Erhalt der traditionellen Bewässerung im Wiesenttal im Forchheimer Land

Die Kulturlandschaft des Wiesenttals wurde über Jahrhunderte durch die traditionelle Kulturtechnik der Wiesenbewässerung geformt, die die einstige Basis für die landwirtschaftliche Entwicklung bildete.
Diese naturschonende, landwirtschaftliche Grünlandnutzung im Wiesenttal und ihr Strukturreichtum bildet die Grundlage für eine vielfältige Artengemeinschaft besonders hoher Biodiversität. Die Wässerwiesen mit ihren Grabensystemen bilden wichtige Lebensräume, Nahrungshabitate und Brutreviere für eine Vielzahl von Organismen. Für die Vogelwelt ist das durch die Bewässerung wechselfeuchte Grünland von besonderer Bedeutung als Brutgebiet für gefährdete Wiesenbrüter. Das artenreiche Grünland wird von einer angepassten und teils hochspezialisierten Insektenfauna besiedelt. Damit stellen die Wässerwiesen Grünland mit sehr hohem naturschutzfachlichem Wert dar. Um dieses Natur- und Kulturerbe und die damit eihergehenden Ökosystemleistungen (Erhalt der Biodiversität, gefährdete Arten, Boden, Grundwasser, Vorfluter) zu schützen, zu entwickeln und nachhaltig zu erhalten, soll dieses Projekt die in örtlichen Wässergenossenschaften organisierten Landwirte als wesentliche Akteure bei der Instandsetzung und –haltung und der natur- und umweltschonenden Bewirtschaftung der Bewässerungssysteme im Wiesenttal beraten und unterstützen.

Mit dem Projekt soll die traditionell nachhaltige Wiesenbewässerung im Wiesenttal mit ihren wichtigen Funktionen für Natur-, Wasser-, Boden-, Luft- und Klimaschutz sowie ihren kulturellen Aspekten bewahrt werden. Hierzu wurden folgende Ziele gesetzt:
Erhalt der traditionellen Wiesenbewässerung sowie ihrer nachhaltigen Grünlandbewirtschaftung
Um eine weitere Grünlandnutzung durch Wiesenbewässerung im Wiesenttal zu ermöglichen, müssen die Wässergenossenschaften bei der Instandsetzung bzw. Instandhaltung der Bewässerungssysteme unterstützt werden. Dazu gehören der Erhalt und Erneuerung der technischen Stauanlagen sowie die Pflege der Bewässerungsgräben. Nach Möglichkeit sollen ruhende Bewässerungssysteme wieder aktiviert werden. Durch Förderung von artenreichem Grünland (HNV (High Nature Value) Stufen I-III) und einer traditionell nachhaltigen Grünlandnutzung sowie deren Ausdehnung, soll den Landwirten eine naturschonende Bewirtschaftung der produktiven Wiesen ermöglicht werden. Dazu gehört auch eine ökologische Verwendung und wirtschaftliche Verwertung des Mahlguts.
Erhalt und Optimierung von Lebensraumfunktionen
Um die Lebensraumbedingungen im Wiesenttal zu verbessern müssen Bewässerungspläne und Mahdregime ökologisch angepasst und die Möglichkeit einer flexiblen Gestaltung geschaffen werden. Diese, als ökologisches Grünlandprogramm zusammengefassten Maßnahmen, bauen weitgehend auf dem VNP und der LNPR auf und ergänzen zielgerecht diese Instrumente des Naturschutzes. Sie beinhalten zusätzlich Maßnahmen zur Vernetzung der Biotope die durch die klassischen Förderprogramme nicht gefördert werden können.
Die Erfolge der jeweiligen Maßnahmen sowie die Entwicklung des Projektes werden durch ein auf Zielarten basiertes Monitoring überwacht. Die Anlage von Dauerbeobachtungsflächen soll die Ergebnisse dokumentieren.
Durch den Erhalt der Wiesenbewässerung sowie ihrer naturschonenden Grünlandbewirtschaftung können im erheblichen Umfang Ökosystemdienstleistungen gesichert werden. Klima, Grundwasser, Boden und Luft können durch den Erhalt von HNV-Grünland und verringerte oder vermiedene Düngergaben geschont werden. Beim Wasserhaushalt leistet die Wiesenbewässerung in den Bereichen Hochwasser-, Grundwasser- und Trinkwasserschutz (Menge und Qualität) äußerst positive Wirkungen. Da HNV-Grünland eine effiziente Kohlenstoffsenke darstellt und vergleichsweise fast keine klimaschädlichen Gase emittiert, wird durch diese Bewirtschaftungsform ein erheblicher und nachhaltiger Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Der Erhalt des gesamten Ökosystemkomplexes Wiesentaue als historische Kulturlandschaft trägt ebenso im erheblichen Umfang zum Erreichen der Biodiversitätsziele, insbesondere beim Schutz hochgradig gefährdeter Organismen, bei. Das liebliche Landschaftsbild dieses Talraumes, auch als Tor zur fränkischen Schweiz bezeichnet, bleibt erhalten und damit auch die Attraktivität und Funktion der Kulturlandschaft des Wiesenttals als Erholungsraum für Anwohner und Touristen und setzt damit die landes-, bundes- und europaweiten Ziele des Schutzes des Landschaftsbildes und hier insbesondere zum Erhalt historischer Kulturlandschaft um.
Durch die Dynamik des Projektes und mögliche von außen einwirkende Faktoren ist eine Konkretisierung von Einzelzielen schwierig.
Ökosystemwerte: Betrachtet man den monetären Wert der Ökosystemleitungen, die bei Durchführung des Projektes generiert werden können, ergibt sich der theoretische maximale volkswirtschaftliche Gewinn bei der vollständigen Nutzung des Projektgebietes als Grünland von 2,15 bis 6.79 Mio. €/a. Realistischer Weise wird der vom Projekt generierte Ökosystemwert eher in der Mitte, also bei 0,16 bis 2,26 Mio €/a liegen. (Berechnet nach den Vorgaben aus: Ökosystemleistungen in ländlichen Räumen (2016; Bundesamt für Naturschutz, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, Helmholzzentrum für Umweltforschung, Leibnitz Universität Hannover)
Das Projektgebiet liegt im Unteren Wiesent-Tal zwischen Forchheim und Ebermannstadt sowie im Seitental der Trubach bis Unterzaunsbach sowie ins Tal deren Zuflusses Thosbach und Thosmühlbach über Urspring bis Thosmühle. Es umfasst eine Fläche von ca. 2.000 ha. Anteilig am Projektgebiet sind die Städte Forchheim und Ebermannstadt sowie die Gemeinden Pinzberg, Wiesenthau, Kirchehrenbach, Weilersbach, Pretzfeld und Unterleinleiter.
Das Tal der Wiesent im Projektgebiet zeichnet sich durch seine Wiesenlandschaft aus, die sowohl von natürlichen Wasserläufen als auch von durch Menschenhand geschaffenen Bewässerungsgräben durchzogen ist.
Das Projektgebiet umfasst die nachfolgenden Schutzkategorien:
Naturpark Fr. Schweiz-Veldensteiner Forst: 1100 ha, 65,1%
LSGFränkische Schweiz-Veldensteiner Forst 730 ha 43,3 %
FFH-Gebiet Wiesent-Tal mit Seitentälern: 400 ha, 23,8 %
SPA-Gebiet Regnitz- und Unteres Wiesenttal:590 ha, 31,1 %
SPA-Gebiet Felsen- und Hangwälder in der Fr. Schweiz 32 ha,1,9 %
IBA-Gebiet Aisch-Regnitz-Grund: 1.340 ha, 74,4%

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Arteninventar (nur RL- und FFH-Anhangsarten) bisher:
Artengruppe,Gesamt: RL,BY,(1,,2,,3,,V),RL,D,(1,2,3,V),Natura,2000
Säugetiere:6:0,0,2,1;0,0,0,3;2
Vögel:93;5,4,8,16,1,5,4,11,10
Reptilien:3,0,1,1,1,0,0,1,2,0
Amphibien:9,0,3,0,2,0,1,2,1,0
Fische,s.l.:9,0,1,1,1,0,1,0,0,2
Libellen :23,0,1,3,2,0,1,5,1,0
Eintagsfliegen:4,0,0,0,0,0,0,0,0,0
Steinfliegen:1,0,0,1,0,0,0,0,0,0
Heuschrecken:14,0,1,2,2,0,0,0,2,0
Käfer:13,0,1,2,1,0,1,2,0,0
Netzflügler:1,0,0,0,1,0,0,0,0,0
Hautflügler:48,0,0,4,6,0,0,3,4,0
Köcherfliegen:6,0,1,1,0,0,1,0,0,0
Schmetterlinge:29,0,0,3,1,0,0,0,1,1
Weichtiere:5,1,0,0,0,1,0,0,0,1
Fauna,gesamt:265,6,13,28,34,10,16,25,17
Quelle: (ASK,,ABSP,,Biotopkartierung,,Einzelerfassungen)
Das Gebiet gehört zu den hot-spot Gebieten der biologischen Vielfalt Deutschlands; die Artenerhebungen werden im Rahmen des Projektes fortgeführt. Eine ausführlichere Artenliste findet sich als Anhang zum Förderanrtag.


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Dokumente

Antrag Wässerwiesen Naturschutzfonds Stand 280217.pdf

Anhang Antrag Wässerwiesen Naturschutzfonds.pdf

Wässerwiesen 2017gp.pdf

 

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