Pferde fördern Vielfalt

Pferde faszinieren viele Menschen und haben sich trotz aller Technisierung und Digitalisierung bis heute als beliebte Begleiter des Menschen behauptet. Pferde brauchen Ställe, Heu und Stroh, Wiesen und Weiden, daher finden sich im Umfeld der Pferdehaltung stets zahlreiche Insekten, kleine Säugetiere, Sing- und Greifvögel sowie eine bunte Vielfalt an Gräsern und Kräutern, Büschen und Bäumen. Trotz dieser guten Ausgangslage besteht in Pferdevereinen und Reiterhöfen beachtliches Potential für die weitere Förderung der biologischen Vielfalt und es gibt diverse Ansatzpunkte für Umweltbildung von Pferdefreunden und Besuchern. Hier setzt das Projekt an, in dem ein innovativer Biodiversitäts-Quick-Check und ein praxisorientierter Maßnahmenkatalog erarbeitet wurden.


Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt
Pferde bieten einen häufig unterschätzten Beitrag zur ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in ländlichen Räumen. In Deutschland sind gut eine Million Pferde Freizeit- und Sportpartner, Arbeitgeber und Arbeitskollege, Sozialarbeiter und Freund.
Die für die Versorgung der Pferde notwendigen Ställe, Scheunen und Dachböden bieten unzählige Ritzen und Spalten für Unterschlupf, Nahrung und Nistmöglichkeiten. Außerhalb der Gebäude finden sich arten- und strukturreiches Grünland mit begleitenden Hecken und Baumgruppen sowie offenen Bodenstellen. Diese engmaschige Vielfalt an Strukturen sowie die extensive Nutzung von Weiden und Heuwiesen sind Grundlage für ganz spezifische Lebensgemeinschaften von teilweise spezialisierten und auch gefährdeten Arten, die als „Begleitarten“ der Pferde bezeichnet werden können. Dazu zählen z.B. Schleiereule, Rauchschwalbe, Schafstelze und Kiebitz sowie Fledermäuse, Heuschrecken, Tagfalter und Dungkäfer. Pferdehaltung sichert somit den stark bedrängten Arten der Agrarlandschaft Lebensräume und Biotopvernetzungsstrukturen.
Pferdefreunde und ihre Familien lassen sich aufgrund ihres Interesses am Pferd und seinen Bedürfnissen gut auf die Ansprüche anderer Lebewesen und deren Lebensräume ansprechen. Es fehlt in der Regel nicht an Offenheit und gutem Willen, sondern am fachlichen Wissen und bewussten Erleben der vorhandenen Fauna und Flora. Fachlich fundierte Ideen und praktische Handreichungen für konkrete Maßnahmen sowie der systematische Austausch von best-practise-Beispielen sind selten. Das „erlebbar Machen“ der wildlebenden Tier- und Pflanzenarten rund um die Pferde ist dabei besonders wichtig, weil dadurch Impulse und Motivation für konkrete Aktivitäten zur Förderung der biologischen Vielfalt entstehen.
Im Projekt wurden zunächst die Schnittstellen zwischen Pferdesport und Biodiversität identifiziert und auf dieser Basis ein „Biodiversitäts-Quick-Check“ entwickelt. Dieser orientiert sich am bereits eingeführten „Biodiversity-Check“, ermöglicht aber einen schnelleren ersten Überblick über die positiven und negativen Auswirkungen auf die Biodiversität. Er soll für das Thema und die vorhandenen Einflussmöglichkeiten sensibilisieren, zu weiteren Untersuchungen motivieren und dazu beitragen, die kurzfristig möglichen Erfolgsmaßnahmen zu identifizieren. Damit stellt er sowohl ein Diagnose-, Lern- und Aktivierungs-Instrument dar.
Ergänzend wurde ein Katalog erarbeitet, der konkrete und vergleichsweise einfach umsetzbare Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität an den Gebäuden sowie auf Sport- und Weideflächen auflistet. Damit werden Pferdesportler motiviert, sich die Gebäude und Flächen rund ums Pferd unter dem Aspekt der Biodiversitäts-Förderung genauer anzuschauen und aktiv zu verbessern.
Eine ausführliche Literaturliste und Fotosammlung runden die Projektarbeit ab.
Multiplikationswirkung
Nach Angaben der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse (AWA 2013) reiten in Deutschland knapp vier Millionen Personen über 14 Jahre mindestens gelegentlich; bezieht man die jüngeren nicht befragten Kinder und Jugendlichen ein, sind es deutlich mehr. Zusätzlich gibt es viele Menschen, die sich für Pferde interessieren, ohne selbst zu reiten. Hier besteht also ein großes Potential für Sensibilisierung und Umweltbildung.
Mithilfe anschaulicher Artikel und Pressemitteilungen informierte das Projektteam eine breite Öffentlichkeit ausführlich. Außerdem wurden diverse Präsentationen und Vorträge für ein Fachpublikum gehalten sowie begleitend eine Internetseite erstellt. Zum Projektabschluss gab es darüber hinaus eine vielbeachtete Veranstaltung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) im Olympiastadion Berlin.
Kooperation
Das Projekt fand im Rahmen eines Förderwettbewerbes des DOSB „Sport bewegt – biologische Vielfalt erleben“ statt. Die Erarbeitung erfolgte unter Einbeziehung zweier exemplarisch ausgewählter Reitvereine sowie eines Gestüts und Ausbildungsbetriebes. Die Ergebnisse wurden in verschiedenen Gremien der Deutschen Reiterlichen Vereinigung und des DOSB präsentiert und diskutiert.
Innovation und Langfristigkeit
Der vorgestellte Biodiversitäts-Quick-Check wurde erstmals erarbeitet und stellt ein neuartiges Instrument zur Förderung der Biodiversität in Organisationen dar. Auch der als Handlungsempfehlung konzipierte Maßnahmenkatalog wurde in dieser Form zum ersten Mal erstellt.
Die Vorlagen sind primär als Arbeitsgrundlage für Verantwortliche und Mitglieder in Vereinen gedacht und können weiterhin z.B. von Jugend- oder Projektgruppen sowie inklusiven sozialen Initiativen vielfältig genutzt werden. In den Bemerkungs- und Ergänzungsspalten lassen sich Fragen und individuelle Hinweise eintragen, die sowohl der Diskussion und Weiterentwicklung innerhalb des Vereins oder Hofes, als auch des Biodiversitäts-Quick-Checks selbst dienen können und sollen.
Weitere Informationen: www.pferd-aktuell.de/biologischevielfalt




Bezug zur biologischen Vielfalt:

Das Pferd und seine jahrtausendelange Beziehung zum Menschen bieten ganz besondere Ansatzpunkte für die Erkundung, Erhaltung und Förderung der biologischen Vielfalt.


Bild 1
Bild 2

Bild 3
Bild 4

Dokumente

ProjektberichtPferde bewegen, biologische Vielfalt erkunden, erhalten und fördern - Biodiversitäts-Quick-Check und Maßnahmenkatalog für Pferdevereine und Pferdebetriebe

 

Besuchen Sie uns

Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. FN

Freiherr-von-Langen-Straße 13
48231 Warendorf

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8:30 - 16:30 Uhr

Frau Gerlinde Hoffmann
Tel.:02581 6362 131
ghoffmann@fn-dokr.de
http://www.pferd-aktuell.de/biologischevielfalt

 

Weitere Infos

Gerlinde Hoffmann/Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V.; Biodiversitäts- und Nachhaltigkeitsberater Dr. Stefan Rösler/oecoach; Pferdesportberater Rolf Berndt und Charlotte Günther/Pferdesportverband Baden-Württemberg
Warendorf

Aktuelles, Projekte und Termine in unserem Newsletter
*Pflichtfeld