Eine Mauerseglerkolonie entsteht oder wie lässt sich eine alte Räucherei nutzen

Mauersegler sind faszinierend Lebewesen. Sie verbringen den Großteil ihres Lebens im Flug. Nur für ungefähr 3 Monate im Jahr befinden sie sich in ihrem Brutgebiet in Deutschland.
Ihr Überleben als Kulturfolger und Gebäudebrüter ist durch zunehmende Dachsanierungen und den dadurch bedingten Nistplatzverlust stark gefährdet.
Dieses Projekt zeigt, wie sich mit einfachen Mitteln Mauersegler an nicht mehr genutzten landwirtschaftlichen Gebäuden ansiedeln lassen und sich über die Jahre eine ansehnliche Kolonie entwickelt.

Am Anfang stand die Überlegung, wie sich eine Räucherei von 1924 heute nutzen lässt.
Das Grundstück und die Gebäude befinden sich seit 1911 inzwischen in der vierten Generation in Familienbesitz und werden es hoffentlich noch lange sein.
Da eine Nutzung als Wohnraum nur mit großen Investitionen möglich wäre, entstand die Idee, das Gebäude für den Artenschutz zu nutzen und die biologische Vielfalt zu erhalten.
Wegen der Höhe des Gebäudes und da in der Nähe ein hohes Gebäude zurückgebaut wurde, fiel die Wahl auf die Ansiedlung von Mauerseglern.
Im Frühjahr 2010 wurde ein selbstgebauter Nistkasten mit 2x2 Brutmöglichkeiten an der Westseite in 6 Meter Höhe unter dem Dachvorsprung installiert.
Im Mai 2011 wurde ein erster Einflug eines Mauerseglers gesehen. Bei der Nistkastenkontrolle im Herbst fanden sich zwei komplette Nester in dem Vierer-Nistkasten.
Da die Ansiedlung so schnell und ohne Aufwand erfolgte, wurden in den nächsten Jahren 9 weitere selbstgebaute externe Nistmöglichkeiten an der West- und Nordseite installiert.
Zusätzlich wurden in den letzten 4 Jahren 24 selbstkonstruierte und -gebaute interne Nistmöglichkeiten geschaffen, bei denen die Mauersegler durch vorhandene, 7 cm breite Schlitze zu den innen hängenden Nistkästen gelangen können.
Alle Nistmöglichkeiten haben eine nutzbare Nistfläche von 20 x 26 cm bei einer Höhe von 18 cm. Der Einflug hat das Maß von 65 x 30 mm. Durch die Höhe von 30 mm ist es Staren nicht möglich in die Kästen einzudringen.
Seit dem Jahr 2018 sind die äußeren 13 und seit dem Jahr 2019 alle 24 inneren Nistkästen mit Kameras versehen. Dadurch ist während der Brutsaison die Möglichkeit gegeben, die Besiedlung und die Anzahl der Jungen zu kontrollieren.
Beobachtet wurde im Jahr 2018, dass in 12 von 13 externen Nistmöglichkeiten eine Brut stattfand und 24 junge Segler ausgeflogen sind.
Der 13. Kasten wurde von Mauersegler aufgesucht, was sich an verändertem Nistmaterial zeigte.
Im Jahr 2019 fanden in allen 13 äußeren und 3 internen Nistkästen Bruten statt. Es sind in diesem Jahr 33 junge Mauersegler erfolgreich ausgeflogen.
Durch die Kameras war zu erkennen, dass alle 21 unbesiedelten inneren Nistkästen von Mauerseglern aufgesucht wurden, was sich an dem veränderten von mir eingebrachten Nistmaterial erkennen ließ.
Das Ergebnis nach 9 Jahren ist sehr erfreulich. In 37 Nistmöglichkeiten fanden im Jahr 2019 16 Bruten mit 33 ausgeflogenen Mauerseglern statt. Es wurden alle 21 unbesiedelten inneren Nistmöglichkeiten besucht, wovon in dreien ein Nestbau begonnen wurde.
Für die nächsten Jahre ist ein weiterer Ausbau der Kolonie mit Nistkästen und weiteren Kameras geplant.
Der Ausbau und Erhalt einer Kolonie ist eine auf unbegrenzte Zeit ausgelegtes Projekt, das hoffentlich auch Nachahmer an anderen Gebäuden findet.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Schaffung von Nistmöglichkeiten für den durch Sanierung von Gebäuden gefährdeten Mauersegler zum Erhalt der biologischen Vielfalt.

Video:


Bild 1
Bild 2

Bild 3
Bild 4

Dokumente

Veränderung eines Mauerseglernests über sieben Jahre

Konstruktion innerer Nistkasten

Zeitlicher Ablauf des Kolonieaufbaus

 

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