Projekt Lebendige Luppe - Wertvolle Vielfalt erhalten

Leipzig ist nicht nur eine pulsierende Großstadt, Leipzig zeichnet sich auch durch einen hohen Anteil von "Blau" und "Grün" im Stadtbild aus. Entstanden an einem Flussdelta, ist das Element Wasser auch heute noch landschaftsprägend. Ein Auwald zieht sich entlang der Flüsse von Süden nach Norden durch das gesamte Stadtgebiet. Er beherbergt eine große Tier- und Pflanzenvielfalt und ist gleichzeitig wichtiger Erholungs- und Rückzugsraum für die Stadtbevölkerung. Doch das Idyll ist bedroht. Wasserbauliche Eingriffe wie Begradigungen und Verschüttungen von Flussbetten sowie die Anlage von Deichen wirken sich auch auf die umliegende Landschaft aus. Wo sich früher ein reich verzweigtes Fließgewässernetz durch Wälder und Wiesen schlängelte und für eine stetige Dynamik von Wasserstand und Wassermenge sorgte, haben regulierte Flüsse die Oberhand gewonnen. Viele ehemalige Flussbetten gibt es gar nicht mehr. Das bleibt für die Artenzusammensetzung der ursprünglich so vielfältigen Aue nicht folgenlos. Das Projekt Lebendige Luppe möchte dem entgegenwirken und ehemalige Flussläufe im nordwestlichen Auwaldgebiet wiederbeleben.

Zahlreiche wasserbauliche Maßnahmen der letzten Jahrhunderte haben zu einer weitgehenden Austrocknung des Auwalds in Leipzig und Schkeuditz geführt. Flussbegradigungen und -umlegungen, Kanalisierungen, Deichbau und Verschüttungen zu landwirtschaftlichen und Siedlungszwecken haben das Gewässersystem geprägt. Die letzte besonders einschneidende Maßnahme war der Bau eines Kanals in den 1930er- bis 1950er-Jahren, der Neuen Luppe. Sie verläuft durch den nordwestlichen Auwald, zerschneidet ehemalige Flussbetten und trennt den Wald von seiner wichtigen Wasserversorgung ab. Durch die sich immer stärker eintiefende Gewässersohle entzieht die Neue Luppe der Umgebung zusätzlich Grundwasser.

Trotzdem sind auch heute noch Elemente der ursprünglichen Auenlandschaft zu finden: Überall in den hiesigen Auwäldern zeigen Hohlformen den Verlauf alter, trockener Flussläufe. Das Projekt Lebendige Luppe möchte solche Relikte verbinden, wieder mit Wasser versorgen und eine wichtige Lebensader in der Aue wiederherstellen. Gemeinsam arbeiten die Städte Leipzig und Schkeuditz, die Universität Leipzig, das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ und der Naturschutzbund Deutschland, Landesverband Sachsen e.V. seit 2012 an der Revitalisierung ehemaliger Flussläufe im Auensystem zwischen Leipzig und Schkeuditz. Ziel ist die Anhebung des Grundwasserstandes und die Etablierung dynamischer Verhältnisse in Form von regelmäßigen, kleinen Überschwemmungen. Damit werden in der Landschaft Bedingungen geschaffen, die dem Ökosystem seine natürlichen Funktionen wiedergeben und Voraussetzung für die Struktur-, Lebensraum- und Artenvielfalt einer Aue sind. Die Realisierung des 1. Bauabschnitts ist bis 2022 vorgesehen.

Neben der Fließgewässerrevitalisierung wird im Projekt eine umfassende naturwissenschaftliche Begleitforschung betrieben. MitarbeiterInnen von Universität und Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ Leipzig haben im Projektgebiet 60 Dauerbeobachtungsflächen eingerichtet, auf denen die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten, die Baumartenzusammensetzung, der Boden sowie Grund- und Oberflächenwasser untersucht werden. Durch die Arbeiten im Feld konnte eine Dominanz bestimmter Arten, z.B. Spitzahorn und Bärlauch, als Folge der Austrocknung des Gebiets dokumentiert werden. Mit der Wiedervernässung durch die Lebendige Luppe ist die Prognose verbunden, dass die Vielfalt der Lebensräume, insbesondere die Ausbreitung feuchter Standorte, wieder zunimmt und feuchtigkeitsliebende Pflanzen wieder konkurrenzstärker werden. Die wissenschaftlichen Arbeiten werden über die Realisierung des Fließgewässers hinaus weitergeführt, um die Maßnahme bewerten und die Erkenntnisse auf andere Projekte übertragen zu können.

Maßgeblich für das Gelingen des Projekts ist auch die Kommunikation mit den Menschen vor Ort: Was ist das Ziel des Projekts Lebendige Luppe? Wie weit sind die konkreten Maßnahmen fortgeschritten? Warum ist die Erhaltung des Auwalds überhaupt so wichtig? Diese Fragen zu beantworten und mit verschiedenen Angeboten das Bewusstsein für den Wert der Natur und die Akzeptanz für Revitalisierungsvorhaben zu schaffen, ist die Aufgabe der Öffentlichkeits- und Umweltbildungsarbeit im Projekt. Mitarbeiterinnen des NABU Sachsen und des Instituts für Soziologie der Universität Leipzig vermitteln mit Exkursionen, Gesprächsrunden, Infoveranstaltungen und verschiedenen Publikationen und Lehrmaterialien projektrelevante Themen. So zeigt die Broschüre „Der Wert unseres Auwaldes“, welch vielfältige Ökosystemleistungen die Aue zwischen leipzig und Schkeuditz erbringt – für Mensch und Natur gleichermaßen, beispielsweise durch die Bereitstellung von Rohstoffen und den Beitrag zum Hochwasserschutz.

Die Lebendige Luppe erhält als erstes sächsisches Projekt eine Förderung im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt, das durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit realisiert wird. Gefördert wird es zudem durch den Naturschutzfonds der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt. Es ist ein Schlüsselprojekt des Grünen Rings Leipzig und des NABU Leipzig.

Weitere Informationen: www.Lebendige-Luppe.de

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Auwälder sind geprägt von einem Struktur- und Artenreichtum, der von kaum einer anderen Waldgesellschaft in Mitteleuropa erreicht wird. Der Leipziger und Schkeuditzer Auwald ist die größte zusammenhängende Fläche an Hartholzauwald in Sachsen. Sie beherbergt eine Vielzahl an Lebensraumtypen, wie großflächige Altbestände der Hartholzaue, Stieleichen-Hainbuchenwälder, Reste von Weichholzauen, wertvolle Stromtal-Auenwiesen, Frisch-, Feucht- und Nasswiesen sowie Fließ- und Stillgewässer. Auen zählen zu den produktivsten und artenreichsten, gleichzeitig aber auch zu den am meisten bedrohten Lebensräumen in der Kulturlandschaft Mitteleuropas. Mit der Revitalisierung ehemaliger Flussbetten wird ein wesentlicher Schritt für die Erhaltung und Sicherung der Auenlandschaft von Leipzig und Schkeuditz getan.

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Besuchen Sie uns

Kontaktbüro Lebendige Luppe

Michael-Kazmierczak-Str. 25
04157 Leipzig

Öffnungszeiten: Mo: 9 - 18 Uhr, Di - Do: 9 - 15 Uhr

Frau Maria Vitzthum

 

Weitere Infos

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), ausführende Projektpartner: Stadt Leipzig, Stadt Schkeuditz, NABU-Landesverband Sachsen e.V., Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Universität Leipzig
Leipzig

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