Lebensader Oberrhein

Die Vielfalt an trockenen und feuchten Lebensräumen ist charakteristisch für den nördlichen Oberrhein. In dem 2.200 Quadratkilometer großen Ballungsraum finden sich ungewöhnlich viele Naturschätze. Feuchtwiesen, Auwälder, Altarme, Stromtalwiesen und Niederungsgebiete charakterisieren die feuchten Lebensräume. Deiche, Sandrasen und Binnendünen sind prägende Trockenlebensräume. Die Bedrohung dieser Lebensräume durch Siedlungs- und Verkehrsflächen, Erholungsnutzung und intensive Landwirtschaft ist allgegenwärtig. NABU RLP und BaWü haben sich zur Aufgabe gemacht, für den Schutz der biologischen Vielfalt am Oberrhein einzutreten. In einem umfassenden Gesamtkonzept wird die Naturschutzsituation analysiert. Darauf aufbauend werden modellhafte Naturschutzmaßnahmen ergriffen. Sie dienen der Förderung seltener Arten und Lebensräume. Gleichzeitig sollen sie anderen Akteuren am Oberrhein als Modellvorhaben dienen.

Zahlreiche Feuchtgebiete wurden angelegt. Als neue Kinderstuben von Laubfrosch, Knoblauchkröte und Moorfrosch helfen sie den Rückgang dieser Arten zu verringern. Monotone Kiefernforste werden unter Regie des NABU zu Sandrasen und offenen Binnendünen umgewandelt. Pflanzenarten wie die Graue Skabiose oder das Haar-Federgras können sich wieder ausbreiten. Verschwundene Vogelarten wie die Heidelerche werden wieder nachgewiesen. Seltenheiten wie der Schlammpeitzger und die Sumpfschildkröte stehen im Fokus besonderer Maßnahmen. Grabentaschen und Reaktivierung trockener Gräben helfen dem Schlammpeitzger. Zusammen mit dem Sea Life Speyer setzt sich der NABU für die Wiederansiedlung der Europäischen Sumpfschildkröte ein. Geeignete Lebensräume wurden geprüft. Nach vier Jahren Aufzucht sollen die ersten Tiere in die Freiheit entlassen werden. Die Wiederherstellung artenreicher Grünlandgesellschaften auf trockenen und feuchten Standorten ist ein weiterer Projektbestandteil. Ergänzend zur Mahd- und Rechgutübertragung werden besondere Pflanzenarten in einer Vermehrungsstation für seltene Pflanzen vermehrt. In enger Kooperation mit botanischen Gärten der Region und unter Beteiligung von Schulklassen und Freiwilligen konnten fast 10.000 ausgebrachte, seltene Pflanzenarten von Wundersegge bis Kantenlauch einen Beitrag zu Steigerung der Artenvielfalt liefern. Im Bereich des Speyerbach-Schwemmfächers profitieren viele Hektar Feuchtwälder, Kleingewässer und Erlenbruchwälder von der Reaktivierung eines alten Grabensystems. Nach einem modellhaften Probebetrieb werden jährlich über 500 Mio l Wasser aus dem Speyerbach in das Feuchtgebiet geleitet. Austrocknende Lebensräume werden zu Lebensräumen von Laubfrosch, Kammmolch und Springfrosch. Kooperationspartner wie der örtliche Golfclub und der Forst sorgen für eine Akzeptanz der Maßnahmen.

Über Ländergrenzen und Fachressorts hinweg wird ein reger Austausch zu naturschutzfachlichen Themen im Hotspot befördert. Während das Thema Auenamphibien, Gefährdung und Schutz Naturschutzfachleute anspricht, sind am Austausch über Pflege und Unterhaltung der Deiche Expertinnen und Experten aus Wasserwirtschaft und Naturschutz beteiligt. Über 600 km Deiche entlang des Rheines stellen innerhalb der intensiv genutzten Landschaft ein länderübergreifendes, grünes Band dar. Als Flächen der öffentlichen Hand können sie neben dem Hochwasserschutz wichtige Funktionen für den Biotopverbund übernehmen. Ein langjähriges Untersuchungsprogramm zeigt auf, wie Unterhaltung und Pflege der Deiche optimal zum Schutz der Natur erfolgen können. Weitere Fachaustausche widmen sich den Sandlebensräumen, der Ex-situ-Erhaltung seltener Pflanzen und dem Schutz des Schlammpeitzgers.
Die Begeisterung für den Schutz der biologischen Vielfalt soll am Oberrhein weite Kreise ziehen. Zusammen mit zahlreichen Kooperationspartnern wird der Schutz der biologischen Vielfalt in neue Bereiche hineingetragen. Modellhafte Kooperationen mit Firmen sorgen für mehr Natur auf deren Gewerbe- und Industrieflächen. Medienkooperationen und intensive Pressearbeit stellen sicher, dass eine Vielzahl an Informationen über die biologische Vielfalt vor der Haustür eine breite Öffentlichkeit erreicht.

Ein Bündel von Maßnahmen der Umweltbildung und Kommunikation zielt auf eine breite Sensibilisierung der Bevölkerung ab. Aktionsstände auf Festen und Verbrauchermessen sprechen ein breites Publikum an. Infoschilder, Lehrpfade und Infoflyer informieren vor Ort über die Naturschutzmaßnahmen. Über 200 Freiwillige wurden bisher zu Biodiversitätsbotschafterinnen und -botschaftern ausgebildet. Diese bringen sich bei praktischen Naturschutzmaßnahmen ein, sind aber auch selbst als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aktiv. Viele NABU-Gruppen führen Maßnahmen und Veranstaltungen zu Lebensraum- und Artenvielfalt im Projekt durch. Eine interaktive Erlebnisausstellung tourt durch das Projektgebiet, während kleine Infoausstellungen in Rathäusern und Infozentren über besondere Aspekte des Projektes wie den Schutz der Deiche informieren. An verschiedenen Lernorten werden Laien, Schulklassen und Kindergartengruppen auf innovative Art an den Schutz der biologischen Vielfalt herangeführt und zum Aktivwerden animiert.

Wander- und Radtouren durch den Hotspot, für die prominente und weniger prominente Gebietskenner/-innen Pate stehen, sind ein Weg um Naturfreundinnen und -freunde für dessen Schutz zu begeistern und gleichzeitig für die Sensibilität des Gebiets zu werben. Breit gestreute Gratis-Postkarten informieren über dieses Online-Angebot und sorgen für Aufmerksamkeit.

Musterhafte Biotope zeigt eine Naturerlebnisfläche in Bingen. Hier sollen sich Bürger/-innen Anregungen für mehr Natur auf Balkon und Garten holen und gleichzeitig Natur erleben können, ohne Schutzgebiete zu stören.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

(Fortsetzung der Projektbeschreibung)
... Im „Dünenklassenzimmer“ lernen Schüler/-innen einen besonderen Lebensraum und dessen Bewohner hautnah kennen. Ein Lehrpfad bei Dudenhofen informiert über den Wert von Binnendünen und Sandflächen - ein in Rheinland-Pfalz besonders seltener Lebensraum. In Sachen Umweltbildung arbeitet der NABU eng mit dem Naturschutzzentrum Karlsruhe-Rappenwört zusammen: So können Schulklassen zum Beispiel verschiedene eigens entwickelte Module rund um die biologische Vielfalt im Hotspot buchen.
Newsletter bringen rund viermal im Jahr Neuigkeiten aus dem Projekt in die E-Mail-Eingänge der Abonnentinnen und Abonnenten. Ein breites Publikum wird durch die verschiedenen Video-Animationsfilme über den Hotspot informiert. Diese werden über die Sozialen Medien (Facebook & Co.) verbreitet, sind auf Youtube und der Projekt-Homepage – die darüber hinaus alle Informationen zum Projekt bündelt und über aktuelle Entwicklungen informiert – verfügbar, werden bei Veranstaltungen gezeigt und auch von den NABU-Gruppen im Hotspot eingesetzt.
Die Homepage informiert unter anderem mit einem Terminkalender, mit News zu aktuellen Themen und Aktionen oder beispielsweise mit der Präsentation der Art des Monats. Besuchen Sie uns auf: www.lebensader-oberrhein.de.

Video:


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Dokumente

Faltblatt Ausbildung von Biodiversitätsbotschaftern

Faltblatt Schutz von alten Eichen bei Gommersheim

Faltblatt Entwicklung trockener Lebensräume

Faltblatt Förderung der Biologischen Vielfalt auf Firmengeländen

Faltblatt Schutz der Europäischen Sumpfschildkröte

Faltblatt Schutz des Schlammpeitzgers

Faltblatt Wiedervernässung des Grabensystems bei Geinsheim

Projektfaltblatt Lebensader Oberrhein

Infoblatt Interaktive Ausstellung Lebensader Oberrhein

 

Besuchen Sie uns

Projektbüro/Lernorte und Touren im Hotspot Oberrhein

An den Rheinwiesen 5
55411 Bingen

Öffnungszeiten: Mo bis Fr 9.00 bis 16.00 Uhr und nach Vereinbarung

Herr Projektbüro Lebensader Oberrhe NABU-Naturschutzzentrum Rheinauen
Tel.:06721-14367
kontakt@nabu-rheinauen.de
http://www.lebensader-oberrhein.de

 

Weitere Infos

NABU Rheinland-Pfalz und NABU Baden-Württemberg
Bingen

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