Genetische Vielfalt beim Haushuhn bewahren

Nicht nur Wildtiere können aussterben. Auch Haustierrassen können für immer verschwinden, wenn sie nicht mehr gehalten und gezüchtet werden. Um die Rassenvielfalt und somit die Biodiversität bei Haushühnern langfristig zu erhalten, wird im Rahmen des Modell- und Demonstrationsvorhabens genetisches Material von 12 alten, einheimischen und bedrohten Hühnerrassen tiefgefroren konserviert.

Im Zuge der Industrialisierung wurde auch die Landwirtschaft revolutioniert. Bei allen Nutztierarten richtete sich der züchterische Fokus auf nur wenige, spezialisierte Rassen. So werden z. B. alle weißschaligen Eier europaweit, statt wie früher von vielen verschiedenen Rassen, heute von intensiv gezüchteten Legehybriden gelegt. Vor diesem Hintergrund wurden die alten, einst landwirtschaftlich genutzten Rassen verdrängt.

Diese alten Rassen können mit den hochspezialisierten Zuchtlinien in ihrer Leistung nicht mithalten. Dennoch bringen sie andere Eigenschaften mit sich, z. B. eine Anpassung an eine bestimmte geographische Region, die spezifische Anforderungen an die Tiere stellt. Es ist noch unklar, inwiefern die verschiedenen alten Rassen mit allgemein verbreiteten Krankheiten umgehen können oder ob ihre Genetik, nicht nur diesbezüglich, noch einmal von Nutzen sein kann.

Um die Biodiversität bei Haushühnern dauerhaft sicherzustellen, wird genetisches Material in Form von Hahnensperma von 12 gefährdeten, einheimischen und einst landwirtschaftlich genutzten Rassen eingefroren. Diese ausgewählten Rassen stammen alle von der Liste alter, einheimischer Geflügelrassen in Deutschland, die die derzeitigen Populationsgrößen und die Gefährdungsgrade berücksichtigt.

Für das Projekt werden 15 möglichst unverwandte Hähne pro Rasse ausgewählt. Da diese Hähne alle gleich alt und unter gleichen Bedingungen aufgewachsen sein müssen, beginnt das Projekt zu dem Zeitpunkt, zu dem die Eier gelegt werden. Für die Zielgröße von mindestens 15 geeigneten Hähnen müssen mindestens 150 Bruteier ausgebrütet werden können. Diese Bruteier werden von verschiedenen Züchtern aus ganz Deutschland gesammelt, um eine möglichst hohe genetische Variation zu gewährleisten.

Dabei arbeiten viele starke Partner zusammen. Maßgeblich an der Koordination der Bruteibeschaffung, der Brut und der Aufzucht der Küken, sowie der späteren Auswahl der Hähne, ist der Wissenschaftliche Geflügelhof des BDRG (WGH) beteiligt. Der WGH ist eine außeruniversitäre Einrichtung, die sich mit der Erforschung von Geflügel beschäftigt. Sie wird vom Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter e.V. getragen, einem Verein mit deutschlandweit rund 150.000 Mitgliedern.

Unterstützung erfährt der WGH hierbei von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH). Um die genetische Verwandtschaft der Hähne untereinander ermitteln zu können, werden Blutproben im Institut für Nutztiergenetik des Friedrich-Loeffler-Instituts in Mariensee (FLI) molekulargenetisch analysiert. Dort werden auch die Spermien der Hähne gewonnen, aufbereitet, auf Qualität geprüft und vor Ort in Tiefgefriercontainern der Deutschen Genbank als später zu verwendende Besamungsportionen eingelagert. So wird auch bei anderen landwirtschaftlichen Nutztierarten und –rassen verfahren, deren Bestand gefährdet ist.

Gleichzeitig bleiben die Schwesterhennen der Hähne am WGH, um vor Ort die Legeleistung zu erfassen. Hierbei geht es vorrangig um die Anzahl gelegter Eier, das Eigewicht, sowie weitere Qualitätsmerkmale. Diese Daten sind in Bezug auf die potentielle landwirtschaftliche Nutzung von Interesse. Zusätzlich werden Bruteier an Interessenten abgegeben, um die Verbreitung der Rassen zu fördern. Auch die Tiere, die für das Projekt nicht zum Tragen kommen, werden weitervermittelt, sowohl zur Bestandsauffrischung oder aber auch, um neue Züchter für diese Rassen zu gewinnen.

Informationen rund um das Thema werden in Fachvorträgen und -artikeln veröffentlicht, aber vor allem im Rahmen von Führungen im WGH vermittelt. An diesen Führungen kann jeder Interessierte nach einer vorherigen Anmeldung teilnehmen und die Lebendgenreserve in Form vieler schöner Hühner hautnah erleben. Es werden auch spezielle Kinderführungen angeboten, in denen Lerninhalte spielerisch vermittelt werden. Dabei steht beim Hühner- und Kükenstreicheln natürlich der hautnahe Kontakt mit dem lieben Federvieh im Mittelpunkt.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Das Projekt „Genetische Vielfalt beim Haushuhn bewahren“ (Kryoreserve beim Huhn) startete im Jahr 2013 und wird mindestens bis in das Jahr 2017 weitergeführt. Über diesen Zeitraum wird das Projekt durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert. Die Förderung erfolgt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Die BLE hat sich zum Ziel gesetzt, die Erhaltung und innovative Nutzung der biologischen Vielfalt zu unterstützen. Das Projekt ist ein Beitrag zur Umsetzung des Nationalen Fachprogramms zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung tiergenetischer Ressourcen in Deutschland.


Bild 1
Bild 2

Bild 3
Bild 4

Dokumente

Flyer

Rote Liste

Poster

Artikel in der Geflügelzeitung - Projektjahr 2013

Artikel in der Geflügelzeitung - Projektjahr 2014

Artikel in der Geflügel Börse - Ostfriesische Möwen in der Kryoreserve

 

Besuchen Sie uns

Wissenschaftlicher Geflügelhof des BDRG

Am Landwirtschaftsmuseum 10
41569 Rommerskirchen

Öffnungszeiten: 9 - 16 Uhr

Frau Dr Mareike Fellmin
Tel.:02183-414115
team@wissenschaftlicher-gefluegelhof.de
http://wissenschaftlicher-gefluegelhof.de

 

Weitere Infos

Wissenschaftlicher Geflügelhof des BDRG, Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter e. V., Institut für Nutztiergenetik des Friedrich-Loeffler-Instituts
Rommerskirchen

Aktuelles, Projekte und Termine in unserem Newsletter
*Pflichtfeld