Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge

Schmetterlinge entwickeln sich vom Ei, über mehrere Larvenstadien und die Puppe zum Falter. Sie sind also auch in unserer Natur, wenn wir keine Falter fliegen sehen. Viele Arten leben auf Wiesen, wo die Larven an Pflanzen fressen und die Falter an Blüten Nektar saugen. Die Schmetterlinge können dort aber nur überleben, wenn bei jedem Mahdtermin ein Teil der Fläche ungemäht verbleibt, so dass sich dort ein Teil der Insektenpopulationen weiter entwickeln und von hier aus später die gemähten Bereiche wieder besiedeln kann. „Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge“ ruft dazu auf, Wiesen in Städten und Dörfern nicht mehr so oft und bei jedem Mahdtermin nur zum Teil zu mähen, damit sie zu Lebensräumen für Tagfalter und damit auch für Bienen und Heuschrecken werden. Jeder kann mitmachen!

Insekten sind in unserer Natur seit Jahrzehnten kontinuierlich seltener geworden. Unter den wichtigsten Bestäuberinsekten sind laut Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands 32% der Schwebfliegen-, 42% der Tagfalter- und 48% der Bienenarten ausgestorben oder bestandsgefährdet. Als Ursachen sind u.a. der Verlust von Lebensräumen, der Einsatz von Pestiziden und die intensive maschinelle Nutzung der Landschaft zu nennen. Letzter Punkt betrifft vor allem das Mahdregime auf Wiesen als auch im öffentlichen Grün von Städten und Dörfern, wo der Vierzentimeterrasen bei sechs Zentimetern Halmlänge wieder gemäht wird und somit über 10 Mahdtermine im Jahr auf einer Fläche realisiert werden. Der Wunsch nach Blühflächen, sei es aus ästhetischen Erwägungen oder um sie als Bienentracht zu nutzten, hat in vielen Orten bereits dazu geführt, dass „das Gras wieder höher wachsen darf“ und nur ein bis drei Mahdtermine pro Jahr realisiert werden, zumal auf diese Weise viel Geld für die Flächenpflege gespart werden kann. Diese reduzierte Sichtweise führt jedoch nicht notwendigerweise dazu, dass sich auf solchen Flächen eine Vielfalt von Insektenarten einstellt. Im Gegenteil, mit der zum Einsatz kommende Kahlschlagmahd verlieren die meisten Insekten auf einen Schlag ihre Lebensgrundlage. Wachsen die Pflanzen anschließend wieder und blühen, findet man deshalb nur noch wenige oder gar keine Insekten auf den Flächen.
Im Rahmen des im Jahr 2015 begonnenen Projektes "Puppenstuben gesucht – Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge“ wird anhand von Beispielarten die Entwicklung von Tagfaltern im Jahresverlauf vermittelt und deutlich gemacht, dass diese auch dann einen Lebensraum benötigen, wenn wir keine Falter fliegen sehen, weil sich Eier, Larven und Puppen versteckt an den Pflanzen entwickeln. Daraus leitet sich ab, dass bei jedem Mahdtermin ein Teil der Wiese nicht gemäht wird, um darauf stets einen Teil der Insektenpopulationen zu erhalten. Dies gilt auch für die letzte Mahd im Jahr, um die Überwinterung der Insekten zu ermöglichen. So gemähte Flächen können von Schmetterlingsarten, die in der Umgebung noch vorhanden sind, besiedelt werden, weil die Falter auf der Suche nach Nektar- und Eiablagepflanzen im Flug auch größere Strecken zurücklegen.
Mit den bislang gesammelten Erfahrungen ist zu empfehlen, eine Wiese jeweils nur auf 70 bis maximal 90% der Fläche zu mähen und je nach Nährstoffversorgung ein bis drei Mahdtermine im Jahr zu realisieren. Eine Erhöhung der Pflanzenvielfalt als Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl von Insektenarten kann zudem durch die Ausbringung von gebietseigenem Saatgut erreicht werden. Im Rahmen des Projektes gibt es bereits über 170 registrierte Schmetterlingswiesen in Sachsen und wir gehen davon aus, dass diese auch anderen Insekten wie Heuschrecken und Wildbienen zugutekommen.
Mehr Informationen über das Projekt gibt es unter www.schmetterlingswiesen.de. Dort gibt es viele Tipps zur Wiesenpflege, Wissenswertes über Tagfalter und ihre Nahrungspflanzen, und die Wiesenpfleger schreiben in ihren Blogs, welche Erfahrungen sie bei der Wiesenpflege gemacht haben. Wer eine Schmetterlingswiese pflegt kann sich auf der Homepage ein Schmetterlingswiesenschild bestellen und wer wissen möchte, welche Tagfalterarten auf seiner Wiese fliegen, kann sich kostenlos eine App auf sein Smartphone laden, um die Arten interaktiv zu bestimmen und die Beobachtungen mitzuteilen.
„Puppenstuben gesucht – Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge“ ist ein Kooperationsprojekt der Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt, Naturschutzfonds, dem Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden, dem Naturschutzbund Deutschland (NABU), Landesverband Sachsen e. V., dem Deutscher Verband für Landschaftspflege (DVL), Landesverband Sachsen e. V. und dem Landschaftspflegeverband Torgau-Oschatz e. V. Das Projekt wird unterstützt aus Zweckerträgen der Lotterie Glücksspirale. Die Kooperationspartner haben die Aufgabe, das Projekt sachsenweit bekannt zu machen und anhand von Beispielflächen beratend tätig zu sein. Das Gros der Schmetterlingswiesen wird von Privatpersonen, Kindergärten, Schulen, Wohnungsgenossenschaften, Krankenhäusern, Kommunen, Unternehmen und dem Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement bewirtschaftet.
Die Förderung der Artenvielfalt ist für viele, die sich am Projekt beteiligen, nicht die einzige Motivation. Die Verschönerung des Wohnumfeldes, die Schaffung einer erlebnisreichen Umwelt, die körperliche Betätigung bei der Mahd mit der Sense und der Heuernte sowie das gemeinsame Mitmachen und Erleben stehen bei vielen Aktionen im Rahmen des Projektes im Mittelpunkt.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Wird auf einer Wiese die Anzahl der Mahdtermine pro Jahr reduziert und bei jeder Mahd ein Teil der Fläche ungemäht belassen, erhalten Tagfalter und andere Insekten Raum und Zeit, sich auf dieser Fläche anzusiedeln und zu entwickeln. Auf diese Weise kann die Artenvielfalt von Tagfaltern, Heuschrecken und Wildbienen auf Offenflächen im öffentlichen Grün wie auch auf Wiesen in der Agrarlandschaft erhöht werden. Mit insektenreichen Wiesen werden indirekt auch Vögel gefördert, denn viele Singvogelarten benötigen für die Aufzucht der Küken Insekten und bodenbrütende Vogelarten profitieren von der partiellen Mahd.


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Dokumente

Faltblatt_Schmetterlingswiesen

Projektbroschüre ´Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge´

Flyer mit aktuellen Informationen aus dem November 2017

 

Besuchen Sie uns

Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden

Königsbrücker Landstr. 159
01109 Dresden

Öffnungszeiten: 10-16 Uhr

Herr Dr Matthias Nuß
Tel.:03517958414337
matthias.nuss@senckenberg.de
http://www.senckenberg.de

 

Weitere Infos

Sächsische Landesstiftung für Natur und Umwelt
Dresden

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