Sonderwettbewerb Soziale Natur

Natürlich Interkulturell

Menschen mit Fluchthintergrund sollen in den Prozess der Kulturlandschaftsentwicklung aktiv mit einbezogen werden, um am Leben in der Gesellschaft teilzuhaben, um Fähigkeiten zu fördern und für einen ersten Schritt auf dem Weg in den Arbeitsmarkt. Die Landschaft soll für sie erlebbar gemacht werden.


„Natürlich Interkulturell“ – Pflege und Nutzung von Streuobstbeständen durch Flüchtlinge. Ein Projekt, das innovativ Flüchtlings-Sozialarbeit mit Naturschutz und Streuobstbau verbindet.

Ausgangssituation unserer Projektkonzipierung war, dass viele Flüchtlinge bei uns in Deutschland mit existenziellen Sorgen leben, die „erzwungene“ Untätigkeit stellt für sie eine zusätzliche Belastung dar. Die Menschen bringen doch vielfältige Erfahrungen und Kenntnisse mit, auch aus den Bereichen der Landwirtschaft. Sie können diese aber selten, aufgrund fehlender beruflicher Anerkennungen und mangelnder Sprache, nutzen. Eine Qualifizierung in der Streuobstpflege bietet die Möglichkeit, sich mit Kenntnissen und Erfahrungen aus dem Heimatland in die hiesige Gesellschaft einzubringen, ohne große Sprachkenntnisse und Zertifikate vorzuweisen. Wir beabsichtigten mit unserem Projekt, die Teilhabe von Flüchtlingen zu stärken, indem wir Möglichkeiten für die Menschen anbieten wollten, sich mit den eigenen und zusätzlichen Erfahrungen und Kenntnissen in die Pflege von Streuobstwiesen einzubringen.

Mit dem Projektbeginn 2013 wurde ein neuer Weg beschritten, Streuobstwiesen unter Naturschutzaspekten gemeinsam mit geflüchteten Menschen zu pflegen und wieder dauerhaft zu nutzen. Durch Maßnahmen zur Sensibilisierung sollten die Teilnehmer in die Lage versetzt werden, Streuobstbestände mit Pflegerückständen fachgerecht zu pflegen und zu erhalten.
Das von PLENUM (Projekt des Landes zur Erhaltung und Entwicklung von Natur und Umwelt) im Landkreis Tübingen und der Landesbank Baden-Württemberg geförderte Projekt hatte das Ziel, Flüchtlinge in den Naturschutz und in den Prozess der Kulturlandschaftsentwicklung durch Streuobstpflege und -nutzung aktiv einzubinden.

Es wurde zunächst eine fachliche Qualifizierung für Flüchtlinge und freiwillig Engagierte entwickelt und durchgeführt, in Kooperation mit dem Kreisobstbauberater des Landkreises, weiteren Praktikern aus den Bereichen Streuobstbau, Landschaftsbau und Naturschutz sowie betreuenden und koordinierenden Mitarbeitern des Asylzentrum Tübingen e.V. Mitmachen konnten vorrangig Flüchtlinge, die bereits über einige Deutschkenntnisse verfügten und in ihrer Heimat eine ähnliche Tätigkeit z. B. in der Landwirtschaft oder im Gartenbau ausgeübt haben oder sich gerne in der Natur betätigen. Wesentliche Bestandteile der Vermittlung von Wissen und Erfahrungen zur Pflege von Streuobstbeständen mit Pflegerückständen waren Baumschnitt, Grünlandnutzung, Obsternte und -verarbeitung. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen lernten den Umgang mit den benötigten Werkzeugen und Maschinen, einige Männer absolvierten zusätzlich einen Motorsägen-Kurs. Flüchtlinge konnten sich in Theorie und Praxis qualifizieren, Erfahrungen sammeln und sich somit gleichzeitig einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt schaffen. Auf teilweise bestehende Fähigkeiten der Flüchtlinge in der Landwirtschaft und im Umgang mit Maschinen konnte aufgebaut werden. Zudem hatten alle Beteiligten viel Freude am gemeinsamen Tun, Vorurteile und Grenzen wurden abgebaut, dafür wurden Freundschaften aufgebaut. Ein Teilnehmer hatte Erfahrung in der Olivenernte, ein anderer hatte mit seiner Familie Kichererbsen im Heimatland angebaut, eine Frau berichtete von ihren Kenntnissen über Mangobäume. Neue Erkenntnisse und Fähigkeiten im Streuobstbau im schwäbischen Albvorland ergänzten nun die mitgebrachten Kenntnisse. So entstand ein Austausch darüber, wie sich die Obst- und Gemüse-Kulturen in den verschiedenen Ländern unterscheiden. Die örtliche Mosterei, ein Familienbetrieb, beschäftigte beispielsweise einen interessierten Teilnehmer während der Erntesaison. Die Vermittlung der Theorie zur Vorbereitung für die Ausbildung „Fachwart für Obst und Garten“, welche für die Teilnehmer geplant war, stellte sich als schwierig heraus. Die Anforderungen der Fachsprache, insbesondere für die Prüfung, waren für die Teilnehmer zu hoch. Eine Mitarbeiterin des Asylzentrums und eine ehrenamtlich Projektbeteiligte absolvierten die Ausbildung und wirken als Multiplikatoren bei aktuellen und zukünftigen Aktionen.
Die Beschäftigung in der Natur wird als Möglichkeit gesehen, dass Flüchtlinge sich sinnvoll betätigen können. Die teilnehmenden Flüchtlinge lernen das Aufnahmeland und die Region mit ihrer speziellen durch extensiv genutzte Streuobstwiesen geprägten Kulturlandschaft und die nutzenden Bewohner besser kennen. Daraus ergibt sich die Chance, sich mit der neuen Umgebung zu verwurzeln.

Unsere Streuobstwiese wird weiterhin bewirtschaftet, in Kooperation mit der Stadt Mössingen, der Grüngruppe der Körperbehindertenförderung Mössingen, und dem OGV. Wir planen Schnitte, Ernte und Mostaktionen, Verarbeitung des Obstes, Baumpflanz- und Schnittaktionen, Bau von Nisthilfen, sowie weitere Exkursionen, u.a. mit den Flüchtlingskindern, die einen eigenen Baum auf unserer Streuobstwiese haben.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Ziel des Projektes ist es, Streuobstbestände mit Pflegerückständen mit Maßnahmen wie Baumschnitt, Grünlandnutzung, Obstbaum-Neupflanzung, Obsternte und Verarbeitung wieder einer Nutzung zuzuführen und sie dadurch möglichst dauerhaft zu erhalten. Aspekte des Naturschutzes sollen bei den Maßnahmen mit einbezogen werden.


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Landkreis Tübingen, Mössingen-Auchtert Belsen

Neckathalde 40
72070 Tübingen

Öffnungszeiten: Mo 9-12, Di 14-19, Do 9-12, 16-19

Frau Angela Zaschka
Tel.:07071 44115
a.zaschka@asylzentrum-tuebingen.de
http://www.asylzentrum-tuebingen.de

 

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Tübingen

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