Sonderwettbewerb Soziale Natur

Ungehindert engagiert

Die Projektinitiative „Ungehindert engagiert“ in den Nationalen Naturlandschaften unterstützt das freiwillige Naturschutz-Engagement von Menschen mit – insbesondere kognitiven – Beeinträchtigungen. Begleitend zu ihrem ehrenamtlichen Engagement erhalten sie barrierefreie Zugänglichkeit zu Informationen über Natur- und Naturschutzthemen in Leichter Sprache. Im Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung wird allen bewusst: Jede*r hat Kenntnisse und Fähigkeiten, jede*r hat das Recht und die Kompetenz, zum Schutz der biologischen Vielfalt beizutragen.

„Ungehindert engagiert“ in den Nationalen Naturlandschaften unterstützt vor allem das freiwillige Naturschutz-Engagement von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen. Die zentrale Botschaft dabei lautet: „Jeder kann sich engagieren“. Kann meint Können. Jeder, der sich engagieren möchte, kann das auch – sofern Barrieren nicht daran hindern. In der Mehrheitsgesellschaft wird diese Aussage nicht ernst genug genommen. So werden in der breiten Öffentlichkeit z. B. die Fähigkeiten und Stärken von Menschen mit so genannter geistiger Behinderung oft unterschätzt, mitunter sogar negiert. Im Ergebnis solcher Abwertungen haben viele Menschen mit kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen wenig Selbstvertrauen. Doch kann Selbstvertrauen ja wachsen. Das Projekt unterstützt Menschen mit Beeinträchtigungen auf dem Weg zu mehr Selbstsicherheit und Stolz auf sich selbst als ‚fähiges‘¬ Mitglied der Gesellschaft. Denn das gelingt besonders gut, wenn Menschen mit und ohne Behinderung – z. B. aufgrund gemeinsamer Naturliebe – miteinander aktiv sind. In Biosphärenreservaten, Nationalparks und Naturparks in Deutschland – den Nationalen Naturlandschaften (NNL) – engagieren sich jährlich Tausende für den Naturschutz. Hier, im Rahmen des Freiwilligenprogramms “Ehrensache Natur – Freiwillige in Parks“, setzt der Dachverband der NNL, EUROPARC Deutschland e.V., als Projektträger und -initiator an: Indem wichtige Schritte getan werden, um dem langfristigen Ziel einer inklusiven Gesellschaft näher zu kommen, können gleichzeitig Menschen für den Schutz der biologischen Vielfalt gewonnen werden, die bislang kaum im Fokus der Ansprache standen.

Vor zehn Jahren der Beginn
Bereits 2009 begann EUROPARC Deutschland mit der Bundesvereinigung Lebenshilfe zusammenzuarbeiten. Gemeinsam wurde beraten, was es braucht, um freiwilliges Engagement unabhängig von körperlichen oder geistigen Voraussetzungen zu ermöglichen. Gemeinsam wurden Rahmenbedingungen geschaffen, damit sich insbesondere kognitiv beeinträchtigte Menschen in und für die Natur engagieren können. Gemeinsam ist es gelungen, vor-Ort-Partner in Schutzgebietsverwaltungen einerseits und sozialen Einrichtungen der örtlichen Lebenshilfen andererseits für diese Idee zu begeistern. An einem ersten Aktionstag beteiligten sich bundesweit neun vor-Ort-Partnerschaften, wenige Jahre später hatte sich diese Zahl verdoppelt. In mehr als 20 NNL haben innerhalb der zehn Jahre mehr als 200 Freiwillige mit Behinderungen eindrucksvoll gezeigt, was in ihnen steckt. Ausnahmslos wurde und wird von positivem Gemeinschaftserleben berichtet. Die Dachorganisationen begleiten dies mit Öffentlichkeitsarbeit und Anerkennungskultur.

Vor fünf Jahren dann die Leichte Sprache
Immer wieder auch wurden Ergebnisse evaluiert und über weiteren Bedarf beraten. So entstand das noch heute aktuelle Konzept, das 2014 den Namen „Ungehindert engagiert“ und eine Website erhielt. Vor allem das komplexe Verstehen von Zusammenhängen im Naturschutz ist eine ernst zu nehmende BARRIERE für viele kognitiv behinderte Menschen. Sie möchten dafür nicht stigmatisiert, sondern als Menschen mit Lernschwierigkeiten verstanden werden. Also entwickelten wir – gemeinsam mit Expert*innen ‚in eigener Sache‘ – Bildungsmaterialien über Natur- und Naturschutzthemen in Leichter Sprache. Mit zunehmender Erfahrung und zunehmendem Erfolg der Materialien gelang es, weitere Partner und Förderer für eine Fortführung dieses Weges zu finden.

Wie wird es in fünf Jahren sein?
Neben neuen Themen in Leichter Sprache – der Bedarf ist und bleibt groß – wird ein anderer Aspekt zunehmend wichtiger: Der Weg zu mehr Inklusion gestaltet sich zäh. Nicht selten entsteht der Eindruck, dass gesellschaftliche Entwicklungen stocken. Vor allem hauptamtlich Verantwortliche könnten durch ihre Arbeit Rahmenbedingungen so gestalten, dass mehr Inklusion möglich wird, doch der Teilhabe-Gedanke findet noch zu selten Berücksichtigung. Das liegt vielleicht nur daran, dass Entscheider*innen es (noch) nicht besser wissen, oder dass es an relevanten Orientierungspunkten im allzu komplexen Themenfeld fehlt. Deshalb legt das Projekt den Fokus auch darauf, Fortbildungen in NNL anzubieten, die das Verständnis für und den Umgang mit behinderten Menschen erleichtern. Mehr noch: Sogar über die Zielgruppe der Menschen mit geistiger Behinderung hinaus lässt sich an vielen guten Beispielen aufzeigen, dass der Naturschutz auch eine soziale Dimension hat. Dafür wird es interne und externe Kommunikationsmaßnahmen geben.

Langen Atem braucht’s. Den haben wir. Stück für Stück geht es voran – Ideen gibt‘s genug. Eine der neuen Ideen, für die wir auch in Zukunft Förderer und neue Partner gewinnen wollen: Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen können nicht nur mit anpacken beim Schutz der biologischen Vielfalt – sie könnten ihr Wissen auch weitergeben, andere anstecken mit ihrer Begeisterung. Viele trauen sich das noch nicht zu. Doch es gibt viel Potential...

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Eine Vielzahl an gefährdeten Lebensräumen, Tier- und Pflanzenarten kann durch menschlichen Einsatz, insbesondere durch Mithilfe zahlreicher Freiwilliger, geschützt werden. Interessierte Menschen, auch wenn sie kognitive Beeinträchtigungen haben, sind sehr gut in der Lage mitzuhelfen. Ihre Begeisterung kann sehr ansteckend sein:. Damit werden sie auch zu Multiplikator*innen und Botschafter*innen für die biologische Vielfalt.

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Frau Kerstin Emonds
Tel.:(030) 288 788 2-14
kerstin.emonds@europarc-deutschland.de
http://www.ungehindert-engagiert.de

 

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