Faunistischer Artenschutz durch Landratsamt Vogtlandkreis

Weiterentwicklung:

Projekt Goldener Scheckenfalter Seit der Auszeichnung wurde eine Fülle von Maßnahmen umgesetzt, die zu einer Erweiterung und Verbesserung der Habitatbedingungen des Falters geführt haben. Die letztjährige Evaluierung zeigte mit einer Rekordanzahl an Raupengespinsten einen positiven Projektverlauf an. In verschiedenen Habitaten konnten die Larvalhabitate erweitert werden, auf einer Entwicklungsfläche ist die Art nach mehrjähriger Absenz wieder als sich selbständig reproduzierende Teilpopulation einzustufen. Wesentliche Maßnahmen sind zwei Feuchtwiesen-Renaturierungen durch die Umwandlung ca. 35-jähriger Blaufichtenbestände mit einer Gesamtfläche von ca. 1,4 ha, einschließlich der dafür erforderlichen und der initiierten Folgepflege. Mittels Plaggen des Oberbodens und Ansalbung von Succisa-Samen wurden an ausgewählten Stellen Voraussetzungen zur Wieder- oder Neubesiedelung auf Trittsteinen geschaffen. Projekt Flussperlmuschel Die Nachzucht wird fortgesetzt. 2018 konnte das bisherige Rekordergebnis von mehr als 100.000 geernteten Jungmuscheln erzielt werden. Die Jungmuscheln dienen dem Biomonitoring und dem Aufbau einer neuen, sich mittel- bis langfristig hoffentlich selbständig reproduzierenden Muschelgeneration. Zur Verbesserung des Eintrags günstigen Detritus wurde ein naturferner Zufluss zum Muschelgewässer Raunerbach in einem Abschnitt renaturiert und mit Uferabflachungen restrukturiert. Die Lauflänge des einst begradigten Abschnittes wurde von 95 auf 145 Meter verlängert.

Ursprüngliche Bewerbung:

Im Vogtlandkreis leben die letzten sächsischen Vorkommen zweier hochgradig gefährdeter Tierarten: Flussperlmuschel und Goldener Scheckenfalter. Beide Arten sind in Anhang II der FFH-Richtlinie gelistet und Zielarten der deutschen Biodiversitäts-Strategie. Der Vogtlandkreis ist Projektpartner zweier Förderprojekte des BfN im Rahmen des Bundesprogrammes zur Biologischen Vielfalt. Doch die Schutzbemühungen der Kreisbehörde für beide Arten halten schon deutlich länger an.

Unter der Federführung der unteren Naturschutzbehörde engagiert sich der Vogtlandkreis seit vielen Jahren für zwei in Sachsen vom Aussterben bedrohte Tierarten, nämlich die Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera) und den Goldenen Scheckenfalter (Euphydryas aurinia).
Projekt Flussperlmuschel
Bereits seit 2011 führt der Landkreis Artenhilfsmaßnahmen in Form der halbnatürlichen Nachzucht durch. Dadurch sollen die noch vorhandenen drei sächsischen Reliktpopulationen im Aufbau einer neuen Muschelgeneration unterstützt werden, da eine natürliche Reproduktion in den Vorkommensgewässern seit Jahrzehnten nicht stattgefunden hat. Eigens für diesen Zweck wurde von der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt (LANU) aus einem im Verfall begriffenen alten Bauernhaus eine Muschelzuchtstation errichtet, die der Vogtlandkreis seit ihrer Fertigstellung angemietet hat. Mit finanzieller Förderung durch die LANU wurden vom Vogtlandkreis alle erforderlichen Teilschritte der Muschelnachzucht durchgeführt. Hierzu gehört die Vergabe von Werkverträgen an Spezialisten für die Trächtigkeitskontrollen, Entnahme von Muschellarven und anschließende Infektion von Wirtsfischen im Spätsommer/Herbst, für die Hälterung und Betreuung der Wirtsfische über das Winterhalbjahr sowie die Betreuung der Selektion der Jungmuscheln im Frühjahr des Folgejahres. Für diese äußerst aufwändige Arbeit wurden eigens zwei Mitarbeiter des Vogtlandkreises geschult und fortgebildet. Die in ihren Kiemen Jungmuscheln tragenden Bachforellen werden im Frühjahr in die Muschelzuchtstation überführt, wo das Abfallen und die Aufsammlung der nur ca. 0,5 mm kleinen Jungmuscheln unter kontrollierten Bedingungen stattfindet. Diese werden vorsichtig unter dem Binokular selektiert und zunächst in Boxen für die weitere Gesundheitskontrolle und Fütterung gehalten. Im Spätsommer erfolgt deren Umsetzung in spezielle Lochplattenkäfige, in denen sie die erste Überwinterung in den zukünftigen Zielgewässer verbringen. Auf diese Art und Weise wird das erste Lebensstadium der Jungmuscheln in kontrollierte und geschützte Verhältnisse gelenkt, so dass die Mortalität gegenüber dem natürlichen Reproduktionsvorgang auf ein Minimum reduziert werden kann. Die halbnatürliche Nachzucht wird vom Vogtlandkreis seit 2015 in einem vom BfN geförderten Bundesprojekt, an dem insgesamt acht Forschungs- und Umsetzungspartner mitarbeiten, fortgeführt. Ergänzt werden diese reinen Artenhilfsmaßnahmen durch strukturverbessernde Maßnahmen an den Perlbächen und ihren Zuflüssen. Zur Verringerung diffuser Nähr- und Schadstoffeinträge in die Vorkommensgewässer werden darüber hinaus Landwirtschaftsbetriebe hinsichtlich einer gewässerschonenden Bewirtschaftung ihrer Flächen informiert und zur Teilnahme an Umweltprogrammen animiert. Letztendlich unterstützt der Vogtlandkreis das Gesamtprojekt im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit, z.B. beim Tag der offenen Tür in der Zuchtstation oder der Erstellung der projekteigenen Website (www.flussmuscheln.de).
Projekt Goldener Scheckenfalter
Annähernd 100 % der letzten autochthonen Vorkommen dieses europaweit gefährdeten Tagfalters leben heute auf Eigentumsflächen des Vogtlandkreises im Schutzgebietskomplex Grünes Band an der ehemals innerdeutschen Grenze. Bereits vor 15 Jahren erwarb der Landkreis mit Fördermitteln des sächsischen Umweltministeriums einen Teil dieser Lebensräume. Mit der kostenfreien Übertragung weiterer Bundesflächen im Rahmen der Umsetzung des Nationalen Naturerbes wurde der Vogtlandkreis beinahe alleiniger Besitzer der sächsischen Habitate dieses Falters. Sich dieser großen Verantwortung bewusst, engagiert sich die Naturschutzbehörde des Landkreises seit der letzten Verwaltungsreform im Jahr 2008 und der damit einhergehenden Zuständigkeit intensiv mit dem Schutz und Management der Habitate. Um die im Spätsommer sichtbaren Gespinste der Jungraupen bei der Wiesenmahd und -pflege nicht zu gefährden, werden diese vorher gesucht und entsprechend markiert. Bei der Mahd werden dann Inseln mit den Raupengespinsten und einer ausreichenden Anzahl weiterer Raupenfraßpflanzen (Succisa pratensis) stehen gelassen, so dass die Reproduktion nicht gefährdet und ein möglichst großer Erfolg verzeichnet wird. Im Rahmen des ebenfalls 2015 gestarteten Bundesprojektes, welches mit dem Bund Naturschutz, Kreisgruppe Hof gemeinsam und damit landkreis- und bundesländerübergreifend durchgeführt wird, wird eine Vielzahl weiterer Maßnahmen umgesetzt. Neben der Sicherung der Vorkommen in den jetzigen Habitaten wird deren deutliche Flächenerweiterung durch die Renaturierung von Feuchtwiesen angestrebt. Die Eiablage- und Raupenfraßpflanze Teufelsabbiss soll in ihrer Dichte durch die Schaffung von Rohböden und das Ansalben bzw. Auspflanzen deutlich gesteigert werden, so dass zusätzlich geeignete Reproduktionsflächen in vor Kurzem verwaisten Habitaten eine Wiederansiedlung der Art und damit eine Arealerweiterung ermöglichen (weitere Informationen s. www.scheckenfalter.de).

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Beide Arten, die in Anhang II der FFH-Richtlinie gelistet sind, gelten als Zielarten der bundesdeutschen und sächsischen Biodiversitätsstrategie. Darüber hinaus sind sie Schirmarten stark gefährdeter Biotoptypen. Ihr Schutz sowie die Habitatverbesserung und -vergrößerung kommt einer Vielzahl weiterer gefährdeter Arten zugute, so z.B. Bachneunauge und Westgroppe, Arnika, Wald-Läusekraut, Skabiosenschwärmer und Baldrian-Scheckenfalter.


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Besuchen Sie uns

Muschelzuchtstation im Rauner Grund/NSG Dreiländereck

Bahnhofstr. 46-48
08523 Plauen

Öffnungszeiten: nach Vereinbarung

Herr Thomas Findeis
Tel.:03741/300-2145
findeis.thomas@vogtlandkreis.de
http://www.vogtlandkreis.de; www.naturschutz-vogtland.de

 

Weitere Infos

Vogtlandkreis, untere Naturschutzbehörde
Plauen

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