Fit für den Klimawandel

Im Projekt „Fit für den Klimawandel“ werden bis zu 4.000 ha Waldfläche im Süden von Münster auf die zu erwartenden Veränderungen durch den Klimawandel vorbereitet. Neben weitreichenden Verbesserungen des Landschaftswasserhaushalts werden im Projekt Maßnahmen zur Entwicklung von klimastabilen Wäldern und zur dauerhaften Sicherung von Alt- und Totholz umgesetzt. Diese Maßnahmen werden von einem umfangreichen Monitoring-Programm begleitet, das die Effizienz der durchgeführten Maßnahmen kontrollieren und die langfristige Entwicklung der Waldflächen beobachten soll. Ein weiterer zentraler Baustein des Projekts ist die Revitalisierung von zwei ehemaligen Hochmooren. Durch die Verbesserung der hydrologischen Verhältnisse wird die Mineralisierung des in den Mooren verbliebenen Torfs verhindert und der Lebensraum von seltenen und bedrohten Arten der Hochmoore erhalten und verbessert. Im Rahmen des Projekts werden weiterhin Unterrichtseinheiten für die 3./4. und die 9./10. Klasse entwickelt, die Schülern und Lehrern das Themenfeld Wald und Klimawandel näher bringen sollen.

Im Projekt „Fit für den Klimawandel“ werden bis zu 4.000 ha Waldfläche südlich von Münster hydrologisch untersucht und in geeigneten Teilbereichen durch die Wiederherstellung naturraumtypischer Wasserverhältnisse fit für den Klimawandel gemacht. In den europaweit bedeutsamen Stieleichen-Hainbuchenwäldern wurde in den Jahren 2015 und 2016 bereits eine Fläche von etwa 150 ha durch kaskadenartigen Anstau von oberflächlichen Abflussrinnen und kleinen Gräben optimiert. Die Wasserrückhaltefähigkeit der Waldböden wird durch den behutsamen Rückbau des Entwässerungssytems entscheidend verbessert und die Gefahr durch Trockenstress für die Bäume verringert.

Um die Auswirkungen der Maßnahmen auf verschiedene Parameter wie Waldwachstum, Kohlenstoffspeicherung, Biodiversität und Bodenwasserhaushalt erfassen zu können, wurde vor der Umsetzung der Maßnahmen zur hydrologischen Optimierung ein Referenzflächenkonzept entwickelt. Die Referenzflächen wurden dabei so angeordnet, dass sich sowohl Flächen mit und ohne wiederhergestelltem landschaftstypischem Wasserhaushalt als auch bewirtschaftete und unbewirtschaftete Waldflächen miteinander vergleichen lassen. Dieser Forschungsansatz ermöglicht ein langfristiges Monitoring der Flächen und eine Effizienzkontrolle der durchgeführten Maßnahmen. Die praxisbegleitende Forschung wird im Wesentlichen in Kooperation mit der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Institut für Landschaftsökologie umgesetzt und beschäftigt sich zudem mit der Kohlenstoffbilanzierung von Wäldern, genetischen Analysen zu Herkunft, Artdifferenzierung und Diversität an Eichen, dendrochronologischen Untersuchungen und der Inventarisierung der Totholzkäferpopulationen von Wäldern entlang eines Nutzungsintensitätsgradienten.

Die Entwicklung klimastabiler Wälder ist ein weiteres Projektziel und konnte in den Jahren 2014 bis 2016 bereits auf einer Fläche von 16 Hektar realisiert werden. Dabei wurden nicht standortgerechte Baumarten wie Fichten, Douglasien und Hybridpappeln, entfernt und durch Anpflanzung von Eichen-Mischwäldern ersetzt. Im Rahmen des Projekts sollen insgesamt 26 Hektar klimalabile Bestockung durch standortgerechte und -heimische Baumarten ersetzt werden. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Flatterulme zu, von der im Rahmen des Projekts 8.500 Stück nachgezogen und ausgepflanzt wurden.

Für die dauerhafte Sicherung von Alt- und Totholz wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW ein Vertrag entwickelt, der erstmals die zeitlich unbefristete Sicherung von Waldbäumen im Privatwald erlaubt. Bisher konnten 650 Bäume in Form von Altholzinseln dauerhaft aus der Nutzung genommen werden wodurch sich die Strukturvielfalt der Wälder erhöhen wird und sich neuen Lebensräume für spezialisierte Pflanzen- und Tiere entwickeln.

Ein weiterer zentraler Baustein des Projekts ist die Revitalisierung von zwei ehemaligen Hochmooren. Im Nottebrockmoor konnte das zentrale Grabensystem durch Holzstaue und Verfüllung mit Sägespänen zurückgebaut werden. Vor der Umsetzung der Maßnahme wurden Vegetation und Kreuzottern kartiert. Nach Abschluss der Arbeiten werden diese Kartierungen in diesem Jahr erneut durchgeführt. Im Venner Moor konnte ein defekter Damm saniert und dadurch der unkontrollierten Ablauf von Wasser, der in den letzten Jahren zu einer Verlandung mehrerer Torfstiche geführt hat, aufgehalten werden. Durch die Verbesserung der hydrologischen Verhältnisse wird die Mineralisierung des in den Mooren verbliebenen Torfs verhindert, wodurch wiederum die Freisetzung von enormen Mengen CO2 vermieden wird. Weiterhin wird der Lebensraum von seltenen und bedrohten Arten der Hochmoore erhalten und verbessert.

Der Transfer wichtiger Informationen im Themenfeld Wald und Klimawandel erfolgt neben zahlreichen Exkursionen durch Schulungen für Privatwaldbesitzer. In insgesamt sechs Abendveranstaltungen werden den privaten Waldbesitzern wichtige Informationen zu Ihren Wäldern vermittelt. Abschließend werden die Informationen in einem Schulungsordner gebündelt und den Waldbesitzern der Region kostenlos zur Verfügung gestellt. In Kooperation mit einem Gymnasium konnte zudem eine komplette Unterrichtseinheit für die 9./10. Schulklasse entwickelt werden. Ein Schulordner mit dazugehörigem Schulungsmaterial kann ab Mitte 2017 kostenfrei an der NABU Naturschutzstation bezogen werden. Aktuell wird zudem ein Ordner für die 3./4. Klasse erstellt.
Im Herbst 2017 erfolgt schließlich die Eröffnung eines Klimalehrpfads, der auf einem etwa 2,5 km langen Waldrundweg die wichtigsten Aspekte im Themenfeld Wald und Klimawandel vermitteln soll.
Die Ziele, Inhalte und Veranstaltungen des Projekts werden vierteljährlich durch die kostenlose Broschüre „Davert Depesche+“, einer breiten Öffentlichkeit vermittelt. Regelmäßige Exkursionen für interessierte Gruppen dienen ebenfalls dazu, die Öffentlichkeit für das Thema Wälder im Klimawandel zu sensibilisieren.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Durch die Wiederherstellung des landschaftstypischen Wasserhaushalts wird der FFH-Lebensraumtyp Stieleichen Hainbuchenwälder dauerhaft stabilisiert. Die Konkurrenzkraft der Eichen wird gegenüber der Buche gestärkt, was zur Erhaltung des FFH-Lebensraumtyp beiträgt und damit auch die im Gebiet vorkommenden Arten wie z. B. Mittelspecht, Feuersalamander, Fransenfledermaus oder den kleinen Abendsegler fördert.
Der Erhaltungszustand der FFH-Lebensraumtypen wird durch die dauerhafte Sicherung von Alt- und Totholz ebenfalls entscheidend verbessert. Die Arten, die auf die späten Waldentwicklungsstadien angewiesen sind, finden neuen Lebensraum und können sich durch die systematische Verteilung der Altholzinseln alt Trittsteinbiotope im Gebiet weiter ausbreiten. Bei einer umfangreichen Kartierung von Totholzkäfern im Projektgebiet konnten unter anderem mehrere Urwaldreliktarten (z. B. Ampedus cardinalis) nachgewiesen werden, die von den Altholzinseln dauerhaft profitieren werden.
Durch die Revitalisierung der ehemaligen Hochmoore, sowie unterstützende Entbuschungsmaßnahmen, wird die verbliebene, naturnahe Moorvegetation erhalten und gefördert. Gleichzeitig verbessern sich die Lebensraumbedingungen für seltene Arten wie z. B. die Kreuzotter und den Kammmolch. Im Nottebrockmoor konnten vier gefährdete Torfmoosarten und zehn Moosarten der Roten Liste NRW nachgewiesen werden, darunter zwei Arten (Dicranum bonjeanii, Pallavicinia lyellii) die als stark gefährdet eingestuft sind.


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Dokumente

Flyer_Fit-fuer-den-Klimawandel.pdf

DavertDepesche_24.pdf

DavertDepesche_21.pdf

DavertDepesche_28.pdf

 

Besuchen Sie uns

NABU Naturschutzstation Münsterland e. V., Haus Heidhorn

Westfalenstraße 490
48165 Münster

Öffnungszeiten: Mo-Fr. 9:00-15:00, oder nach Absprache

Herr Dr Dirk Bieker
Tel.:01575 4155552
d.bieker@nabu-station.de
http://www.nabu-station.de, www.fit-fuer-den-klimawandel.de

 

Weitere Infos

NABU Naturschutzstation Münsterland, Wald und Holz NRW
Münster

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