Regionalen Klimawandel beurteilen lernen - ReKli:B

Der Erhalt der biologischen Vielfalt unter den Vorzeichen des Klimawandels gehört zu den zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. In der Abteilung Geographie der Pädagogischen Hochschule Heidelberg wurde daher das Umweltbildungsprojekt „Regionalen Klimawandel beurteilen lernen“ initiiert. In diesem Projekt untersuchen Jugendliche die Folgen des veränderten Klimas auf die Struktur und Artenzusammensetzung von Ökosystemen in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld. Klimasensitive Phänomene aus dem Bereich von Agrar-, Wald- und naturnahen Ökosystemen der Region dienen als Ausgangspunkt, um in multiperspektivischen Lern-Arrangements das individuelle Bewusstsein der Jugendlichen für die Wechselwirkungen von Klimawandel und Biodiversität zu schärfen. Zudem soll durch die Ableitung nachhaltiger Anpassungsstrategien eine darauf aufbauende Gestaltungskompetenz entwickelt werden. Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderte Projekt verknüpft dazu in einem innovativen Ansatz Erhebungen im Gelände mit Labor-Analysen und der Veranschaulichung im Experiment und Modell. Begleitet durch ein mehrstufiges Fortbildungssystem und den Einsatz von Material- und Methodenkoffern wurden die modellhaft entwickelten Lernmodule dauerhaft in den Bildungsangeboten der schulischen und außerschulischen Projektpartner verankert und bundesweit verbreitet.

Längst sind die Folgen des globalen Klimawandels auch auf regionaler Ebene spürbar. Dies gilt insbesondere auch für die Folgen des Klimawandels auf die regionaltypische Vielfalt von Arten und Lebensräumen, deren Erhalt als unsere natürliche Lebensgrundlage von zentraler Bedeutung ist. Zugleich ist das Bewusstsein für die Zusammenhänge in der Natur in der Bevölkerung noch wenig entwickelt.

Die Beurteilungskompetenz von Kindern und Jugendlichen als gesellschaftliche Akteure von morgen im Hinblick auf klimasensitive Mensch-Umwelt-Beziehungen zu entwickeln, ihre Handlungsbereitschaft zu stärken und ihre Gestaltungskompetenz zur Ableitung nachhaltiger Anpassungsstrategien zu fördern, ist daher das Anliegen von „ReKli:B“.

Bereits heute werden z.B. durch einen veränderten Jahresrhythmus sowie durch Verschiebungen im Artenspektrum klimabedingte Veränderungen im Naturhaushalt sichtbar. An diesen Phänomenen erkennen, analysieren und beurteilen Jugendliche im Rahmen des Projekts "ReKli:B" exemplarisch die Wechselwirkungen von Klima und biologischer Vielfalt.
Grundlage der Beurteilungen ist dabei ein in dieser Form einzigartiger methodisch-didaktischer Dreiklang aus Erhebungen im Gelände, vertiefenden Analysen im Labor und vereinfachender Erarbeitung im Experiment bzw. Modell. Ökologische, ökonomische und soziale Aspekte werden dabei ebenso integriert, wie die Wechselwirkungen von Klimaschutz, Klimaanpassung und Schutz der Biodiversität. Diese Verzahnung zeigen die "ReKli:B"-Lernmodule anhand unterschiedlicher Ökosysteme exemplarisch auf:

Waldökosysteme zeigen infolge begrenzter Anpassungsmöglichkeiten eine hohe Vulnerabilität gegenüber dem regionalen Klimawandel. Im Modul „Baumwachstum“ erforschen die Jugendlichen mit Hilfe einer Baumartenkartierung und unter Anwendung der KlimaArtenMatrix zunächst, ob sich das veränderte Klima bereits in einer Artenverschiebung zwischen verschiedenen Baumaltersklassen abbildet. Mit Hilfe von Jahrringanalysen an Baumstammscheiben von Fichte und Douglasie, wird deren unterschiedliche Klima-Anpassungsfähigkeit im Labor sichtbar gemacht. Bei der hypothesenprüfenden Arbeit mit Modellexperimenten erforschen die Teilnehmer/innen abschließend die Windwurfgefährdung verschiedener Baumarten, um daraus nachhaltige Anpassungsmaßnahmen zum Umbau forstlich genutzter Waldökosysteme ableiten zu können.

Im Modul „Phänologische Jahreszeiten“ erfolgt zunächst eine Kartierung phänologischer Phasen, wie z.B. der Beginn der Blühphase ausgewählter Zeigerpflanzen (z.B. Schwarzer Holunder). Durch Abgleich mit höhen- oder expositionsbedingten Temperaturunterschieden können die Wechselwirkungen zwischen Klima und Vegetationsentwicklung sichtbar gemacht werden. Wachstumsversuche im Labor bei unterschiedlichen klimatischen Bedingungen erlauben eine Quantifizierung dieser Beobachtungen. Bereits beobachtete und zu erwartende Verschiebungen der jahreszeitlichen Erscheinungen werden beim Bau einer phänologischen Uhr modellhaft abgebildet. Auf dieser Grundlage werden schließlich Auswirkungen auf künftige Ernteerträge sowie die Gefahr der Entkopplung von Lebensgemeinschaften als Folge unterschiedlicher Anpassungsmöglichkeiten erarbeitet.

Im Modul „Bodenfruchtbarkeit“ erforschen die Jugendlichen Böden in ihrer Funktion als Kohlenstoffsenken oder -quellen und die Rolle der Bodenorganismen beim Humusaufbau bzw. -abbau. Im Gelände werden verschiedene Ökosysteme und Landnutzungen u.a. hinsichtlich der vorkommenden Bodenlebewesen und deren Kohlenstoffumsatz untersucht. Laboranalysen der mitgebrachten Oberbodenproben geben Aufschluss über die Humusgehalte unter verschiedener Nutzung. Eine experimentelle Veranschaulichung klimabedingter Einflüsse auf die Bodenatmung wird schließlich durch CO2-Messungen von Vergleichsproben verschiedener Temperatur- und Feuchtebereiche erreicht.

Im Rahmen des Projekts wurden insgesamt 18 Lernmodule v.a. zu den regionalen Folgen des Klimawandels auf Agrar- und Forstökosysteme in den Themenbereichen Boden (z.B. Fruchtbarkeit) und Vegetation (z.B. Baumwachstum) entwickelt und evaluiert. Die Erprobung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit fünf Stützpunktschulen und zwei außerschulischen Bildungsträgern (Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald und bioversum Kranichstein). Im Rahmen formaler und non-formaler Bildungsangebote wurden bis heute bereits etwa 2.000 Schüler/innnen der Klassenstufen 5 bis 12 mit den innovativen Lernmodulen zu den Themen „Klimawandel und Biodiversität“ erreicht. Darüber hinaus konnten im Rahmen von Fort- und Weiterbildungen studentische Tutoren, Lehrkräfte und Umweltpädagogen zu Multiplikatoren der ReKli:B-Inhalte ausgebildet werden. Eine weitere Säule der nachhaltigen Verankerung der Bildungsangebote bildet das im Laufe des Projekts entstandenes Umweltkommunikations-Netzwerk aus regionalen Akteuren, fachlichen Beratern und Umweltpädagogen.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Der Klimawandel beeinflusst die biologische Vielfalt auf unterschiedlichste Weise. Die Verschiebungen von Artarealen sowie die Veränderungen in der Pflanzen-Phänologie sind Anzeichen dafür, dass sich die Natur in den kommenden Jahren deutlich verändern und an Artenvielfalt verlieren wird. Die Entwicklung von nachhaltigen Klima-Anpassungsstrategien gewinnt dabei im Hinblick auf den Schutz naturnaher und menschlich genutzter Ökosysteme zunehmend an Bedeutung, um deren Funktion als Lebensgrundlage zukünftiger Generationen zu schützen.

Biodiversitätsschutz kann nur gelingen, wenn er von Akteuren in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam vorangebracht wird. Grundlage hierfür ist die Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung für Wert und Gefährdung der biologischen Vielfalt durch eine langfristige Verankerung entsprechender Themen im Bildungsbereich.

Dazu trägt das Projekt „ReKli:B“ mit einem innovativen methodisch-didaktischen Konzept bei und bindet die integrierte Betrachtung von Klimaschutz, Klimaanpassung und Schutz der Biodiversität in formale und non-formale Bildungsangebote ein. Die Materialien für das handlungsorientierte Lernen sowie die Fortbildung von Lehrenden verknüpfen dabei das Erkennen von Arten, die Analyse klimasensitiver Phänomene und die Beurteilung von Klimafolgen auf ökosystemare Zusammenhänge zur Ableitung nachhaltiger Anpassungsstrategien.


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Weitere Infos

Pädagogische Hochschule Heidelberg, Abteilung Geographie, Research Group for Earth Observation (rgeo)
Heidelberg

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