fortbildungen, durch den Wald streifen, können wir immer wieder erleben, dass gerade der Reichtum und die Fülle, die wir im Wald erfahren, also die biologische Vielfalt der Natur, am Stärksten anspricht, Neugier, Begeisterung, Staunen und Freude auslöst. Es gibt immer Neues zu entdecken, abwechslungsreich und voller Eindrücke, eine Fülle, die nicht ermüdet oder anstrengt, sondern belebt und beruhigt. Der permanente Wechsel der Eindrücke, die Vielfalt des Lebens, das Licht, die Atmosphäre, die Ruhe und Stille, die Eindrücke der Nacht, aber auch das Unbekannte, der Nervenkitzel und das Abenteuer oder das Kochen und Feiern am Lagerfeuer - die Kraft der Gemeinschaft - wecken Gefühle von einem erfüllten Leben.


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Dokumente

Dokumentation und Publikation zum Ansatz Suchtprävention und Soziale Arbeit mit der Natur - Wildnispädagogik als Impuls für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien (2017)

Suchtprävention und Soziale Arbeit mit der Natur: Interregionale Multiplikatoren-Fortbildung 2018/2019 für MitarbeiterInnen in sozialen und therapeutischen Arbeitsfeldern

Konzeption: Wildnispädagogik im AWO Sozialraumbüro Saarbrücken-West (2015)

Wildnispädagogische Angebote der Fachstellen Spielsucht und Suchtprävention des Caritasverbandes Westeifel e.V.

 

Besuchen Sie uns

AWO Sozialraumbüro Saarbrücken-West

Serriger Straße 20
66115 Saarbrücken

Öffnungszeiten: Mo., Mi., Fr. 8:00 bis 12:00 Uhr; Di. 8:30 bis 10:30; Do. 13:30 bis 17:30 Uhr

Herr Jürgen Linnenberger
Tel.:0681 7094723
jlinnenberger@lvsaarland.awo.org
http://www.awo-saarland.de

 

Weitere Infos

Stefanie Mohra, Drogenhilfe Saarbrücken gGmbH; Jürgen Linnenberger, AWO Sozialraumbüro Saarbrücken-West; Roland Carius, CePT - Centre de Prévention des Toxicomanies/Luxemburg; Willi Bauer und Franz Urfels, Caritasverband Westeifel e.V. Austragungsort
Saarbrücken

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