Mehr Biodiversität in der Zülpicher Börde!

Ziel des Projektes „Stabilisierung der Population wertgebender Arten in der Zülpicher Börde“ ist es, in einer der am intensivsten genutzten Agrarregionen Deutschlands dem Rückgang der Biodiversität durch die gezielte Beratung von Natur- und Artenschutzmaßnahmen auf landwirtschaftlichen Flächen entgegenzuwirken. Finanziert wird das Projekt durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und durch das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW. Die Landwirtschaftskammer NRW (LK NRW) setzt als Projektträgerin das Projekt gemeinsam mit der Biologischen Station im Kreis Düren e.V. (BS Düren) um. Im Ergebnis soll damit dem negativen Entwicklungstrend vieler Arten der offenen Feldflur entgegengewirkt werden.

Anlass für das Projekt

Die Artenvielfalt der Agrarlandschaften ist europaweit – und so auch in Deutschland – einem beispiellosen Rückgang unterworfen. Die Ursachen für die Verarmung der Arten in den Agrarlandschaften wie der Zülpicher Börde liegen neben der strukturellen Homogenisierung auch in einer Verschlechterung der Lebensraumqualität der landwirtschaftlich genutzten Flächen. Zwar versucht man über verschiedene Förderprogramme biodiversitätssteigernde Maßnahmen auf landwirtschaftlich genutzter Fläche umzusetzen, jedoch ist die Akzeptanz dieser Förderbausteine für den Naturschutz, insbesondere in den ertragsstarken Ackerbauregionen gering. Um diese Akzeptanz zu erhöhen, wurde im Rahmen des Projektes eine Biodiversitätsberatung ins Leben gerufen, deren Schwerpunkt auf der gezielten einzelbetrieblichen und flächenbezogenen Beratung von landwirtschaftlichen Betrieben beruht. Die Besonderheit des Beratungsangebotes liegt in der Verbindung des naturschutzfachlichen Know-Hows der Biologischen Stationen mit der beratungsfachlichen Expertise der LK NRW und dem Vertrauen der Landwirtinnen und Landwirte gegenüber der LK NRW.
Über Teile der Kreise Düren und Euskirchen sowie des Erftkreises erstreckt sich das Kerngebiet der Zülpicher Börde und bildet so bis 2020 den Beratungsradius für das Projekt. Durch die intensive Nutzung der Agrarlandschaft in dieser Region besteht eine hohe Dringlichkeit für biodiversitätsfördernde Maßnahmen in der Landwirtschaft. Dabei können Maßnahmen wie Blühstreifen oder der Ernteverzicht helfen. Gerade Tiere der offenen Feldflur profitieren von dem Nahrungsangebot im ganzen Jahr, besonders aber im Winter, was ihnen der Ernteverzicht eines Getreideschlages verspricht. Insekten werden von dem blühenden Pflanzenangebot der Blühstreifen angezogen und mit Nektar und Pollen versorgt und dienen wiederum Vögeln als Nahrungsquelle. Zusätzlich haben alle Maßnahmen einen vernetzenden Charakter und verbinden verschiedene Lebensräume und Ausbreitungsachsen unterschiedlicher Tier- und Pflanzenarten. Um den naturschutzfachlichen Erfolg des Projektes messen zu können, wird im Rahmen des Projektes neben der Beratung der Landwirtinnen und Landwirte auch ein Monitoring der Artenvielfalt durch die BS Düren durchgeführt.

Die Beratung

Seit dem 1. August 2016 besucht die LK NRW landwirtschaftliche Betriebe im Projetgebiet mit dem Ziel Bewirtschafter/innen für einen möglichst hohen Anteil an Streifen und Brachen zur Förderung der Artenvielfalt zu gewinnen. Ein wesentlicher Baustein hierbei sind Maßnahmen im Rahmen des Vertragsnaturschutzes. Hier gilt es, für die landwirtschaftlich genutzten Flächen gezielte Maßnahmen für die Offenlandarten zu finden und mit den Biologischen Stationen abzustimmen. Nach zwei Jahren ist es gelungen, durch die Beratung einen hohen Umfang an Vertragsnaturschutzmaßnahmen einzuwerben und an die Biologischen Stationen zur weiteren Antragsbearbeitung weiterzuleiten. Ein wesentliches Werkzeug hierfür ist ein Zielartenkonzept für verschiedene Vogelarten wie unter anderem die Feldlerche, die Grauammer oder das Rebhuhn. Das Zielartenkonzept, erstellt durch die BS Düren, bietet eine ideale Hilfestellung dafür, welche Maßnahmen auf welchen Flächen für die jeweiligen Arten hilfreich sind.
Die Besonderheit der Beratung liegt darin, dass die Erstberatung durch eine landwirtschaftliche Institution durchgeführt wird. Hier wird der Vertrauensvorsprung, welchen die LK NRW genießt, genutzt, um Landwirtinnen und Landwirten das Thema Biodiversität näher zu bringen. Die enge Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Naturschutz führte dazu, dass seit Beginn des Projekts circa 310 ha Maßnahmen im Projektgebiet umgesetzt wurden. 75 % davon wurden im Rahmen von zielgerichteten Maßnahmen im Vertragsnaturschutz angelegt. Für 2018 entspricht dies einem Drittel aller beantragten Vertragsnaturschutzmaßnahmen auf Acker in NRW. Dies ist ein eindeutiger Beweis dafür, dass dieser Beratungsansatz erfolgsversprechend ist. Um auch belastbar beurteilen zu können, wie erfolgreich die Förderung der Artenvielfalt durch die Umsetzung dieser Maßnahmen ist, wird jährlich im Projektgebiet kartiert.

Das Monitoring

Die BS Düren führt sowohl im Sommer als auch im Winter ein avifaunistisches Monitoring durch. Hierfür werden von April bis Juni alle Brutvogelarten in zehn 100 ha großen Quadraten aufgenommen. Das Wintermonitoring der Avifauna erfolgt von Oktober bis einschließlich März auf einer ca. 2.000 ha großen Fläche. Mit einem PKW werden die Wirtschaftswege in Schrittgeschwindigkeit abgefahren. Im März erfolgt zusätzlich in den zehn Quadraten eine Rebhuhn-Erfassung. Darüber hinaus findet ein Monitoring der Nahrungsverfügbarkeit für die Avifauna (Biomasse der Evertebraten) statt. Die Biomasseermittlung wird mit einem D-Vac Sampler (Insektenstaubsauger) und Barberfallen (Bodenfallen) auf konventionell bewirtschafteten Flächen und Vertragsnaturschutzflächen durchgeführt.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Um die biologische Vielfalt in der Landwirtschaft nachhaltig zu fördern, muss die Agrarbranche jetzt tätig werden. Hierzu wurden Förderprogramme, wie Agrarumweltmaßnahmen oder Vertragsnaturschutz, ins Leben gerufen, die Landwirtinnen und Landwirte mit dem Ziel der Biodiversitätsförderung und der finanziellen Unterstützung nutzen können. Auf Grund der Vielzahl der möglichen Maßnahmen, den komplizierten und vielseitigen Auflagen, sowie den hohen administrativen Anforderungen ist die Umsetzung jedoch nicht immer einfach. Zusätzlich macht die Anlage einer biodiversitätsfördernden Maßnahme nicht an jeder Stelle Sinn. Erst wenn sie an Artenvorkommen angepasst in der Landschaft angelegt wird, kann sie ihren vollen Nutzen entfalten. Um diese Herausforderung nutzbringend meistern zu können, haben Landwirtinnen und Landwirte in der Zülpicher Börde die Möglichkeit an einer einzelbetrieblichen Biodiversitätsberatung teilzunehmen. Durch ihren Einsatz können sie aktiv daran mitarbeiten, die biologische Vielfalt auf ihren Flächen zu erhöhen.


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Dokumente

LZ 39, 2016: Biodiversität: Noch viel Luft nach oben

Ksta 08.11.18: Erfolgreiche Unproduktivität

AZ 46, 2019: Grauammerbestand halbiert

Wochenspiegel 45, 2018: Schutz für die letzten Feldvögel

 

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