Bischofsreuter Waldhufen - Natur, historische Kulturlandschaft und Artenvielfalt

Erhaltung, Entwicklung und Wiederherstellung der Arten- und Lebensraumvielfalt der historischen Hochlagen-Kulturlandschaft im Gemeindegebiet Haidmühle im Hinteren Bayerischen Wald

Im Raum Haidmühle blieb – bedingt durch Höhenlage und politische Randlage im Grenzgebiet zu Tschechien – die historische Kulturlandschaft mit einer für Bayern und insbesondere Niederbayern extrem hohen Biotopdichte und Artenvielfalt – darunter über 100 Rote Liste-Arten wie Birkhuhn, Wachtelkönig, Kreuzotter, Hochmoor-Gelbling, Hochmoor-Bläuling, Violetter Feuerfalter, Braunkehlchen, Steinschmätzer, Arnika, Weißzüngel, Moor-Klee, Waldbirkenmaus – in sehr weiten Teilen lange erhalten. Durch den Nutzungswandel in der Landwirtschaft und die dadurch bedingte teilweise Abwanderung der Bevölkerung war diese Vielfalt jedoch zunehmend durch Nutzungsaufgabe und in der Folge durch Verbrachung oder gezielte Aufforstung bedroht.

Ziele des Projektes waren daher zum einen die Erhaltung der biologischen Vielfalt einschließlich Erhaltung einer historischen Waldhufen-Kulturlandschaft, zum anderen aber auch die Erhaltung der bäuerlichen Landwirtschaftsbetriebe als die wesentlichen Kulturlandschaftspfleger sowie die Inwertsetzung der Landschaft und die Förderung eines sanften Tourismus, um der ansässigen Bevölkerung in der strukturschwachen Region eine wirtschaftliche Perspektive zu bieten.

Im Jahr 1996 wurde zunächst unter der Trägerschaft vom Landesbund für Vogelschutz und Bund Naturschutz mit Unterstützung der Regierung von Niederbayern das Umsetzungsprojekt „Bischofsreuter Waldhufen“ ins Leben gerufen. Im Jahr 1999 übernahm schließlich die nur 1.400-Einwohner große Gemeinde Haidmühle die Trägerschaft für das Projekt, das seitdem eines der größten von einer einzelnen Kommune getragene Naturschutzprojekt Bayerns ist.

Maßnahmen im Rahmen des Projektes sind u. a. die regelmäßige Pflege der Offenlandbiotope wie Bergmähwiesen, Borstgrasrasen, Feucht- und Nasswiesen, Flach- und Übergangsmoore, Entbuschungen und Schaffung von Offenland-Biotopverbund-Korridoren, Neophyten-Bekämpfung, Renaturierung von Mooren sowie gezielte Artenhilfsmaßnahmen (u.a. für Subendemit Böhmischer Enzian, Birkhuhn, Steinschmätzer, Kornrade, Kreuzotter). Die Maßnahmen werden dabei ausnahmslos von ortsansässigen Landwirten und Grundeigentümern durchgeführt. Ergänzend werden die Pflegemaßnahmen regelmäßig evaluiert. Das Pflegekonzept wird aktuell parallel zur Natura-2000-Managementplanung an aktuelle Erfordernisse angepasst.

Einen zweiten Schwerpunkt neben den Naturschutzmaßnahmen bilden die Umweltbildung und die Inwertsetzung der Landschaft durch Förderung des sanften Tourismus mittels Aufbau eines Kulturlandschaftsmuseums (KuLaMu) als "Erlebnis-Museum in der Landschaft" nach dem Konzept des französischen "Ecomusée“.

Ergebnisse:
- Über 50 % der landwirtschaftlichen Nutz-Fläche sind aktuell in Naturschutzprogrammen (Landschaftspflegerichtlinie und Vertragsnaturschutzprogramm) eingebracht. Der Anteil der Biotopfläche konnte seit der Biotopkartierung in den 90er Jahren nicht nur gehalten, sondern sogar gesteigert werden. Mittels der sehr guten Datengrundlagen (Biotopkartierung aus den 90er Jahren sowie aktuelle Erhebungen) werden allerdings auch die Auswirkungen des Klimawandels deutlich. So kann gezeigt werden, dass Tieflandarten (Arten der Glatthaferwiesen, Schlingnatter, Sumpfschrecke, nordische Moosjungfer etc.) vordringen, während Hochlagenarten wie Alpenflachbärlapp, Ungarischer Enzian oder die Berg-Waldhyazinthe zurückgedrängt bzw. verdrängt werden.

- Freiwillige Meldung weiter Teile der Gemeinde als FFH-Gebiet (765 ha, davon > 500 ha Offenland) nach einem vorbildlichen Dialogverfahren mit allen Flächeneigentümern.

- Aufbau des Kulturlandschaftsmuseums (KuLaMu) mit inzwischen 6 Naturerlebnis- und Themenwegen zur Biologischen Vielfalt und Kulturlandschaftsentwicklung, Schulung von KuLaMu-Führen, regelmäßig geführte Wanderungen zur biologischen Vielfalt in der historischen Kulturlandschaft.

- Kooperation mit LBV, BN, Wildland Stiftung und Staatsforst als wichtige Flächeneigentümer und Projekt-Partner sowie mit dem „Förderverein zum Erhalt der Kulturlandschaft der Bischofsreuter Waldhufen“, der von den Bürgern eigens zur Umsetzung von Landschaftspflegmaßnahmen gegründet wurde. Weiterhin Gründung eines KuLaMu-Fördervereins. Dadurch auch deutliche Belebung des sozialen Miteinanders.

- Durch die Etablierung gefährdeter Haustierrassen (z.B. Rotes Höhenvieh, Waldschaf) hat sich die artgerechte Tierhaltung stabilisiert. Das qualitativ minderwertige Mähgut der Moore und Nasswiesen wird eingestreut und somit nachhaltig verwertet. Ein erheblicher Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche wird nach den Kriterien des ökologischen Landbaus bewirtschaftet.

- Mittlerweile tragen die Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt entscheidend zu dem Betriebseinkommen der kleinstrukturierten landwirtschaftlichen Betriebe bei und haben sich zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor in der Gemeinde entwickelt.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Mit dem Projekt konnte die Arten- und Lebensraumvielfalt erhalten und zahlreiche bereits aus der Nutzung gefallene Bereiche wieder in Nutzung genommen werden. Der Anteil der Biotopfläche konnte gegenüber den 90er Jahren sogar gesteigert werden. Für besonders gefährdete Arten erfolgen gezielte Artenhilfsmaßnahmen (u. a. für Subendemit „Böhmischer Enzian“, Birkhuhn, Steinschmätzer, Kornrade, Kreuzotter, Hochmoor-Gelbling). Externe Spezialisten konnten aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung weitere, als ausgestorben geltende Arten, wie z.B. die Waldbirkenmaus nachweisen.

Das Projekt „Bischofsreuter Waldhufen“ ist aber auch ein Modell für nachhaltige Entwicklung, bei der Ökologie, Ökonomie und Soziales gleichermaßen bedacht und gefördert werden und von allen gesellschaftlichen Kräften in der Gemeinde mitgetragen werden.

Insgesamt leistet das Projekt einen herausragenden Beitrag zum Erhalt und zur Verbesserung der biologischen Vielfalt.


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Dokumente

Faltblatt zum BayernNetzNaturProjekt ´Bischofsreuter Waldhufen´ aus dem Jahr 2005 (vergriffen, wird derzeit aktualisiert und neu aufgelegt)

Faltblatt des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz zur historischen Kulturlandschaft der Bischofsreuter Waldhufen

Faltblatt zum Kultulandschaftsmuseum (KuLaMu) Bischofsreuter Waldhufen

 

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