Sonderwettbewerb Soziale Natur

wildnis- und waldpädagogische Programme

Wälderwärts e.V. ermöglicht mittels Konzepten, welche aus der Wildnispädagogik weiterentwickelt wurden, Kindern und Erwachsenen möglichst ganzheitliche Naturerfahrungen. Wir sind ein gemeinnütziger Verein aus Naturmentoren, die über vielfältige praktische schulische und außerschulische pädagogische Erfahrungen und Weiterbildungen in Wald- und Wildnispädagogik verfügen. Durch freie, kreative Spiele und Aktivitäten im Wald sowie angeleiteter Prozessbegleitung in Gruppen fördern wir die körperliche, psychische und soziale Gesundheit der Teilnehmenden, einen achtsamen Umgang mit allen Lebewesen und tragen zu einer Erholung der zielgerichteten Aufmerksamkeit, Empathie, Kooperationsfähigkeit und größerem Selbstwertgefühl bei. Wir beugen einer Naturentfremdung vor, indem wir Freiräume zulassen, Verbundenheit mit der Natur zu entwickeln, aus der ein ökologisches Bewusstsein wächst. Neben regelmäßigen Wald AGs für Kinder bieten wir für unterschiedliche Ziel- und Altersgruppen Übernachtungsprogramme, Workshops, Erlebnistage, Wald-Familientage und Ferienfreizeiten an, allein oder mit vielfältigen Kooperationspartnern in Südniedersachsen, und bereiten unsere Erkenntnisse für Wissenschaft und Praxis auf.

Ziele/Motivation
Das Ziel von Wälderwärts e.V. ist es, Menschen jeden Alters nachhaltige Naturerfahrungen zu ermöglichen. Aufgrund schwindender Naturbezüge bzw. einer zunehmenden Entfremdung von der Natur, begreifen Menschen ihr Handeln oftmals als losgelöst von der Natur, sodass die ökologischen Auswirkungen eigener Handlungen unberücksichtigt bleiben. Dies ist ein entscheidender Grund für heutige Umweltprobleme, weshalb das (Wieder-)Erstarken einer Naturverbindung eine entscheidende Möglichkeit darstellt, diesen entgegenzuwirken.
Weiterhin gehen auf individueller Ebene mit Naturaufenthalten positive Auswirkungen auf das körperliche, geistige und seelische Wohlergehen einher. Die Bandbreite reicht vom Entgegenwirken alltäglicher Belastungen wie Stress oder Konzentrationsschwächen bis chronischer Erkrankungen wie Depressionen, Asthma oder Allergien. Gerade für die Entwicklung von Kindern stellen Wälder aufgrund ihrer Fülle an unstrukturierten, heterogenen und komplexen Umgebungen, die ständig im Wandel begriffen sind, eine besonders wertvolle Lernumgebung dar. Doch nicht nur Kinder können hier vor allem kreatives Denken üben und ihre Fantasie einsetzen; altersunabhängig essentielle Voraussetzungen für Selbstwert und Selbsterfahrung.
Über gruppenbasierte Naturerfahrungen werden auf sehr effektive Weise außerdem Empathie, Flexibilität, Selbstregulierung und Kompromissfähigkeit bzw. Kooperationsfähigkeit, sowie exekutive Kompetenzen wie Führungsqualitäten oder Problemlösungskompetenzen geschult, sodass die „emotionale und soziale Intelligenz“ gefördert wird.

Gestaltung und Umsetzung als Prozessbegleitung
Wir sind ein gemeinnütziger Verein aus Naturmentoren, der sich an den Konzepten der Wildnispädagogik orientiert. Hierbei soll Kindern und Erwachsenen ihr eigener Raum zum Erfahren und Lernen gegeben werden. So verstehen wir uns vielmehr als Prozessbegleiter denn als Lehrer. Inhaltliche Themen beinhalten u.a. Fährtenlesen, Wildkräuter, Pflanzen und Tiere im Verlauf der Jahreszeiten, Vogelsprache, Achtsamkeitsschulung und (Natur-)Handwerk. Die Förderung einer besseren Wahrnehmung und Achtung der Natur ist dabei untrennbar mit dem Respekt gegenüber den Mitmenschen verbunden. Tief in alle Programme integrieren wir den Grundsatz des respektvollen Umgangs miteinander, der Integration und Inklusion aller Gruppenmitglieder. Wir gestalten die Programme so flexibel, dass im Erlebnisraum Wald (Sprach-)Barrieren überwunden und Toleranz und Achtung zueinander gefördert werden.
Die positiven Auswirkungen von Naturkontakt auf das physische und psychische Wohlergehen korrelieren mit ihrer Zeitintensität. Bei längeren und wiederholten Zeiträumen am Stück im Freien verstetigen sich die Erfahrungen zu einer Naturverbindung. Daher führen wir Intensivprogramme wie Übernachtungen, AGs oder Ferienfreizeiten mit festen Gruppen durch.

Ergebnisse
Die innovativen Konzepte der Wildnispädagogik streben an, keine reine Wissensvermittlung zu betreiben, sondern vielmehr als Prozessbegleiter die Neugierde der Kinder und Erwachsenen anzuregen, auf dass diese selbstständig die Natur erfahren. Wir streben dabei eine ausgewogene Balance zwischen vorkonzipierten, angeleiteten Aktionen an, welche neue Erfahrungen im Rahmen einer bestimmten Zielsetzung ermöglichen und einem Raum für unstrukturierte Freizeit, welche die inhärente Neugierde und Fähigkeit zu kreativem, freiem Spiel fördert. Dies erfordert ein hohes Maß an Konzentration und Einfühlungsvermögen seitens der Gruppenleitenden, um auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Teilnehmer einzugehen und sowohl deren persönlichen Lern- und Erfahrungsprozess zu begleiten, gleichzeitig aber auch ein Bewusstsein für Gruppendynamiken zu wahren. Gerade in den langfristigen Programmen mit festem Teilnehmerkreis wie „Waldscouts“ für Kinder im Grundschulalter gelingt es uns sehr gut, Vertrauen und Akzeptanz innerhalb der Gruppe zu festigen und in einem Naturverbindungen zu verstetigen.
Wir haben einen reichhaltigen Erfahrungsschatz an Kinder- und Erwachsenenprogrammen sowie generationenübergreifenden Veranstaltungen, sowie eine gesunde Mischung aus Neuinteressierten und bekannten Teilnehmenden. Vielfältige Kooperationspartner Südniedersachsens wie die Niedersächsischen Landesforsten, der Göttinger Stadtwald, der Käsehof Landolfshausen oder die Familienbildungsstätte Duderstadt festigen unser Engagement. Die Erkenntnisse vermitteln wir in internen Fortbildungen der Niedersächsischen Landesforsten an andere Umwelt- und Waldpädagogen weiter und machen sie auch einem wissenschaftlichen Publikum zugänglich (Densing et al. 2016; Langner et al. im Druck) und fördern Abschlussarbeiten.
Trotz Kontakten und ersten Aktionen mit der Jugendhilfe oder Flüchtlingswohnheimen zwecks sozialer Integration fehlen uns bisher Möglichkeiten, diese dauerhaft preisneutral anzubieten, da wir mitunter hohe Material und Verbrauchskosten haben (Jurte, Schlafsäcke, Koch-, Bogenschieß- und Feuerbohr-Equipment etc.).

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Kindern wie Erwachsenen, deren Schul- oder Berufsalltag von strukturierten, zielorientierten Aktivitäten geprägt ist, schaffen wir Freiräume für Kreativität, Pluralität und Diversität. Mittels Zeit im Wald bauen wir (Leistungs-)druck ab und entwickeln stattdessen Freude am Sein, unabhängig von Ansprüchen an Produktivität. Alle Aktionen – von niedrigschwelligen Erstkontakten wie dreistündigen Waldfamilientagen bis zu Intensivprogrammen – sind gruppenbasiert und beinhalten Gruppenspiele in der Natur zum gegenseitigen Kennenlernen bzw. Schaffung von Akzeptanz und Vertrauen in die soziale Natur. Die Förderung der Kommunikations- und Teamfähigkeit sowie das Entwickeln eines Gemeinschaftssinns sind zentrale Bausteine. So adaptiert Wälderwärts die Kreiskultur und eröffnet Räume, in denen Menschen üben können von Herzen zu sprechen und zuzuhören.
Die Vielfalt des Waldes in seinen Jahreszeiten nutzen wir hierbei spontan und flexibel nach den Bedürfnissen der Gruppe mit dem Ziel der Nähe zu und Akzeptanz von Vielfalt in uns selbst, den weiteren Teilnehmenden und der Natur. Foki wechseln intuitiv zwischen waldbezogenen Inhalten, wie Fährtenkunde, Kräuterkenntnissen oder Vogelstimmentraining, handwerklichen Inhalten, wie dem Bau von Laubhütten oder dem Feuermachen mit möglichst wenigen Hilfsmitteln oder Inhalten, welche auf eine Selbsterfahrung ausgelegt sind, beispielsweise Gruppenspielen, welche eine enge Zusammenarbeit oder körperliches Geschick erfordern.

Video:
http://www.dw.com/en/woodland-play-nurtures-green-thinking/av-37592551



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