Ein Biotop für selten gewordene Pflanzen mit ihrer Begleitfauna

Weiterentwicklung:

Zitat aus der Projektbeschreibung: "Um die inzwischen recht artenreiche kalkhaltige Trockenrasenvegetation aufrechtzuerhalten, muss das Konzept auf Jahre hinaus begleitet werden!" Dieses Ziel verfolgen wir nach wie vor mit unseren jährlichen Arbeitseinsätzen. Mit dem Biotoppflegeeinsatz vom 23. Juni 2012 endete unsere Projektbeschreibung. Seither haben wir neben laufenden kleineren Pflegeeingriffen wieder unter großer Beteiligung der Bevölkerung den jährlich zwei Mal stattfindenden Arbeitseinsatz geleistet am 19. November 2012, 13. Juli 2013 und 16. November 2013. Der erste Arbeitseinsatz in diesem Jahr findet am 5. Juli 2014 statt. Durch unsere Pflege hat sich auch die Pflanzenvielfalt sehr positiv entwickelt. Neben vielen Wildblumen haben wir in diesem Jahr, zum Teil erstmals, folgende Orchideen entdeckt: Bocksriemenzunge, Zweiblatt, Pyramidenorchidee, Bienenragwurz und Mücken-Händelwurz. Für alle Arten existieren Belegfotos. Ein Höhepunkt war ein Kurs über vier Samstagvormittage (April, Mai, Juni und Juli 2013) mit 14 Grundschulkindern im Rahmen der Hector-Kinderakademie für hochbegabte Schüler. Der Kurs fand unter dem Thema „Artenvielfalt entdecken und lernen, sie zu fördern und zu bewahren“ auf dem Gelände des ausgezeichneten Biotops statt. Hierbei beteiligten sich die Kinder beim 15. GEO-Tag der Artenvielfalt, einem deutschlandweiten Schülerwettbewerb und erzielten den 1. Preis: Eine Woche Aufenthalt auf dem Schulbauernhof der Heinz-Sielmann-Stiftung.

Ursprüngliche Bewerbung:

Von der Idee zum Projekt: Mein Name ist Rüdiger Weis, ich bin 72 Jahre alt und habe mich nach meinem Renteneintritt verstärkt aktiv dem ehrenamtlichen Naturschutz in unserer Heimat gewidmet. Seit etwa dieser Zeit bin ich regelmäßig einen Nachmittag pro Woche mit Gleichgesinnten im Arbeitseinsatz am Kaiserstuhl. Hier betreiben wir Biotoppflege zur ehemaligen Wiederansiedlung und zur Bestandspflege von Steinkauz und Wiedehopf.

Die Arbeiten werden von einem Diplombiologen geleitet und beinhalten hauptsächlich die Pflege artenreicher Blumen- und Streuobstwiesen. Durch die praktischen und theoretischen Erfahrungen hierbei kam mir 2007 die Idee, gemeinsam mit Interessierten aus unserem Dorf ein Biotoppflegekonzept ins Leben zu rufen. Ein Portrait von mir zum Thema Naturschutz finden Sie hier: www.nabu.de/nabu/naturschutzmacher/portraits/12108.html

STANDORT
Der Biotop befindet sich auf der Gemarkung 79336 Herbolzheim-Tutschfelden, einem kleinen Winzerdorf mit ca. 700 Einwohnern in der Vorbergzone des südlichen Schwarzwaldes.

DER BIOTOP
Auf einem ehemals stark verbuschten Rain und einem angrenzenden Acker-/Wiesengrundstück haben wir durch gezielte Pflegemaßnahmen eine kalkhaltige Halbtrockenrasen-Vegetation geschaffen: Ein Landschaftselement, das früher noch weit verbreitet war und heute vielerorts der Intensivlandwirtschaft und intensivem Flächenverbrauch weichen muss. Halbtrockenrasen sind von Menschenhand geschaffene Lebensräume, die in den früheren Jahren durch kleinbäuerliche Bewirtschaftung und Beweidung entstanden. Heute gelten diese Halbtrockenrasen als gefährdete Lebensräume, die laut Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie der Europäischen Union europaweiten Schutz genießen.

DIE TEILNEHMER
Bei unserem ersten Arbeitseinsatz am 30. Juni 2007 waren wir zu sechst. Mit wechselnder Beteiligung sind wir mittlerweise auf über 60 Helfer gekommen. Unser bisher jüngster Teilnehmer war Fin mit sieben Jahren und unser Senior Reinhard feierte dieses Jahr seinen 80. Geburtstag. Die überwiegende Zahl der fleißigen Helfer kommt aus unserem Dorf Tutschfelden. Durch persönliche Bekanntschaften bekamen wir auch einzelne Unterstützung aus mehreren Nachbargemeinden. Durch E-Mail-Rundbriefe, persönliche Telefonanrufe und über die Presse wird zu den jeweiligen Arbeitseinsätzen eingeladen.

DER PROJEKTNAME
Wir haben dem Projekt den Namen „Ein Biotop für selten gewordene Pflanzen mit ihrer Begleitfauna“ gegeben. Der Biotop weist eine offene, arten- und blütenreiche Halbtrockenrasen-Vegetation aus.

DAS PROJEKT
Schon nach dem zweiten Einsatz im November 2007 war ein breites Interesse vorhanden. Besondere Anreize für die Mitarbeit waren neben der Begeisterung für die Natur auch die jeweiligen geselligen Abschluss-Vesper.
Seit 2009 erhalten wir im Rahmen der Landschaftspflegerichtlinien einen jährlichen Zuschuss vom Landratsamt Emmendingen. Der Zuschuss steht den einzelnen Helfern als Arbeitsentgelt zu. Diese verzichten aber darauf, sodass wir mit den Einnahmen unser Projekt finanzieren können (z.B. Wildblumensaat).
Um die inzwischen recht artenreiche kalkhaltige Trockenrasenvegetation aufrechtzuerhalten, muss das Konzept auf Jahre hinaus begleitet werden!

ARTENVIELFALT
Um die Artenvielfalt der Pflanzen und in deren Folge die Insektenvielfalt zu fördern, „impfen“ wir unsere Pflegefläche mit standortgerechtem Saatgut an verschiedenen Stellen. Nach den folgenden Kriterien des Saatgutlieferanten auf dessen Internetseite haben wir die Saatgutmischung „Magerwiese, Spezialmischung für eher trockene, nährstoffärmere, sonnige Standorte“ ausgewählt:

Geeignet für
»» Grenzertragsböden (nicht Ackerbau geeignet)
»» Extensivierungsflächen
»» Böschungen und Wegraine
»» Artenanreicherung bestehender Magerwiesen
»» Straßenbegleitgrün
»» Lärmschutzwälle Öffentliches Grün

Eine Wildblumen-Saatgutauswahl finden Sie hier:
www.syringa-pflanzen.de/catalogsearch/result/index/?cat=36&limit=30&q=wildblumenwiese+mischung
Weitere Links zum Thema Wildblumen:
www.natur-im-vww.de/zertifikat#top
www.natur-im-vww.de/wildsaat-wildpflanzgut#top
www.regionalisierte-pflanzenproduktion.de/fileadmin/institut/regiosaatgut/Regiosaatgut_Herkunftsregionen.pdf

Ab Mitte Juni mähen wir zweimal jährlich. Mit Rücksicht auf unterschiedliche Samenreife der Wildblumen mähen wir selektiv, u.a. eine Voraussetzung zum Erhalt der Artenvielfalt. Ganz wichtig ist das restlose Abräumen des angefallenen Mähgutes. Dadurch verhindern wir Verfilzungen und erhöhte Stickstoffeinträge, die für eine artenreiche Magerwiese nachteilig sind.

NEOPHYTEN UND ANDERE PROBLEMPFLANZEN
Eine besondere Herausforderung sind Problemneophyten und andere stark überwuchernden Pflanzen. Hier eine kleine Aufzählung von Pflanzen, die wir „im Auge behalten“ müssen:
Kanadische Goldrute und Amerikanisches Berufkraut (Samen und Wurzelausläufer), Hartriegel, Flieder, Walnuss, Weide und Wildkirsche wegen starker Wurzelaustriebe (wurden in den 1970er Jahren im Zuge von Flurbereinigungen gezielt gepflanzt), Fiederzwenke (dieser Wurzel-Kriechpionier hat sich im Zuge des früher üblichen Flämmens, das heute nur mit Ausnahmegenehmigung erlaubt ist, stark verbreitet) und Gemeine Waldrebe (Clematis vitalba).

WEITERE DETAILS können den beigefügten PDF-Dateien und den jährlichen Presseberichten (anbei Liste mit Links) entnommen werden.

Rüdiger Weis


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Dokumente

Pressebericht Januar 2008

Chronik 2007 und 2008 der Biotoppflege

Impressionen August 2010

Aufruf zum Einsatz im Juni 2011

Aufruf zum Einsatz mit SPD und NABU im August 2011

Biotoppflege in Tutschfelden und am Kaiserstuhl, ein Querschnitt

Inhaltsverzeichnis der Presseberichte mit Links zu den Beiträgen

Stichworte für eine kurze Einführung vor dem Arbeitseinsatz

 

Besuchen Sie uns

Biotop für den Neuntöter

Biehnestraße 2
79336 Herbolzheim-Tutschfelden

Herr Rüdiger Weis
Tel.:01522/8948896
ruediger.weis@gmx.de

 

Weitere Infos

Das Biotop-Pflegeteam aus Tutschfelden mit Helfern aus den Nachbargemeinden. Patenschaft: Heimatverein Tutschfelden und NABU Kreis Emmendingen.
Herbolzheim-Tutschfelden

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