Sonderwettbewerb Soziale Natur

Naturerfahrungsräume für Kinder in Berlin

Das Vorhaben will dazu beitragen, Stadtkindern wieder einen alltäglichen Zugang zu Natur zu verschaffen. Denn Kinder benötigen für ihre gesunde Entwicklung den alltäglichen Umgang mit natürlichen Elementen und besonders mit Lebewesen - und dies möglichst im direkten Wohnumfeld. Aus vielen Untersuchungen ist bekannt, dass solche Erfahrungen die emotionale Bindung sowohl zur Natur als auch zu Menschen stärken und sich positiv auf Kreativität, Risiko- und Sozialkompetenz auswirken. Konzentrations- und Koordinationsfähigkeit sowie Empathie werden ebenfalls geschult. Freies Spiel in der Natur kommt wichtigen kindlichen Grundbedürfnissen entgegen und kann darüber hinaus ein besseres Eigenverständnis von Kindern und Jugendlichen fördern.

Naturerfahrungen sind wesentlich für die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern! So sieht das auch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB): „Positive Naturerfahrungen stärken das Lebensgefühl, schulen die sinnliche Wahrnehmung und das ästhetische Empfinden, vermindern Aggressivität, fördern Aufmerksamkeit, Konzentration und Wahrnehmungsfähigkeit sowie die Ausbildung motorischer Fähigkeiten“ (Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt, BMUB 2007, Seite 13).
Um dem zunehmenden Verlust von Naturkontakt-Möglichkeiten in der Stadt entgegenzuwirken, wird von der Stiftung Naturschutz Berlin mit sechs Projektpartnern von Mitte 2015 bis Mitte 2018 das Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben „Naturerfahrungsräume in Großstädten am Beispiel Berlin“ durchgeführt. Die Projektpartner sind das Grünflächenamt Spandau, Staakkato Kinder und Jugend e.V., das Jugendamt Pankow, Spielkultur Berlin-Buch e.V., die Grün Berlin GmbH und das Infrastrukturelle Netzwerk Umweltschutz gGmbH.
Ein Ziel des Vorhabens ist es, mithilfe von drei Pilotflächen die Nutzungspotenziale von Naturerfahrungsräumen sowie das integrative Potenzial von Natur aufzuzeigen und der breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.
Die Pilotflächen wurden möglichst umwelt- und sozialgerecht ausgewählt. Neben dem Zustand der Flächen, der möglichst naturbelassen und strukturreich sein sollte, und deren Spiel- und Erlebniswert war auch die Lage im Sozialraum ausschlaggebend. So wurden Flächen in Stadtquartieren mit besonderem Entwicklungsbedarf bzw. in Stadtquartieren mit geringerer sozialer Teilhabe anderen Flächen vorgezogen.
Die neuen Naturerfahrungsräume sollen als offene und vor allem auch niederschwellige Begegnungsräume funktionieren. Dabei ist es wichtig, dass es sich bei Naturerfahrungsräumen um Flächen handelt, die sich sowohl durch die natürlichen Vorgänge als auch durch die Nutzung durch die Kinder ständig verändern. Die Kinder sollen diese Flächen mitgestalten, denn das gibt ihnen ein Gefühl für ihre Selbstwirksamkeit, sie fühlen sich ernst genommen und beginnen, die Folgen ihres Handelns zu begreifen. Obwohl es bei dem Konzept der Naturerfahrungsräume um freies, unbeobachtetes Spiel geht, war bereits in der Vorbereitungsphase zu diesem Vorhaben erkennbar, dass es Vermittler geben muss, die das Konzept der Naturerfahrungsräume und auch jede einzelne Fläche in Gestalt und Funktion erklären und bekannt machen. Ihre Aufgabe ist es, Berührungsängste abzubauen, die „wilden“ Flächen mit den Menschen der umgebenden Wohnsiedlungen zusammen zu bringen. Die bereits vielfach nachgewiesenen positiven Auswirkungen von Natur auf den Menschen, seine Gesundheit, sein Wohlbefinden, sein Sozialverhalten können sich nur einstellen, wenn die vorhandenen Möglichkeiten auch genutzt werden. Für die drei Pilotflächen gibt es deshalb bei den Projektpartnern je einen Pädagogen oder eine Pädagogin, die sich um die Flächen und um die Einbindung derselben in das Quartier kümmern. Diese sogenannten „Kümmerer“ sind wichtig in den Quartieren, denn sie
- nehmen Kontakt zu Kindergärten, Grundschulen und Quartierseinrichtungen auf und organisieren Infoveranstaltungen, um die Nutzungsmöglichkeiten der jeweiligen Naturerfahrungsräume zu vermitteln und eventuelle Vorbehalte bei Erziehern, Lehrern und Eltern abzubauen,
- machen Schnupperangebote auf den Flächen um Schwellenängste bei den Kindern abzubauen,
- geben vor Ort Anregungen für Lehrer und Erzieher,
- koordinieren Nutzergruppen,
- sind Kontaktperson für die Wohnbevölkerung im näheren Umfeld der Naturerfahrungsräume,
- binden die Kinder in die Gestaltung und Pflege der Naturerfahrungsräume ein,
- tragen dazu bei, dass die Naturerfahrungsräume als soziale Begegnungsräume wahrgenommen werden.
Bereits jetzt, nachdem erst zwei der drei Pilotflächen seit ca. einem ¾ Jahr in Betrieb sind, zeigt sich, dass die Naturerfahrungsräume gerne von Kindergärten und Grundschulen genutzt werden. Das freie Spiel in den Naturerfahrungsräumen ist für die Kinder ein guter Ausgleich zum schulischen Alltag, denn hier sind andere Kompetenzen gefragt. Diese erlangen die Kinder in den Naturerfahrungsräumen auf niederschwellige und spielerische Art. Die Flächen werden tatsächlich zu Begegnungsräumen, die altersübergreifend und unabhängig von der Herkunft auf ganz individuelle Weise genutzt werden können.

Das Vorhaben wird über die gesamte Projektlaufzeit von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde wissenschaftlich begleitet, um im Rahmen der Beobachtung der einzelnen Pilotflächen Erkenntnisse zu Nutzergruppen, Nutzerverhalten, Anregungs- und Einwirkungsmöglichkeiten, zu notwendigem Betreuungs- und Kontrollbedarf, zu Pflege und Entwicklung sowie zur ökologischen Bedeutung der Naturerfahrungsräume zu erhalten. Die wesentlichen Erkenntnisse sollen in einem praxisorientierten Leitfaden zusammengefasst und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Naturerfahrungsräume können generell durch intensiv und extensiv bespielte Bereiche sowie durch extensive Pflege bzw. das Zulassen von freier Vegetationsentwicklung einen Beitrag zur biologischen Vielfalt leisten. Durch unterschiedliche Sukzessionsstadien, durch Ruderalfluren in den intensiv bespielten Bereichen kann die Lebensraum- und Artenvielfalt im Vergleich zu herkömmlichen Grünanlagen erhöht werden. Im Sinne der Strategie zur biologischen Vielfalt ist eine umwelt- und sozialgerechte Verteilung von Grünflächen bzw. ein sozialgerechter Zugang zu Natur wichtig. Das Projekt trägt diesem Aspekt durch seine Flächenauswahl sowie durch den Einsatz der „Kümmerer“ als Vermittler Rechnung.


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Dokumente

NER-Ausstellung_Uebersicht.pdf

NER-Info-Broschüre.pdf

 

Besuchen Sie uns

Wilde Welt am Spieroweg, Wilde Welt an der Moorwiese und Wilde Welt am Kienberg

Besuchspunkte: NER-Spieroweg, NER Moorwiese und NER Kienberg
in Spandau, Pankow u. Marzahn-Hellersdorf

Öffnungszeiten: Die Wilden Welten sind öffentlich zugänglich.

Frau Kontaktadressen siehe 3 Eintragungen in der Standortkarte

http://www.stiftung-naturschutz.de/ner

 

Weitere Infos

Projektträgerin: Stiftung Naturschutz Berlin mit den Projektpartnern: Grünflächenamt Spandau, Staakkato Kinder und Jugend e.V., Jugendamt Pankow, Spielkultur Berlin-Buch e.V., Grün Berlin GmbH, Infrastrukturelles Netzwerk Umweltschutz gGmbH
in Spandau, Pankow u. Marzahn-Hellersdorf

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