Rotmilan – Land zum Leben

Der Rotmilan ist Deutschlands heimlicher Wappenvogel. Jeder zweite Rotmilan auf der Welt brütet in Deutschland. Doch ihm geht es zunehmend schlechter: Die Anzahl der bei uns brütenden Paare hat in den letzten 20 Jahren um ein Drittel abgenommen.
Um seinen Rückgang aufzuhalten, haben sich Landschaftspflegeverbände und Akteure aus Wissenschaft und Naturschutz zusammengeschlossen. Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL), der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) und die Deutsche Wildtier Stiftung (DeWiSt) bilden gemeinsam mit den Partnern vor Ort das Schutzprojekt „Rotmilan – Land zum Leben“. Kern des Vorhabens ist die Beratung und Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft in neun Modellregionen in sieben Bundesländern.

Das Besondere am Rotmilan: Es gibt ihn nur in Europa. Sein Schutz ist unsere Aufgabe!
Das Hauptproblem für den Rotmilan ist Nahrungsmangel. Er führt dazu, dass weniger Paare brüten und Jungtiere unterversorgt sind. Die landwirtschaftliche Intensivierung auf nur wenige Kulturen, die aber schnell und sehr dicht aufwachsen, versperrt den Blick auf Beute. Zur Brutzeit, wenn die Elterntiere zwei bis drei Jungvögel großziehen müssen, ist das Futter daher knapp und der notwendige Bruterfolg bleibt aus. Die Lösung wäre eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft. Die Landwirte sind der Schlüssel zum Erhalt des Rotmilans.
Die Naturschutz-Beratung ist der Schwerpunkt von Land zum Leben. In neun Modellregionen in sieben Bundesländern werden Landwirte, Waldbesitzer, Kommunen und Landkreise sowie die breite Öffentlichkeit zu rotmilanfreundlicher Landnutzung beraten. Agrarumweltmaßnahmen, also ökologisch günstigen Kulturen, die Landwirte freiwillig anbauen, kommt eine besondere Rolle zu. Aber auch der Schutz von Nestbäumen und die Verbesserung des Lebensraums kommen nicht zu kurz.
Land zum Leben erfüllt so gleichzeitig die Ziele der neuen „Naturschutzoffensive 2020“ des Bundesumweltministeriums. Allein in 2016 wurden in den Projektregionen 351 Betriebe zur rotmilanfreundlichen Landnutzung und 92 Waldbewirtschafter beraten. Darüber hinaus sind die Projektpartner auch in der Verbesserung der Habitatstrukturen außerhalb von Agrarflächen tätig, so wurden allein im Projektgebiet Nordsachsen 7,5 km Hecken und Gehölze gepflanzt, darunter auch zukünftige Brutbäume.
Um den Effekt der Schutzmaßnahmen beurteilen zu können, werden Nahrung, Bruterfolg und Raumnutzung untersucht. Die Analysen sollen zeigen, ob sich das Nahrungsangebot auf den rotmilanfreundlich bewirtschafteten Äckern verbessert. Um zu untersuchen, welche Gebiete die Tiere nutzen, werden den Altvögeln winzige Sender übergestreift. Um das Vorkommen der Beutetiere zu untersuchen, werden Lebendfallen aufgestellt und Brutvogelkartierungen durchgeführt. Nestkameras ermöglichen es, herauszufinden, welche Nahrung an die Jungen verfüttert wird.
Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Öffentlichkeitsarbeit und die Naturbildung. Eine innovative Wanderausstellung reist durch ganz Deutschland und informiert über den Vogel, seine Probleme und wie das Projekt diese löst. Die Wanderausstellung erfreut sich größter Beliebtheit und ist bis Ende 2018 ausgebucht. Der Bildungskoffer des Projektes richtet sich an den Naturschutz-Nachwuchs und kann in Kitas und Schulen angeboten werden. Wie lebt der Rotmilan, was hat Naturschutz mit der Produktion von Lebensmitteln zu tun und wie können Menschen selber etwas tun, um die Tiere unserer Landschaften zu erhalten? Bauer Kamphenkel, ein fiktiver Landwirt, führt interaktiv durch die Themen des Koffers und bringt sie den Kindern und Jugendlichen anschaulich und unterhaltsam näher.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Die Offenlandschaft hat in den letzten Jahren einen dramatischen Verlust an Arten erlebt. Dabei ist sie eigentlich wertvoller Lebensraum, weil Felder, Weiden und Wiesen als Nahrungsflächen dienen und Brut- und Rückzugsräume bieten. Hecken oder Blühstreifen, Weiher und Ackerrandstreifen wurden im Rahmen der intensiven Landschaftsnutzung oft entfernt und sind heute eher selten anzutreffen. Die durch die Landwirte und die Mitarbeiter von Land zum Leben umgesetzten Maßnahmen helfen, diese Entwicklung rückgängig zu machen. Da der Markt den Landwirten kaum eine andere Wahl als die immer weitere Intensivierung lässt und da das sogenannte Greening innerhalb der europäischen Agrarpolitik viel zu geringe hochwertige ökologische Effekte aufweist, kommt Agrarumweltmaßnahmen eine besonders hohe Wichtigkeit zu. Sie sind die einzige Möglichkeit, in monotonen Landschaften für Abwechslung und halbwegs naturnahe Strukturen zu sorgen. Die Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter vor Ort besprechen mit den Bewirtschaftern mögliche Maßnahmen, bewerben diese und begleiten deren Umsetzung. Nur über langfristigen konstanten Kontakt, hohe fachliche Kompetenz und ein sorgsam aufgebautes Vertrauensverhältnis ist es möglich, hier für positive Veränderungen zugunsten der Biodiversität zu sorgen.

Video:


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Dokumente

Praxisratgeber Landwirtschaft: Rotmilan Land zum Leben

Rotmilan Land zum Leben- Ratgeber Nestschutz

Rotmilan Land zum Leben- Projektflyer

Rotmilan Land zum Leben- Broschüre

Rotmilan Land zum Leben- Broschüre

 

Weitere Infos

Deutscher Verband für Landschaftspflege (DVL), Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA), Deutsche Wildtier Stiftung (DeWiSt) und 9 Projektpartner vor Ort

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