Sonderwettbewerb Soziale Natur

Deutsch-tschechisch-österreichisches Jugendlager

Jährlich findet in einem der Nationalparke Šumava, Bayerischer Wald, Česke Švycarsko, Sächsische Schweiz, Podyjí oder Thayatal ein Jugendlager statt, in dem Jugendliche im Alter von 12-17 Jahren aus den sechs Nationalparkregionen zusammentreffen. Jedes der beteiligten Schutzgebiete stellt einen Betreuer und nimmt mit ca. 5-7 Jugendlichen teil. Der Austragungsort wechselt von Jahr zu Jahr in ein anderes Schutzgebiet. 2018 fand das Lager vom 27.07. - 05.08.2018 im ältesten deutschen Nationalpark, dem Nationalpark Bayerischer Wald, im Wildniscamp am Falkenstein statt.
Unterschiedliche Kultur- und Naturräume treffen in diesem Jugendlager zusammen. Sprachanimation, gemeinsame Naturschutzarbeit und Exkursionen in die Nationalparke bilden das Grundgerüst des Programms.

Dieses Jugendlager ist ein Begegnungsprojekt, in dem sich deutschsprachige und tschechische Jugendliche treffen. Das verbindende Element für alle ist die Natur, die jeweils grenzüberschreitend in Form von Nationalparken geschützt ist.
In diesem Jahr machte das Jugendlager zum wiederholten Male Station im Nationalpark Bayerischer Wald. Als Unterkunft diente das Wildniscamp am Falkenstein, eine Bildungseinrichtung des Nationalparks, in der man in sehr unterschiedlichen, durch Lebensräume inspirierten Hütten übernachtet: Baumhaus, Wiesenbett, Lichtstern, Wasserhütte, Waldzelt oder Erdhöhle.
Das Programm war so zusammengestellt, dass zum einen die Besonderheiten und auch Bedrohungen der Biologischen Vielfalt des Nationalparks Bayerischer Wald eine zentrale Rolle spielten. Wanderungen und Exkursionen führten in unterschiedliche Lebensräume, zudem konnte selber aktiv Naturschutzarbeit geleistet werden: Im Rahmen eines Life+ Projektes wurden im Nationalpark nicht nur alte Waldweideflächen wieder beweidet, ein besonderer Schwerpunkt des Projektes lag in der Wiedervernässung von Hochmoorstandorten. Hier konnten auch die Jugendlichen des Jugendlagers selbst Hand anlegen. Sie haben Spundwände eingebaut, Entwässerungsgräben verfüllt und die Flächen mit Torfmoos „geimpft“.
Die Besonderheiten und der Wert des Nationalparks Bayerischer Wald werden im Vergleich mit den „eigenen“ Schutzgebieten noch deutlicher. Für die Teilnehmer war es wertvoll zu erfahren, dass auch andere Jugendliche in grenzüberschreitenden Nationalparkregionen wohnen. Der Austausch und ein Kennenlernen fanden folglich multilateral über alle Regionen hinweg statt.
Das Jugendlager wird seit 2000 in ununterbrochener Folge durchgeführt, jährlich in einem anderen der beteiligten Schutzgebiete. Teilnehmer sind z. T. mehrere Jahre hintereinander mit dabei. Durch die gleichbleibenden Partner ist eine hohe Kontinuität und Qualität gesichert. Im Winterhalbjahr gibt es immer ein Treffen der Betreuer, auf dem das vergangene Camp reflektiert wird und Ideen für das kommende Lager erarbeitet werden. Ein Austausch findet so auch kontinuierlich auf Ebene der Betreuer statt.
2019 wird das Jugendlager zwar vom Nationalpark Poyjí durchgeführt, allerdings ist der Nationalpark Bayerischer Wald hierbei wichtiger Projektpartner, u. a. im Förderantrag an den deutsch-tschechischen Zukunftsfonds. So werden die eigenen Erfahrungen eingebracht und der tschechische Partner unterstützt. Auch an dem Jugendlager 2019 werden wieder Jugendliche aus den beiden deutschen Nationalparkregionen Bayerischer Wald und Sächsische Schweiz teilnehmen, die zusammen mit ihren Betreuern nach Tschechien reisen werden und ein neues Schutzgebiet kennen lernen. Das nächste Jugendlager in Deutschland wird 2020 in der Sächsischen Schweiz Station machen, ehe 2024 der Nationalpark Bayerischer Wald erneut Gastgeber sein wird.
Durch die regelmäßigen Treffen der Projektgruppe, in der auch die beiden deutschen Nationalparks Bayerischer Wald und Sächsische Schweiz beteiligt sind, gibt es auch einen intensiven Austausch über unterschiedliche Ansätze der Nachhaltigkeitsbildung in den einzelnen Schutzgebietsverwaltungen.
Durch die Kontinuität des Jugendlagers und die wechselnden Standorte, sowie die damit verbundenen wechselnden Naturräume wird Vielfalt für die Teilnehmer erlebbar.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Die Vielfalt, die den Nationalpark Bayerischer Wald ausmacht, konnten die Teilnehmer bei verschiedenen Wanderungen und Exkursionen im Sommer 2018 selber erleben. Sei es ein urwaldartiger Bergmischwald mit seiner Vielzahl an Strukturen und Habitaten für ganz besondere Arten, wie z. B. den Duftenden Feuerschwamm, der außer dort lediglich an fünf weiteren Orten weltweit zu finden ist, oder den Zwergschnäpper, der das dunkle Milieu dieser Wälder mit vielen Totästen und Halbhöhlen zur Brut benötigt. Im Gegensatz dazu finden sich in den Hochlagen des Nationalparks auf Flächen, auf denen Borkenkäfer die Altfichten flächendeckend zum Absterben gebracht haben, ganz andere Arten ideale Lebensbedingungen. Das Angebot an Totholz ist immens und der hohe Stoffumsatz in den offenen Flächen begünstigt eine Vielzahl von Blütenpflanzen und dementsprechend viele Insekten. Dieser Gradient zeichnet die Wälder des Nationalparks Bayerischer Wald aus. Er konnte entstehen, weil sie sich z. T. seit mehreren Jahrzehnten selber überlassen sind. Zudem gibt es aktive Auswilderungsprojekte wie z. B. von Habichtskäuzen, um deren Population weiter zu stützen. 7299 Arten sind bislang im Nationalparkgebiet nachgewiesen, ungefähr die gleiche Anzahl wird noch als unentdeckt vermutet.
Diese natürliche Vielfalt setzte sich für die Jugendlichen während des Jugendlagers in der kulturellen Vielfalt fort: unterschiedliche Sprachen, Dialekte oder Gewohnheiten treffen aufeinander.


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Dokumente

Presseartikel zum Jugendlager

 

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94227 Lindberg

Öffnungszeiten: Besuche nach Absprache

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Tel.:0925 903 122
achim.klein@npv-bw.bayern.de
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