Sonderwettbewerb Soziale Natur

Der Wald spricht viele Sprachen

Keine Sprachbarrieren, keine nationalen Unterschiede, eine unbekannte Natur und viel Neugier: Unser dreitägiges Waldprojekt mit Kindern führte eine Gruppe Kinder aus drei Kontinenten raus aus ihrem Alltag in ihren Unterkünften in den heimischen Wald. Fühlen, tasten, riechen, schmecken - der Zauber der Natur vermochte die teilweise durch ihre Flucht traumatisierten jungen Menschen ganz in sich gefangen zu nehmen. Freundschaften untereinander, eine außergewöhnliche Atmospäre und der unbedingte Wunsch nach einer Wiederholung blieben allen Teilnehmern unvergesslich.

Den besten Einblick in unser Projekt liefert ein Artikel, der noch während der Durchführung in der Neuen Westfälischen.

Der Wald versteht alle Sprachen
Flüchtlingskinder: 18 Mädchen und Jungen aus sieben Ländern erkunden drei Tage lang die Natur. Einige von ihnen wollen am liebsten am Sonntag gleich wieder vorbeischauen

Von Jutta Steinmetz

Paderborn. Adnan ist zehn Jahre alt und hat eine neue Bekanntschaft gemacht, die seine ganze Begeisterung gefunden hat. Drei Tage lang zog er mit anderen Kindern durch den Wald. Unter dem Motto “Der Wald spricht viele Sprachen” hatte die Umweltbildungsinitiative Ostwestfalen (UBI) Flüchtlingskinder eingeladen, tief einzutauchen in ein Naturphänomen, das als typisch deutsch gilt.

Aber auch Adnan, 2015 zusammen mit Schwester Falak und den Eltern nach langer Flucht aus Syrien über Libyen und Italien in Paderborn angekommen, kann den stattlichen Buchen, die nahe dem Naturschutzzentrum Steinbeke wachsen, den sprießenden Sträuchern und dem fröhlichen Vogelgezwitscher nicht widerstehen. “Sonntag will ich wieder hier hin”, sagt der Zehnjährige, während er am Ende der 19-köpfigen Kindergruppe den Hang hinaufstapft.

Warum die elfjährige Falak viele Runden um eine Waldwiese dreht

Für ihn und die meisten anderen Jungen und Mädchen ist es das erste Mal, dass sie einen Wald betreten, hier spielen und herumtollen dürfen. Und so rennt Falak begeistert Runde um Runde, als die Kinder eine große, saftig grüne Wiese am Waldrand erreichen. “Ich muss jetzt einfach mal laufen”, sagt die Schülerin. “Sie ist begeistert von der Weite”, erklärt UBI-Mitglied Gerda Werth.

Da sind Murad und Fadaya schon ein bisschen abgeklärter. Sie kennen Wald aus ihrer Heimat Aserbaidschan. Als Ranger Carsten Wiethoff (Wald und Holz NRW) und UBI-Waldpädagogin Norika Creuzmann ganz zu Anfang die fünf wichtigen Waldregeln erklären, sind die für die Geschwister nicht neu. Auch in den Wäldern ihrer alten Heimat dürfen keine Pflanzen herausgerissen, keine Tiere verletzt, darf kein Weg verlassen, kein Müll weggeworfen und kein Lärm gemacht werden, erzählen die beiden.

Nach der Beschwörung aller guten Waldgeister geht?s los. Da werden Tierlaute erlauscht, Spuren erspäht, Bäume ertastet, eichhörnchengleich Nüsse versteckt und gefunden, aber es wird auch viel gesprochen und gefragt.

Ausgedacht hat sich das Programm die Waldpädagogin Norika Creuzmann, die von Ranger Carsten Wiethoff (Wald und Holz NRW) ebenso unterstützt wird wie von den UBI-Mitgliedern Matthias Schmitt, Uli Mertens, Ludger Schütte, Anna Heyne-Mudrich und Heidrun Greine. “Vor allem geht es darum, dass die Kinder den Wald erleben”, erklärt Creuzmann. Dass sich jetzt Flüchtlingskinder zwischen den Bäumen tummeln, das mache keinen Unterschied zu den Gruppen, die sich sonst einfinden. Die 18 Mädchen und Jungen, die aus sieben Ländern stammen, sind ebenso freiheits- und bewegungsliebend, ebenso wissbegierig und interessiert wie andere Kinder auch.

Und ebenso neugierig. So mag Sheila nicht aufgeben, als sie einen prächtigen Käfer entdeckt, der sich aber immer wieder zu verstecken versucht. Begeistert, aber liebevoll nimmt sie ihn auf die Hand, führt das Insekt ihren Mitstreitern, aber vor allem Carsten Wiethoff vor. Zu gern möchte sie wissen, was sie da gefunden hat. Der Ranger lacht, fotografiert das Krabbeltier, das dann seine Freiheit wiedererhält, und verspricht, nach der Rückkehr ins Naturschutzzentrum Fachbücher zu Rate zu ziehen.

Weitere Waldprojekte sind geplant – auch für Erwachsene

“Dieses Projekt wird fortgeführt und ausgebaut”, sagt Norika Creuzmann und freut sich, dass das Schlänger Autohaus Deckers einen Bulli für das Abholen der Kinder zur Verfügung stellte – ebenso wie der Landesbetrieb Wald und Holz, der Caterer-Betrieb Esslust für einen schmalen Kostenbeitrag Frühstückspakete beisteuerte und auch die evangelische Frauenhilfe als Förderin mit im Boot war. Weitere Pläne werden geschmiedet. Denn UBI will auch erwachsene Flüchtlinge in den Wald locken. Eine Anmeldung dürfte da bereits sicher sein. Der Vater der kleinen Editha aus Bosnien hätte am liebsten schon bei der Kinderaktion mitgemacht.
© 2016 Neue Westfälische
15 – Paderborn (Kreis), Samstag 02. April 2016

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Es galt, den Wald, die verschiedenen Baumarten, Geräusche, Düfte und Spuren zu vermitteln an eine Generation junger Menschen aus anderen Kulturkreisen. Welche Tiere leben hier? Und welche nicht? Welche Tiere leben bei euch? Welche Pflanzen erkennt ihr wieder? Für die Teilnehmer wie auch für die Veranstalter waren der Austausch und die gegenseitigen Erfahrungen über die biologische Vielfalt äußerst informativ.


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