Mit Grabegabel und Kochlöffel - Jung und Alt auf dem Gemüseacker

Weiterentwicklung:

Seit Sommer 2017 arbeiten wir mit der Seniorenresidenz „Haus Rosenpark“ in Hemmingen zusammen. An den Terminen nehmen - je nach Wetter und körperlicher Verfassung – bis zu sechs Bewohner*innen teil. Hier werden intensive Begegnungen zwischen Kindergartenkindern und den alten Menschen ermöglicht, aus denen sich mehr Verständnis für die Lebenssituation der anderen Generation entwickelt. 2018: Das Thema Boden und Bodenlebewesen wurde verstärkt in den Blick genommen: Kompostuntersuchungen, Regenwurm-Schauglas, Lockern statt Umgraben als Schutz für das Bodenleben. Wir haben für das Projekt 1000 Gärten unterschiedliche Soja-Sorten angebaut um uns an der Entwicklung von standortangepassten Soja-Sorten zu beteiligen. 2019 werden wir noch mehr Getreidevielfalt anbauen: Hirse, Amarant, Blauen- und Erdbeermais, Emmer, Einkorn, alte Weizen- und Gerstensorten. So weisen wir auf die Vielfalt an Getreide – und das Problem der Sortenverarmung hin. Wir werden 2019 einen Färbergarten anlegen und damit eine ganz andere Gruppe von Pflanzen sowie deren Nutzung vorstellen. Schließlich werden wir mit den Kindern und Senior*innen ein Insektenhotel bauen, dass im Herbst an der Seniorenresidenz gemeinsam aufgestellt wird. Die Residenz dient durch die Besuchenden der Einrichtung als Multiplikator für unsere gemeinsamen Anstrengungen gegen die Verarmung der Insekten-und Blütenvielfalt. Zurzeit arbeiten wir an einer neuen Homepage, auf der das Projekt und die Auszeichnung ausführlich dargestellt werden.

Ursprüngliche Bewerbung:

"Sibirisches Birnchen und gelbes Posthörnchen an Violetta". So könnte eines der einfachen Gerichte lauten, die beim Projekt "Mit Grabegabel und Kochlöffel" direkt auf dem Acker zubereitet werden: Auf dem Heuhüpfer-Acker treffen sich Kindergartengruppen mit Senior*innen, um Gemüse und Getreide anzubauen und zu kochen. Dabei werden gerne unbekanntere Kulturen und alte Sorten ausgewählt.
Außerdem werden auf dem Acker kleine Biotope erschaffen.
Durch gemeinsame Arbeit, Beobachtung, Spaß, Genuss und Erleben mit allen Sinnen wird bei den Kindern der Grundstein für eine achtsame Haltung gegenüber Nahrungsmitteln, Natur und ihrer Vielfalt gelegt. Die Erwachsenen lernen Grundlagen des ökologischen Landbaus und der naturnahen Gartengestaltung kennen.

Der Heuhüpfer e. V. ist ein außerschulischer Lernort auf einem Biolandbetrieb. Schon lange baut der Verein mit Kindergarten- oder Schulkindern gemeinsam Gemüse auf dem vereinseigenen Acker an. Neu ist die Zusammenarbeit mit Senior*innen: Von März bis Oktober trifft sich eine Kindergartengruppe etwa alle 4 Wochen mit einer Gruppe von Senior*innen auf dem Heuhüpfer-Acker, um gemeinsam zu arbeiten
Sortenvielfalt:
Neben den gängigen Gemüsesorten werden viele Kulturen angebaut, die auf dem Speiseplan der Familien selten zu finden sind: Mangold, Pastinake und Steckrübe, Wintersalat, Wintererbse... Damit werden die Beteiligten auf die Vielfalt an saisonalem und regionalem Gemüse aufmerksam gemacht. Die vor Ort aus diesem Gemüse zubereitete Mahlzeit weckt sowohl bei den Kindern als auch bei den Erwachsenen Lust daran, den eigenen Speiseplan abwechslungsreicher und saisonaler zu gestalten.
Der Heuhüpfer e. V. greift gerne auf alte Sorten zurück und vermehrt diese. Bezogen wird das Saatgut hierfür vom Vermehrungsgarten in Hannover. Der Schwerpunkt liegt bei alten Getreidesorten und-arten (Rotkornweizen, Emmer, Hirse), bei Bohnen (Gelbes Posthörnchen, Kaliningrad) oder Tomatenraritäten. Das gesammelte Saatgut wird an die Teilnehmenden zur Nutzung im eigenen Garten weitergegeben oder auch bei öffentlichen Veranstaltungen verteilt. Damit trägt das Projekt zur Verbreitung alter, samenfester Sorten - also zum Erhalt genetischer und biologischer Vielfalt - bei.
Ressourcenschonende Anbauweise:
Der Acker unterliegt den Bioland-Richtlinien. Dies beinhaltet eine nützlingsschonende bzw. -fördernde Wirtschaftsweise: Auf dem Acker werden zum Schutz vor Schädlingen Jauchen angewendet. Diese werden gemeinsam mit den Teilnehmenden angesetzt und ausgebracht. Zur Düngung werden Komposthaufen aufgesetzt und gepflegt. Dabei werden die Kompostlebewesen im wahrsten Sinne des Wortes unter die Lupe genommen und beobachtet. Das Erleben dieser lebendigen Erde führt dazu, dem gesamten Boden respektvoller gegenüber zustehen. Dementsprechend spielen eine schonende Bodenbearbeitung und der Anbau von Gründüngungen eine große Rolle.
Beikräuter stören auf dem Heuhüpfer-Acker nur in der direkten Konkurrenz zur Kulturpflanze. An anderen Stellen dürfen sie stehen bleiben und werden gerne auch mal als Salat oder im Kräuterquark verzehrt. Dazu werden sie vorher bestimmt - das genaue Erfassen der Kräuter dient dazu, das Auge für die Wahrnehmung der Pflanzenvielfalt zu schulen.
Schaffung von Biotopen:
Gemeinsam werden Projekte zum Schutz der Artenvielfalt auf dem Acker geplant. Je nach Wahl der Gruppen können Blühstreifen für Insekten angelegt werden, Trockenmauern gebaut oder Nistkästen aufgehängt werden. Auch das große, schon vorhandene Insektenhotel wird regelmäßig "renoviert". Wichtig ist hierbei neben der Anlage der Biotope auch deren Beobachtung: Bestimmung der unterschiedlichen Hummelarten im Blühstreifen, Beobachtung der Entwicklung eines Hummelvolkes im Hummelkasten, Benennung der Kompostbewohner anhand eines Bestimmungsschlüssels, und generell ist der beim Ackern entdeckte Käfer wichtiger, als die Tatsache, dass jetzt noch Salat zu pflanzen wäre
Soziale Komponente:
Jung und Alt kommen zusammen um sich über alte Kulturtechniken des Gärtnerns und des Kochens auszutauschen. Die Kinder profitieren von den Erfahrungen der Alten. Die Senior*innen werden durch die Kinder aus der Isolation geholt. Ihr Wissen wird wert geschätzt und die Kinder lieben alte Geschichten.
Multiplikator Effekt:
Die Kindergarten - Senior*innen-Gruppe erschafft einen Acker, der viele Komponenten der biologischen Vielfalt enthält. Dies wirkt sich nicht nur auf den eigentlichen Heuhüpfer-Acker aus. Die Beteiligten lassen Erlebnisse und Anregungen in ihre eigenen Gärten, auf den eigenen Balkonen oder auch in ihr Einkaufsverhalten einfließen - die Kinder dienen dabei als Botschafter in ihre Familien.
Der Acker steht auch anderen Gruppen, die den Hof besuchen, zur Besichtigung zur Verfügung. Die Wirkung dieses Projektes reicht also über die enge Zielgruppe derer, die den Acker bewirtschaften hinaus und trifft viele sonstige Besucher*innen der Hofes.


Bezug zur biologischen Vielfalt:

Alte, in Vergessenheit geratene Kulturen und Sorten werden den Teilnehmenden und sonstigen Gruppen vorgestellt. Die Vielfalt auf dem Heuhüpfer- Acker regt zur Vielfalt im eigenen Garten und auf dem eigenen Teller an. Dies sorgt neben saisonaler Ernährung für Erhalt der Sorten- und der genetischen Vielfalt von Kulturpflanzen.
Die biologische Wirtschaftsweise schützt eine biologische Vielfalt sowohl bezogen auf Insekten als auch auf Beikräuter.
Durch das Erschaffen ökologischer Nischen und kleiner Biotope wird die Vielfalt an Insekten zusätzlich gefördert - vor Ort und im heimischen Garten oder auf dem Balkon.


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Besuchen Sie uns

Heuhüpfer e. V.

Hauptstrasse 31
30966 Hemmingen

Öffnungszeiten: nach Vereinbarung

Frau Elisabeth Seiler
Tel.:05101-9903399
seiler@heuhuepfer.de
http://www.heuhuepfer.de

 

Weitere Infos

Heuhüpfer e. V.
Hemmingen

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