Sympathieträger Kiebitz

Im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt führt der NABU ein Förderprojekt durch, das einen Beitrag zum Schutz des Kiebitzes in der Agrarlandschaft durch verschiedene Aktivitäten mit Breitenwirkung leisten soll. Dabei werden bis Anfang 2019 Schutzmaßnahmen wie „Kiebitzinseln“ in normalen Agrarlandschaften entwickelt und sollen in Förderprogramme integriert werden. Zusätzlich ist vorgesehen, das Management für Kiebitze in Schutzgebieten zu optimieren, damit diese zu Quellen für den Bestand werden. Die Aktivitäten werden durch eine Öffentlichkeitskampagne begleitet, die den Kiebitz zu einem Botschafter für Biodiversität im Agrarbereich macht. Das Vorhaben erfolgt in Kooperation mit dem Thünen-Institut für Ländliche Räume und unter Beteiligung mehrerer regionaler Projektpartner.

Das „Ki-witt“ des Kiebitzes, das von den Männchen während ihrer turbulenten Balzflüge ab dem zeitigen Frühjahr vorgetragen wird, machen den Kiebitz zu einem Frühlingsboten in der Agrarlandschaft. Mit ihrer markanten Federholle auf dem Kopf und der schwarz-weißen Gefiederzeichnung sind Kiebitze unverkennbar und im ländlichen Raum weithin bekannt. Kiebitze können beim Spazierengehen und Radfahren aber auch beim Arbeiten auf dem Traktor leicht wahrgenommen werden und tragen so zum Wohlbefinden in der freien Natur bei. Der etwa taubengroße Watvogel aus der Familie der Regenpfeifer ist daher nicht nur ein Sympathieträger unter Naturliebhabern, sondern auch bei Landwirtinnen und Landwirten beliebt.

Gleichzeitig haben die Bestände des Kiebitzes aufgrund der Intensivierung der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten europaweit stark abgenommen und die Art steht mittlerweile sogar auf der globalen Vorwarnliste bedrohter Vogelarten. Noch vor fünfzig Jahren war der Kiebitz ein Allerweltsvogel, der fast überall in Deutschland auf Feldern und Wiesen häufig anzutreffen war. Sein Brutbestand in Deutschland liegt bei nur noch rund 80.000 Paaren. Wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden, dürften Kiebitze in einigen Landesteilen als Brutvögel aussterben.

Das Ziel des Projektes besteht darin, den Rückgang zu stoppen und den Kiebitz auch in der normalen Agrarlandschaft als Brutvogel zu erhalten. Der Kiebitz steht dabei als Flaggschiff-Art für viele Tiere in der Agrarlandschaft, die von Schutzmaßnahmen für den Kiebitz mit profitieren. Bundesweit sind insgesamt 17 Partner aus acht Regionen in das Projekt eingebunden, die unter anderem lokale Aktionen beziehungsweise Landschaftspflegeverbände, Kreisverwaltungen, eine Staatliche Vogelschutzwarte, ein Planungsbüro, eine Biologische Station sowie Untergliederungen des NABU umfassen. Konkret werden in dem Projekt noch bis 2017 gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten praktische Schutzmaßnahmen in der Agrarlandschaft entwickelt und erprobt.

Dazu zählen etwa der Schutz von Nestern und Küken auf dem Ackerboden vor der landwirtschaftlichen Bearbeitung oder die Anlage von Kiebitzinseln. Dabei handelt es sich um mindestens einen Hektar große Brachen innerhalb von Äckern, auf denen Kiebitze und andere Vogelarten ungestört brüten und fressen können. Auch Hasen und seltene Pflanzenarten profitieren davon. Als neue Maßnahme wurde eine vorübergehende Bewirtschaftungsruhe auf Sommerungen entwickelt, die anschließend noch den Anbau von zum Beispiel Mais ermöglicht.

Um eine noch größere Breitenwirkung entfalten zu können, sollen die erfolgreichen Schutzmaßnahmen in agrarpolitische Förderprogramme integriert werden. Dafür müssen sie so angepasst werden, dass sie später den Anforderungen an die Verwaltungsvorschriften der EU und anderer Behörden entsprechen. Daneben wird untersucht, wie das Management von Kiebitzen in Schutzgebieten so optimiert werden kann, dass diese durch einen besonders hohen Bruterfolg zu Quellen für den regionalen Bestand werden. Zu diesen Maßnahmen zählen etwa die Anhebung von Wasserständen und die Anpassung von Beweidung und Mahd.

Im Rahmen des Kiebitz-Projektes wird auch ein „Citizen science“-Projekt durchgeführt, in dem die Bevölkerung aufgerufen wird, Kiebitzmeldungen über die Online-Portale Ornitho.de und NABU-Naturgucker.de zu melden. Damit wird zum einen fortlaufend die Rückkehr der Kiebitze im Frühjahr auf einer Deutschland-Karte dargestellt und zum anderen werden die so gewonnenen Daten für Modellierungen zu den Habitatpräferenzen der Kiebitze und ihre Verteilung auf verschiedene Kulturen in Deutschland verwendet. Einmal im Jahr veranstaltet der NABU im April ein „Kiebitzfest“ in der Wedeler Marsch nördlich von Hamburg, an dem jeweils mehr als tausend Bürgerinnen und Bürger teilnehmen.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Der Bezug zur biologischen Vielfalt ergibt sich dadurch, dass der Kiebitz als in Deutschland stark gefährdete Brutvogelart im Fokus des Projektes steht. Auch andere gefährdete Vogelarten der Agrarlandschaft profitieren von den Maßnahmen (z.B. Feldlerche).

Das Projekt wird durchgeführt im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt und über fünf Jahre gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit sowie Mitteln des Umweltministeriums von Schleswig-Holstein und die Hanns R. Neumann Stiftung.


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Dokumente

Kiebitz-Flyer Gaukeln statt Sturzflug 2016 (1).pdf

Faltblatt richtet sich an Landwirte, die sich für den Kiebitz-Schutz auf ihren Flächen engagieren wollen

 

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Goosstroot 1
24861 Bergenhusen

Öffnungszeiten: 15. März - 15. September während der Zeit von 10.00 - 18.00 Uhr

Herr Dominic Cimiotti

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Weitere Infos

Naturschutzbund Deutschland e.V., Thünen-Institut für Ländliche Räume, NABU Mecklenburg-Vorpommern, NABU-Naturschutzstation Münsterland u.a.
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