Totholz in sonniger Lage für den prächtigen Alpenbock

Der Alpenbock (Rosalia alpina) ist durch seine imposante Größe und prächtige Färbung unverwechselbar. Diese besonders geschützte Käferart kommt in Deutschland nur auf der Schwäbischen Alb und in den Alpen vor. Mehrere Jahre braucht die Entwicklung vom Ei bis zum erwachsenen Tier und sie findet in Totholz in besonnter Lage statt. In enger Kooperation mit den Landesbehörden führt der Bundesforstbetrieb Heuberg verschiedene Maßnahmen durch, um geeignete Habitatstrukturen für den Alpenbock zu fördern. Das Vorkommen dieses prächtigen Käfers auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen soll damit gesichert und möglichst vergrößert werden - ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt.

Der Alpenbock (Rosalia alpina) erreicht eine Körperlänge von etwa 40 mm, dazu kommen noch die mindestens genauso langen Fühler. Er gehört damit zu den großen Vertretern der Bockkäfer und die prächtig blaue Farbe mit schwarzen Flecken machen ihn unverwechselbar. Für die Eiablage in den Sommermonaten Juni bis August braucht das Weibchen ganz oder teilweise abgestorbenes Holz in besonnter Lage. Es dauert gewöhnlich 2-4 Jahre, bis ein Käfer ausschlüpft und ein charakteristisches, etwa 9 mm langes und 6 mm breites, ovales Ausschlupfloch hinterlässt.

Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen konnte die Art im westlichen Bereich an mehreren Stellen nachgewiesen werden. Das einstige Militärgelände wird seit dem Abzug der Soldaten im Jahr 2005 durch den Bundesforstbetrieb Heuberg auf der ganzen Fläche betreut. Für die Bewirtschaftung der Wälder und der Offenlandflächen wird Fachpersonal eingesetzt.

Das Gebiet zeichnet sich durch eine hohe Naturschutzwertigkeit aus und ist Teil des FFH-Gebietes "Münsinger Alb". Die Aufgabe der militärischen Nutzung und Konversion des Geländes war Anstoß zur Gründung des UNESCO-Biosphärenreservates Schwäbische Alb. Eine enge Kooperation zwischen dem Bundesforstbetrieb Heuberg und den Landesbehörden hat sich seit vielen Jahren bewährt.

Das Regierungspräsidium Tübingen hat für das FFH-Gebiet einen Managementplan erstellt und dabei wurde auch der Bestand des Alpenbocks untersucht. Bei den Erhebungen im Jahr 2012 wurden acht Bruthölzer erfasst und insgesamt 52 ältere Schlupflöcher und 17 als aktuell zu bewertende Käfer-Ausschlupflöcher gefunden. Außerdem konnten adulte Käfer beobachtet werden. Der Artenschutzexperte hat auf dieser Grundlage Empfehlungen zum Erhalt und zur Förderung geeigneter Habitatstrukturen für den Alpenbock formuliert. Durch den Bundesforstbetrieb Heuberg wird das Brutholzangebot für den Alpenbock insbesondere dadurch gefördert, dass geeignetes Totholz nicht entfernt wird, soweit dies aus anderen Gründen nicht zwingend notwendig ist.

Zusätzlich werden durch verschiedene Maßnahmen gezielt weitere potentielle Bruthölzer geschaffen:

Während der Wintermonate lässt der zuständige Revierleiter geeignete Bruthölzer freistellen, sodass keine unerwünschte Beschattung durch Naturverjüngung aufkommt. Frisch geschlagenes Holz für den Verkauf wird spätestens im Frühjahr abtransportiert, damit keine Eiablage durch ein Alpenbockweibchen erfolgen kann, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu keiner vollständigen Entwicklung führen wird.

Neben diesen forstwirtschaftlichen Maßnahmen werden seit mehreren Jahren Sprengübungen des Technischen Hilfswerkes (THW) genutzt, um weitere Bruthölzer für den Alpenbock zu schaffen. Das THW muss im Rahmen von Hilfseinsätzen bei Katastrophen manchmal auch Sprengstoffe einsetzen, um beispielsweise Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Auf dem ehemaligen Schießplatz hat das THW optimale Bedingungen für die erforderlichen Lehrgänge. Eine der Übungen besteht darin, die Wipfel von Buchen in einer Höhe von mehreren Metern zu sprengen, sodass stehendes und liegendes Totholz entsteht.

Nicht zuletzt wird durch eine extensive Schafbeweidung eine Kulturlandschaft bewahrt, die sich durch fließende Übergänge zwischen Wald und Offenland mit zahlreichen vorgelagerten Gehölzgruppen und Weidbäumen auszeichnet. Damit wird ein Zuwachsen von Brutbäumen durch Nutzungsaufgabe und nachfolgender Gehölzsukzession verhindert.

Durch die Kombination der genannten Maßnahmen erhofft sich der Bundesforstbetrieb Heuberg eine Förderung geeigneter Habitatstrukturen für den Alpenbock und damit auch eine Erhöhung der biologischen Vielfalt. Ein Artenschutzbeauftragter des Regierungspräsidiums Tübingen beobachtet die Entwicklung der Population und gibt bei Bedarf weitere Empfehlungen.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Der Alpenbock (Rosalia alpina) ist eine prioritäre Käferart der FFH-Anhänge II und IV und in Baden-Württemberg als stark gefährdet eingestuft. In Deutschland kommt der imposante Käfer nur auf der Schwäbischen Alb und in den Alpen vor. Die Förderung dieser besonders geschützten Art auf dem einstigen Militärgelände leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt.


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Dokumente

Presseartikel Ein Refugium für den Alpenbock

 

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Ehemaliger Truppenübungsplatz Münsingen

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Öffnungszeiten: Innerhalb des freigegebenes Wegenetzes ist das einstige Miliärgelände zugänglich.

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