WIPS-DeII: Wildpflanzenschutz

Weiterentwicklung:

Nach Ablauf der ersten WIPs-De Förderphase von 2014-2018, in der ein Netzwerk Schutzmaßnahmen für die 15 pflanzlichen Verantwortungsarten Deutschlands durchgeführt hat, wurde eine zweite Förderphase von 2018-2023 bewilligt. In WIPs-De II werden jetzt 92 Verantwortungsarten durch die Kombination von Ex situ Schutzmaßnahmen in den beteiligten fünf Botanischen Gärten sowie In situ Ansiedlungsmaßnahmen in Kooperation mit Naturschutzverbänden durchgeführt. Am Ende der Projektlaufzeit steht ein großer Fundus an Saatgut der Verantwortungsarten zur Verfügung, von welchen auch die Qualität und Keimungsansprüche bekannt sein sollen. Aufgrund der signifikanten Erweiterung des Artenspektrums wurde die interne Verbundorganisation und Arbeitsteilung neu strukturiert, so dass jeder Verbundpartner für einzelne Arbeitspakete verantwortlich ist. Im Bereich der bundesweiten Verortung beprobter Populationen bzw. durchgeführter Ansiedlungsmaßnahmen sollen das bestehende Botanische Kartierungsportal und die App „WIPs2Go“ als Kartierungsportal mit dem „Deutschlandflora-System“ interagieren. Neu ist auch, dass der Verband Botanischer Gärten e.V. jetzt Partner des Projekts ist. Eine umfangreiche Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit mit dem neuen Partner aus dem Botanischen Garten in Mainz soll dazu beitragen, die Bedeutung pflanzlicher Vielfalt, ihre Gefährdung und die Relevanz der Ex situ und In situ Maßnahmen noch stärker im Bewusstsein der Gesellschaft zu verankern.

Ursprüngliche Bewerbung:

Ziel von WIPs-De ist der Aufbau eines nationalen Schutzprogramms für 92 Wildpflanzenarten, für die Deutschland im Rahmen des Bundesprogramms „Biologische Vielfalt“ eine besondere Verantwortung übernommen hat. In dem Projektverbund der Botanischen Gärten Berlin, Mainz, Osnabrück, Potsdam und Regensburg werden drei bisher meist isoliert durchgeführte Erhaltungsstrategien verknüpft: Die deutschlandweite Sammlung von Früchten, Samen und Sporen und deren Sicherung in Genbanken unter Tiefkühlbedingungen, Erhaltungs- und Vermehrungskulturen ausgewählter Populationen in Botanischen Gärten und Schutzmaßnahmen an natürlichen Standorten, also Wiederansiedelungen oder Stärkung von Populationen. Hinzu kommt die Aufbereitung der Themen für die schulische und außerschulische Bildung. Die Verbundpartner arbeiten eng mit den zuständigen Naturschutzbehörden sowie mit Fachleuten in Naturschutzorganisationen, botanischen Vereinen und anderen Botanischen Gärten zusammen. Nur so kann der Erfolg und die Nachhaltigkeit des Projektes gewährleistet werden.

Warum sollten Früchte, Samen und Sporen von Wildpflanzen gesammelt und unter Tiefkühlbedingungen eingefroren werden? Wieso gilt es, Potenziale der pflanzlichen Biodiversität als Ressource für den Menschen zu sichern? Und wie können interessierte Bürgerinnen und Bürger bei der Bewahrung pflanzlicher Vielfalt mitwirken?
Ein Projekt, das auf diese Fragen konkrete Antworten liefert, ist ´WIPs-De´, das Netzwerk zum Schutz gefährdeter Wildpflanzen in besonderer Verantwortung Deutschlands. Ziel von ´WIPs-De´ ist der Aufbau eines Schutzprogramms der Wildpflanzenarten, für die Deutschland eine besondere Verantwortung hat. An dem Projekt sind die Botanischen Gärten Berlin, Mainz, Osnabrück, Potsdam und Regensburg beteiligt. In Kooperation mit den zuständigen Naturschutzbehörden und Naturschutzorganisationen, botanischen Vereinen und anderen Botanischen Gärten werden erstmalig bundesweit drei bisher meist isoliert durchgeführte Erhaltungsmaßnahmen verknüpft:

- In ganz Deutschland werden koordiniert Früchte, Samen und Sporen anhand ausgearbeiteter Sammelkriterien gewonnen. Die anschließende Weiterbearbeitung der Diasporen, angefangen bei Keimprüfungen über verschiedene Reinigungs- und Trocknungsschritte bis zu ihrer Verpackung in luftdichten Gefäßen oder Alubeuteln und schließlich der Aufbewahrung in Genbanken unter Tiefkühlbedingungen wird nach internationalen Genbankstandards durchgeführt. Mit den Beprobungen werden von den WIPs-Akteuren verschiedene Parameter zu den einzelnen Standorten und Populationen erhoben, wie z.B. Angaben zu vorliegenden Gefährdungen, Populationsgrößen oder punktgenauen Verortungen. Da regionale Standort- und Umweltanpassungen der einzelnen Populationen einen Einfluss auf den Ökotyp aber auch die Ausgestaltung der sekundären Pflanzeninhaltsstoffe haben können, werden bei den Sammelreisen über 540 Naturräume berücksichtigt. Diese charakterisieren jeweils einen geographischen Raum mit unterschiedlichen Geofaktoren wie Geologie, Boden, Klima, Wasserhaushalt.

- In verschiedenen Botanischen Gärten sind Erhaltungs- und Vermehrungskulturen ausgewählter Populationen angelegt worden. Die Anlage und Pflege solcher Kulturen bedarf besonderer Sorgfalt und genauer Kenntnisse der Biologie der Arten wie beispielsweise der Standortansprüche, des Bestäubungstyps und der Lebensdauer. Aus den gewonnenen Erfahrungen erarbeiten die Verbundpartner Qualitätsstandards.

- Einige Populationen der Verantwortungsarten sind in den letzten Jahren von ehemals mehreren hundert Individuen auf Größen von unter zehn Exemplaren geschrumpft. Beim Vergleich der aktuellen Arnika Bestände des Norddeutschen Tieflands, aber auch zahlreichen Naturräumen Süddeutschlands zu etwa 30 bis 40 Jahre älteren Kartierungen zeigt sich, dass diese Heilpflanze die Hälfte oder mehr der Wuchsorte eingebüßt hat. Im ´WIPs-De Projekt´ wird dieser Entwicklung entgegengewirkt, in dem Wiederansiedlungsmaßnahmen mit Jungpflanzen durchgeführt werden, die aus gesammelten Diasporen von gefährdeten Spenderpflanzen vermehrt wurden.
Neben den Sammeltätigkeiten von Saatgut in den vier Projektregionen bringt jeder Verbundpartner seine Fachkenntnisse zu einem Aufgabengebiet im Netzwerk ein. Der Botanische Garten Regensburg koordiniert und verwaltet das Projekt und ist außerdem für die Saatgutqualitätsprüfung zuständig. Der Botanische Garten Osnabrück kümmert sich um die Saatgutsammlung und Saatgutlagerung. Der Botanische Garten Potsdam koordiniert die Erhaltungskulturen und der Botanische Garten Berlin die Ansiedlungsmaßnahmen, Osnabrück und Potsdam teilen sich die Öffentlichkeitsarbeit und die Grüne Schule im Botanischen Garten Mainz verantwortet die Bildungsarbeit.
In der zweiten Projektphase wird verstärkt die Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit in den Fokus gestellt. Für die breite Öffentlichkeit haben die Botanischen Gärten zur Vermittlung der Themen Artenvielfalt und Artenschutz Schaubeete mit Projektpflanzen angelegt. Ein geführter Gartenrundgang veranschaulicht, warum Artenschutz wichtig ist und steht allen Botanischen Gärten des Verbandes Botanischer Gärten e.V. zur Verfügung.
In Kooperation mit dem Verband Botanischer Gärten wurde die Ausstellung "Die Letzten ihrer Art" erstellt. Die Ausstellungstafeln sind in einem Online Begleitheft zusammengeführt.
Weitere Informationen werden über den Projektflyer und die Projekthomepage vermittelt. Im dortigen Blog gibt es regelmäßig Wissenswertes über die Projektpflanzen sowie spannende Einblicke in die Arbeit der Verbundpartner zu lesen.
Mit dem neuen Profil "wildwuchs" (www.wildwuchs.uni-mainz.de) möchten die Verbundpartner ihre Themen auch für ein breiteres Publikum zugänglich machen. Kurzweilige Erklärvideos informieren über die Notwendigkeit der Maßnahmen zum Artenschutz. In Verbindung mit der Homepage steht das Instagram-Profil "wildwuchs.wips". Es lenkt mit außergewöhnlichen Wildpflanzenfotos die Aufmerksamkeit auf die häufig nur wenig beachteten Pflanzen und animiert zum Mitmachen .






Bezug zur biologischen Vielfalt:

Mit dem Aufbau eines Schutzprogramms für die 92 Verantwortungsarten, für die Deutschland international die Verantwortung übernommen hat, leistet WIPs-De II eine wichtigen Beitrag, die heimische pflanzliche Biodiversität nachhaltig zu sichern.
Mit den unterschiedlichen kombinierten Schutzmaßnahmen liefert das Projekt eine wichtige Grundlage zur Bewahrung von Naturressourcen.


Bild 1
Bild 2

Bild 3
Bild 4

Dokumente

WIPs-De: Wildpflanzenschutz Deutschland - Ein Projekt des Bundesprogramms zur Biologischen Vielfalt

Flyer des Projektes WIPs-De II

Online Begleitheft zur Ausstellung ´Die Letzten ihrer Art´

 

Besuchen Sie uns

Botanischer Garten der Universität Regensburg

Universitätsstraße 31
93053 Regensburg

Öffnungszeiten: siehe https://www.uni-regensburg.de/biologie-vorklinische-medizin/botanik/einrichtungen/botanischer-garten/index.html

Herr Prof Peter Poschlod
peter.poschlod@ur.de
http://www.wildpflanzenschutz.de

 

Weitere Infos

Botanischer Garten der Universität Regensburg (und Verbundpartner)
Regensburg

Aktuelles, Projekte und Termine in unserem Newsletter
*Pflichtfeld