„Summendes Rheinland“ – Landwirte für Ackervielfalt

Unter dem Motto „Landwirte für Ackervielfalt“ setzt sich das Projekt „Summendes Rheinland“ für die Aufwertung von Offenlandlebensräumen in intensiv genutzten Agrarlandschaften ein. Die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, eine gemeinnützige Naturschutzstiftung, führt das Projekt im Naturraum Niederrheinische Bucht durch.
Bereits seit 2014 unterstützt das Projekt die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft, indem Blühsäume aus wertvollem Regio-Saatgut eingesät, blühende Zwischenfrüchte angelegt und spezielle Wildbienen-Nisthilfen („Bestäuber-Gabionen“) installiert werden. Die umgesetzten Maßnahmen tragen nicht nur zur Verbesserung des Lebensraumes für Insekten, Vögel und viele weitere Tiergruppen bei, sondern bilden auch ein Bindeglied zwischen Landwirtschaft und breiter Öffentlichkeit. Hiermit zeigt das Projekt auf innovative Weise, was kooperativer Naturschutz zum Erhalt und zur Aufwertung biologischer Vielfalt in der Agrarlandschaft leisten kann.


In fruchtbaren Agrarlandschaften reihen sich große Anbauflächen oftmals nahtlos aneinander, sodass es vielerorts an Strukturen als Lebensraum und -grundlage für Tier- und Pflanzenarten fehlt.
Gerade in intensiv genutzten Ackerbauregionen, wie der Niederrheinischen Bucht in Nordrhein-Westfalen, besteht somit großer Bedarf, aber auch großes Potential für die Schaffung wertvoller natürlicher Strukturen. Von diesen können bei entsprechender Gestaltung wichtige Bestäuber wie Wildbienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen profitieren, aber auch Feldvögel, Säugetiere und viele weitere Arten der Offenlandschaften.

Kooperative Umsetzung neu entwickelter Maßnahmen: Innovativ und nachhaltig

Im Rahmen des Projektes werden in Zusammenarbeit mit Landwirten drei verschiedene Maßnahmentypen umgesetzt, die z.T. eigens für das Projekt entwickelt wurden: Anlage blühender Zwischenfrüchte, Einsaat von Blühsäumen an Ackerrändern und Installation von Wildbienen-Nisthilfen.

• Blühende Zwischenfrüchte werden nach der Ernte der Hauptkultur gesät und gelangen schnell zur Blüte, wodurch sie ein für Insekten ansprechendes Futterangebot im Spätsommer und Herbst liefern. Im Rahmen des Projektes wurde eine artenreiche Saatgutmischung entwickelt, welche durch die Sortenwahl die Bedürfnisse von Bestäubern und Landwirtschaft gleichermaßen berücksichtigt. Auch Feldvögel und Säugetiere profitieren von der großen Insektendiversität, dem Samenangebot sowie der Deckung im Winter.
• Mehrjährige Blühsäume aus Regio-Saatgut heimischer Wildpflanzen können von vielen Tieren als Nahrungshabitat, Paarungs- und Brutplatz genutzt werden. Aufgrund ihrer langgestreckten Form eignen sich Säume besonders zur Vernetzung von Lebensräumen (Korridorfunktion). Die gewählte Saatgutmischung bietet über den Sommer hinweg ein stetiges Blütenangebot. Hierdurch werden Trachtlücken geschlossen und unterschiedliche Flugzeiten der Insektenarten berücksichtigt.
• Speziell entwickelte „Bestäuber-Gabionen“ ergänzen die Biotopausstattung um geeignete Nistplätze für Wildbienen. Sie bestehen aus Drahtgitter-Gabionen, die standortspezifisch mit verschiedenen Materialien befüllt werden und so vielen Arten als Nistplatz dienen können. Sie ermöglichen zudem, Wildbienen gezielt zu beobachten.

Dauerhafte Effekte angestrebt
Die Maßnahmen werden stetig weiterentwickelt, sodass sie einerseits den Anforderungen des Naturschutzes gerecht werden und sich andererseits problemlos in den Betriebsablauf der Landwirte integrieren lassen. Nach dem Projektende sollen die Maßnahmen in landes- und bundesweite Förderprogramme übertagen werden können. So soll das Projekt auch über seine reguläre Laufzeit (bis Oktober 2019) hinaus einen dauerhaften Beitrag zur Erhaltung und Aufwertung der biologischen Vielfalt in Agrarlandschaften leisten.

Akteure: So vielfältig wie die Kulturlandschaft
In das Projekt eingebunden sind Akteure aus Naturschutz und Landwirtschaft: Das Projekt wird geleitet von der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, die Maßnahmen werden mit Landwirten vor Ort umgesetzt, die Weiterentwicklung und Evaluation der Maßnahmen erfolgt durch beauftragte Faunisten, die Landwirtschaftskammer NRW und das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF). Zusätzlich wird eine ökonomische Maßnahmenbewertung von der Fachhochschule Kiel entworfen, welche die Eignung für langfristige Förderprogramme prüft.

Kommunikation biologischer Vielfalt in der Öffentlichkeit: Diversität multiplizieren
Ein weiterer Aspekt des Projekts umfasst die ästhetische Aufwertung der Agrarlandschaft. Passanten sollen sich vom neu entstandenen Landschaftsbild angesprochen fühlen und die Vielfalt der Kulturlandschaft „vor der eigenen Haustür“ erleben können. An den Maßnahmenflächen installierte Tafeln informieren über den ökologischen Nutzen der Maßnahmen und motivieren zu eigenem Engagement. Ein konstruktiver Dialog der Bevölkerung mit den am Projekt teilnehmenden Landwirten wird auf diese Weise ebenfalls unterstützt.
Die Projektmitarbeiter besuchen Feldtage, referieren auf Fachveranstaltungen und organisieren Tagungen zum Thema Naturschutz auf landwirtschaftlichen Flächen. Der weiteren Information von Landwirten und der Öffentlichkeit dienen eigens erstellte Informations-Blätter, die sich z. B. mit den einzelnen Maßnahmen sowie Möglichkeiten zum Schutz von Bestäubern befassen.

Biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft? Ja, das geht!
Bisher konnten 37 Landwirte für eine Teilnahme am Projekt gewonnen werden, wodurch alle drei Maßnahmentypen bereits erfolgreich umgesetzt werden:
Seit 2013 wurden über 30 Kilometer Blühsäume und 180 Hektar blühende Zwischenfrüchte angelegt sowie Nisthilfen aufgestellt.
Die Wirksamkeit der Maßnahmen für Wildbienen und Tagfalter wird seit dem Jahr 2015 anhand faunistischer Erfassungen geprüft. Im Rahmen dieser Untersuchungen wurde im Frühjahr 2016 eine für NRW neue Wildbienenart, die Zweizellige Sandbiene (Andrena lagopus), nachgewiesen.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Blütenbesuchende Insekten nehmen als Bestäuber von Wild- und Kulturpflanzen eine Schlüsselfunktion in Agrarökosystemen ein. Nicht nur die Individuenzahl, sondern auch die Diversität der Bestäuberarten ist für eine erfolgreiche Bestäubung wichtig. Das Projekt hat sich daher die Förderung der Blütenbesucher-Diversität zum Ziel gesetzt und bedient sich hierbei der Maßnahmen „Blühende Zwischenfrüchte“, „Blühsäume“ und „Bestäubergabionen“.
Die Einsaaten der Zwischenfrüchte sowie der Säume fördern auch die Diversität weiterer Tiergruppen, indem sie Nahrung (Insekten, Samen) sowie Lebensräume mit geringer Störungsintensität bereitstellen.
In die Mischung der Säume wurden verschiedene Blütentypen integriert, um für möglichst viele spezialisierte Bestäuber Nahrung bereitstellen zu können. Wildbienen- und Tagfaltererfassungen überprüfen den Einfluss der Maßnahmen auf die Diversität dieser Artengruppen.
Das Projekt leistet ebenfalls einen Beitrag zur Erhaltung der Phytodiversität, da die Säume aus heimischen Wildpflanzen regionaler Herkunft bestehen. Im Projektgebiet werden zudem seltene Wildkräuter gesammelt und vermehrt um diese in die Blühsäume zu integrieren und ein lokales Aussterben zu verhindern.
Das Projekt sensibilisiert sowohl Akteure aus der Landwirtschaft als auch eine breite Öffentlichkeit für die Bedeutung Biologischer Vielfalt in der Agrarlandschaft - getreu dem UN-Dekade-Motto „Vielfalt bewahren – als Partner der Natur“.


Bild 1
Bild 2

Bild 3
Bild 4

Dokumente

Infoblatt Zwischenfrüchte anlegen 2016

Infoblatt Blühsäume anlegen 2016

Infoblatt zur innerhalb des Projekts entwickelten Bestäuber-Gabione als Nisthilfe für Wildbienen mit nützlichen Tipps für den Bau einer eigenen Wildbienen-Nisthilfe

Infoblatt über die Bedeutung von Wildbienen in der Agrarlandschaft

Infoblatt über die Lebensraumansprüche von Wildbienen

 

Besuchen Sie uns

Stiftung Rheinische Kulturlandschaft

Rochusstraße 18
53123 Bonn

Öffnungszeiten: 8 - 17 Uhr

Herr Dr Heiko Schmied
Tel.:0228 -9090721-0
stiftung@rheinische-kulturlandschaft.de
http://www.rheinische-kulturlandschaft.de/themen-projekte/kulturlandschaft-erhalten-und-foerdern/summendes-rheinland-landwirte-fuer-ackervielfalt/

 

Weitere Infos

Stiftung Rheinische Kulturlandschaft
Bonn

Aktuelles, Projekte und Termine in unserem Newsletter
*Pflichtfeld