ArnikaHessen

Ein gelbes Blütenmeer und ein Mittel gegen allerlei Wehwehchen – die Heilpflanze Arnika war früher in vielen Gegenden Deutschlands weit verbreitet. In den letzten Jahrzehnten sind jedoch die Bestände sowohl in Hessen als auch in ganz Deutschland drastisch zurückgegangen. Die letzten Reste der ehemals großen Bestände sind mittlerweile streng geschützt – und nehmen trotzdem weiterhin ab. Über Gefährdungsursachen und geeignete Schutzmaßnahmen ist bislang allerdings zu wenig bekannt. ArnikaHessen verknüpft die Erforschung der Rückgangsursachen und der optimalen Bewirtschaftung ihrer Lebensräume direkt mit der praktischen Flächenpflege und macht die aktuellen Forschungsergebnisse durch einen Praxisleitfaden allgemein zugänglich. Intensive Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung haben dabei einen hohen Stellenwert und fördern ein Bewusstsein für den Wert von Arnika, ihrer Lebensräume und der biologischen Vielfalt.

Seit 2014 arbeiten im Verbundprojekt ArnikaHessen WissenschaftlerInnen des Botanischen Gartens in Marburg, der Arbeitsgruppe Pflanzenökologie und Naturschutz der Hochschule Geisenheim und der Arbeitsgruppe Naturschutzbiologie der Universität Marburg zusammen. Das gemeinsame Anliegen ist die langfristige Erholung der Arnikabestände und ihrer Begleitvegetation durch praxisbezogene Forschung. Hierfür wird ein Managementkonzept in Form eines Praxisleitfadens entstehen, welches von der Modellregion Hessen auf andere Gebiete Deutschlands übertragen werden kann. Bei alledem bezieht ArnikaHessen Menschen vor Ort mit ein, um auch nach Projektende, also nach dem Jahr 2020, die Pflege und den Schutz der Arnika-Bestände und ihrer Lebensräume nachhaltig und eigenverantwortlich zu sichern.

Um ein umfassendes Bild zur aktuellen Situation von Arnika zu erlangen, werden im Projekt verschiedene Aspekte beleuchtet:

- Warum ist die Art im Rückgang begriffen? Die Gefährdungsursachen in den Lebensräumen werden untersucht und auch die genetischen Prozesse in den Arnikapopulationen unter die Lupe genommen.

- Wie müssen Flächen mit Arnika bewirtschaftet werden? Ein Nutzungsexperiment im Freiland gibt Aufschluss über optimale Pflegevarianten.

- Mit Hilfe von Erhaltungskulturen, die aus den Samen untersuchter Arnikabestände herangezogen werden, werden durch Wiederausbringung der Arnikapflanzen sehr stark gefährdete Arnikapopulationen in Hessen gestützt.

- Ein Monitoring begleitet die Entwicklung ausgewählter Arnikabestände und evaluiert die Wirksamkeit der Pflegemaßnahmen, welche aus der Forschung heraus auf weiteren Flächen während der Projektlaufzeit übertragen und umgesetzt werden. Die Untersuchungen beschränken sich hierbei auf Tieflandbestände (unter 500 m ü. NN), da diese besonders gefährdet sind.

Hervorzuheben ist, dass die Forschungsaktivitäten extrem eng mit der Umsetzung der Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen verzahnt sind und somit direkt wertvolle, anwendbare Erkenntnisse liefern.

Damit das Projekt nachhaltige Effekte zeigen kann und da es neben Artenschutz immer auch um den ganzheitlichen Schutz von Lebensräumen geht, sind Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung wesentliche Projektbausteine. Am Beispiel der populären Arzneipflanze und ihrer wertvollen bedrohten Lebensräume, wird die Bedeutung von Biodiversität einem möglichst großen Spektrum an Menschen nahegebracht. Mit Hilfe von Informationsveranstaltungen, einer Ausstellung im Botanischen Garten und Exkursionen in den Projektgebieten werden insbesondere Menschen älterer Zielgruppen, die zum Teil bereits im Naturschutz tätig sind, angesprochen. Darüber hinaus werden durch diese Angebote sowie durch einen Internetauftritt mit Projekttagebuch und regelmäßige Newsletter Akteure des beruflichen Naturschutzes erreicht, so dass das Projekt im ehrenamtlichen und amtlichen hessischen Naturschutz aktuell einen sehr hohen Bekanntheitsgrad aufweist. Aktionen bei regionalen Veranstaltungen und Projekte ermöglichen es Kindergartenkinder und Schüler für das Thema Biodiversität spielerisch zu aktivieren und zu sensibilisieren. Eine Fachtagung zu „Forschung und Praxis von Schutzkonzepten für Arnica montana“ an der Hochschule Geisenheim förderte den Austausch mit einem wissenschaftlichen Fachpublikum. Bevölkerungsgruppen, die bisher weniger mit biologischer Vielfalt in Berührung kamen, rücken momentan stärker in den Fokus von ArnikaHessen. Beispiele hierfür sind der Ideenwettbewerb „WUNDERwerke – Kunst trifft biologische Vielfalt“ aus dem ein Kunstpfad im Botanischen Garten in Marburg entstehen soll. Für Jugendliche und junge Erwachsene ist der verstärkte Einsatz von Social-Media geplant, um die für diese Zielgruppe wichtigen Medien in die Öffentlichkeitsarbeit des Naturschutzes einzubeziehen. Darüber hinaus sollen diese Zielgruppen über Multiplikatoren wie LehrerInnen angesprochen werden.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

ArnikaHessen schützt die genetische Vielfalt der Arnikabestände sowie ihre Lebensräume und greift so verschiedene Ebenen der biologischen Vielfalt auf. Auch für die gesellschaftspolitische Relevanz der biologischen Vielfalt ist Arnika eine Stellvertreterin: Ihr Rückgang steht für den Verlust der vom Menschen nutzbaren Werte, die mit dem Schwund der biologischen Vielfalt einhergehen. Früher konnte jeder Mensch Blüten für heilsame Arnikatinktur sammeln. Heutzutage ist die Art in Deutschland so selten, dass sie unter Schutz steht. Da ihr Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland liegt, hat Deutschland sogar eine besondere Verantwortung für ihren Erhalt.

Durch den Schutz von Arnika werden auch ihre Lebensräume geschützt: Borstgrasrasen, Heiden und Bergwiesen, die Lebensraum für viele seltene Tiere und Pflanzen darstellen. Als charismatische Art mit leuchtend gelben Blüten weist sie auch auf den ästhetischen Wert bunter Landschaften und ihren Erholungswert für den Menschen. Durch eine ausgedehnte Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung fördert ArnikaHessen das Bewusstsein für den Wert von Arnika, ihren Lebensräumen und der biologischen Vielfalt bei Kindern und Erwachsenen!

Das Verbundprojekt wird im Rahmen der gemeinsamen Förderinitiative von Bundesumweltministerium (BMUB) und Bundesforschungsministerium (BMBF) „Forschung zur Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie“ (F&U NBS) und im BMUB durch das Bundesprogramm Biologische Vielfalt gemeinsam gefördert.


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Dokumente

ArnikaHessen - Das Projekt

ArnikaBlatt Winter 2015

ArnikaBlatt Sommer 2016

ArnikaBlatt Winter 2016/2017

ArnikaBlatt Sommer 2017

ArnikaBlatt Winter 2017/2018

 

Besuchen Sie uns

Projektausstellung im Info-Pavillon des Botanischen Gartens der Philipps-Universität Marburg

Karl-von-Frisch-Straße 6
35032 Marburg

Öffnungszeiten: Der Botanische Garten ist an allen Wochen- und Feiertagen geöffnet! Im Sommer (1. April bis 31. Oktober) von 9.00 – 18.00 Uhr und im Winter (1. November bis 31. März) von 9.00 – 16.00 Uhr.

Herr Dr Andreas Titze
Tel.:(+49) 6421 953391
info@arnikahessen.de
http://www.arnikahessen.de

 

Weitere Infos

Botanischer Garten der Philipps-Universität Marburg (Koordination und Umsetzung) mit der AG Pflanzenökologie der Hochschule Geisenheim (Forschung) und der AG Naturschutzbiologie der Philipps-Universität Marburg (Forschung)
Marburg

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