Sonderwettbewerb Soziale Natur

Biologische Vielfalt statt diskriminierende Einfalt

Die Gemeinschaftsgärten an Flüchtlingsunterkünften in Spandau und Buch entstanden etwas zeitversetzt 2015/2016 aus einer Projektinitiative von Teilnehmer*innen der Weiterbildungsangebote des ubb e.V., einmal an einer "Containerunterkunft" und das andere mal an einer Erstaufnahme-Unterkunft in einem festen Gebäude.
Gegärtnert wird auf einer Fläche von je ca. 400 qm, je nach Voraussetzungen in Kistenbeeten, Hochbeeten, Hügelbeeten, in Gewürzspiralen oder einfach ebenerdig. Das Projekt wendet sich an Bewohner*innen, Anwohner*innen und alle interssierten Gärtner*innen, die Freude daran haben miteinander zu gärtnern, einander kennen zu lernen und dabei eine grüne Oase aus vielfältigen Pflanzen in einer für die Flüchtlinge oft trostlosen Situation zu schaffen.

In 2 ganz unterschiedlichen Gärten an zwei so unterschiedlichen Flüchtlingsunterkünften besteht die große Gemeinsamkeit der Sehnsucht nach "Grün", nach Natur in ihrer "biologischer Vielfalt" und nach gemeinschaftlichen Arbeiten, Ernten, Feiern an der frischen Luft.
Es besteht die Möglichkeit, sich kennen zu lernen, voneinander zu lernen und kreativ zu sein.
Bisher ist es gelungen, die Projekte mit Ehrenamtlichen, Besuchern, Bundesfreiwilligen und Praktikanten aufrechtzuerhalten. In diesem Jahr erhalten wir zusätzlich Verstärkung durch eine Bundeskanzler-Stipendiatin aus den USA, die sich brennend für unsere Gemeinschaftsgärten im Kontext von Integration interessiert. Auch mehrere Studenten aus ganz Europa haben sich schon innerhalb ihrer Diplomarbeiten u.a.mit unseren Gärten an Flüchtlingsunterkünften beschäftigt. Unser Projekt ist mit anderen Berliner Gemeinschaftsgärten lose vernetzt. Die Gärten stehen allen Interessierten offen.
In den Gärten ist biologische Vielfalt erwünscht.
Unerwünscht sind Pestizide, Herbizide und künstliche Dünger, auch auf andere menschen- und naturfreundliche Aspekte des Gärtnerns wird Wert gelegt: alte samenfeste Sorten, bienenfreundliche Pflanzen, nichts Giftiges.
Schwierigkeiten gab es zunächst damit, die Vorzüge eines Selbstversorger-Beetes zu vermitteln, Interessierte längerfristig zu motivieren und sehr junge Gärtner*innen darauf hinzuweisen, dass Tunnel und Burgen im Sandkasten viel besser gelingen als im Beet. Im Lauf der ersten Saison stellte sich heraus, dass lieber in größeren Gruppen gearbeitet wird: eine Kindergruppe bearbeitete mehrere Kisten, andere wurden von zum Teil stark fluktuierdenden Gruppen bewirtschaftet. Letzteres war dem steten Wechsel der Belegschaft der Unterkunft geschuldet: einige Menschen vom "Balkan" mussten ausreisen, neue Bewohner*innen z.B. aus Syrien, Irak oder Lybien zogen ein. Eine ältere, sehr Garten-erfahrene Bewohnerin behielt die Übersicht im Garten und bekam in dieser Funktion eine Arbeitsgelegenheit eingerichtet. Nach der Arbeit gab es oftmals Einladungen von den Bewohnern zum Kaffee- und Teetrinken und zum Gespräch.
So wollen wir im Frühjahr wieder voller Elan in eine neue Gartensaison starten. Die Fensterbretter füllen sich mit vorgezogenen Gemüsepflanzen, überall werden Patenschaften für die winzigen zarten Jungpflanzen übernommen, die dann den Weg in die Gärten finden werden, so vielfältig wie möglich.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Die Unterkunft in Buch wurde auf einem ehemaligen Trinkwasserschutzgebiet errichtet, 44 geschützte Bäume wurden gefällt. Viele Bürger*innen empörten sich darüber, verloren sie zudem ein Naherholungsgebiet und fühlten sich bei der Entscheidungsfindung übergangen. Hinzu kamen massive Vorbehalte gegen die Flüchtlingsunterkunft.
Der Garten könnte evtl. einen kleinen Ausgleich bieten und zum Kennenlernen einladen.
Zudem versuchen wir ökologisch sinnvoll zu gärtnern: alte Sorten; Bienen- und Insekten-freundliche Pflanzen; keine Hybriden; torffreie Erde; keine Pestizide, Herbizide oder chemische Düngemittel... Wir versuchen einander für diese Themen zu sensibilisieren - auch über den Garten hinausgehend und sind im Austausch mit Vereinen und Initiativen vor Ort und bundesweit. Ein Kleingarten-Verband ("Gartenfreunde Pankow") stellt uns Pflanzen aus Schrebergärten zur Verfügung, die kommunalen Bauprojekten weichen mussten.
Biologische Vielfalt ist in kleinsten Nischen möglich und bietet immer die Möglichkeit ein winziges Stück Schöpfung zu bewahren.
Ein kleiner Junge hatte vor dem Einpflanzen eine zarte Tomatenjungpflanze mit Wurzelballen auf seiner Hand und sagte mir: "Sieh mal, ich habe die ganze Welt in meiner Hand".


Bild 1
Bild 2

Dokumente

GartenprojekteFlyer 2016.pdf

flyer_Gartenprojekte.pdf

GartenPlakat.pdf

 

Besuchen Sie uns

AWO Refugium Buch, AWO Refugium Spandau

Großkurthstrasse 29
13125 Berlin

Öffnungszeiten: Nach Vereinbarung

Frau Ilona Winter
Tel.:030 421 37 00
info@ubb.de
http://www.ubb.de

 

Weitere Infos

Umweltbüro für Berlin-Brandenburg ubb e.V.
Berlin

Aktuelles, Projekte und Termine in unserem Newsletter
*Pflichtfeld