Wilde Heide

Wo früher Panzerketten den Boden aufwühlten, Explosionen und Brände die Landschaft formten, gestalten nunmehr in einem rund 1.860 ha großen Semireservat große Pflanzenfresser wie Wisent, Przewalskipferd und Rothirsch weitgehend unbeeinflusst von menschlichen Einflüssen die Landschaft. Durch ihr Fressverhalten, ihren ausgeprägten Spieltrieb, ihre Vorliebe für Staubbäder und ihre Wanderwege unterdrücken und verzögern die Tiere die Wiederbewaldung, erhalten wertvolle Offenlandstrukturen und tragen somit zur Erhöhung der biologischen Vielfalt bei.

Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide

Luftlinie gerade einmal einen Kilometer liegt sie entfernt von der westlichen Stadtgrenze Berlins, die „Döberitzer Heide“. Hier, unmittelbar vor den Toren der Bundeshauptstadt mit ihren rund vier Millionen Einwohnern, hat sich in rund 300 Jahren, davon mehr als 100 Jahren intensiver, militärischer Nutzung des ehemals etwa 6.000 ha großen Truppenübungsplatzes (TÜP) „Döberitz“, eine Landschaft von außergewöhnlicher Schönheit und hohem naturschutzfachlichen Wert bis in unsere Zeit hinübergerettet.

Große Teile des ehemaligen TÜP „Döberitz“ werden von den Naturschutzgebieten (NSG) „Döberitzer Heide“ und „Ferbitzer Bruch“ eingenommen. Das beide NSG umfassende Areal stellt eine EU-weit einmalige Kombination biologischer, landschaftsökologischer und geomorphologischer Besonderheiten dar, wobei das NSG Döberitzer Heide überwiegend die höher gelegenen trockeneren und das NSG Ferbitzer Bruch mehr die tiefer gelegenen nasseren Bereiche repräsentiert. Außerdem sind weite Bereiche der Heide als FFH Gebiet im Rahmen Natura 2000 gemeldet und als Vogelschutzgebiet (SPA) benannt.

Die Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide ist das zweitjüngste Mitglied in der Familie der Sielmanns Naturlandschaften. 2004 erwarb die Heinz Sielmann Stiftung diese einzigartige Landschaft vor den Toren Berlins und Potsdams und sicherte sie so nachhaltig für die Natur. Auf 1.860 ha des insgesamt 3.550 ha großen Eigentums, initierte die Stiftung ein Wildnisprojekt mit großen Pflanzenfressern, wie es ein solches bundesweist in dieser Tierartenkombination bislang noch nicht gab.

Als erster Baustein des Wildnisgroßprojektes konnte am 20. Mai 2006 das 36 Hektar große Schaugehege mit rund 3,5 km Wanderwegen nahe Elstal eröffnet werden. Von einem diagonal verlaufenden Höhenweg lassen sich hier die drei großen Wildtierarten Wisent (schwerstes europäisches Landsäugetier), Przewalski-Pferd (letztes Wildpferd) und Rothirsch in jeweils mehr als 8 ha großen Gehegen beobachten. Mit der Zucht dieser Wildtierarten trägt die Heinz Sielmann Stiftung im Rahmen der Europäischen Erhaltungszucht Programme zur Rettung dieser stark gefärdeten (Przewalskipferd) und gefährdeten (Wisent) Tiere bei.

Im Jahre 2008 fand der Bezug der 50 ha großen Eingewöhnungzone statt, in der sich die Megaherbivoren an die wildnisähnlichen Verhältnisse der angrenzenden Wildniskernzone anpassen sollen.

Anfang Mai 2010 konnte schließlich als dritter und wichtigster Baustein die rund 1.860 Hektar große Wildniskernzone mit sechs Tränken sowie mit einer circa 22 Kilometer langen Umfriedung und einem ebenso langen Rundweg um selbige realisiert werden. Daneben wurden mehrere Brandschutz- und Kontrollwege von Altlasten beräumt. Als Erstbesatz für die Wildniskernzone diente u. a. der Tierbestand aus der Eingewöhnungszone. Aktuell befinden sich ca. 90 Wisente, 29 Pferde und rund 90 Stück Rotwild in der Wildniskernzone.

Die Wildniskernzone ist von einer rund 1.800 ha großen, der Öffentlichkeit zugänglichen, Naturerlebnis-Ringzone mit gesteuerter Nutztierhaltung (Rinder, Schafe und Ziegen) umgeben. Die Wanderwege sind von Munition beräumt, und die Besucher können von dem nunmehr 55 Kilometer umfassenden Wanderwegenetz und von Aussichtsplattformen und -Türmen aus die Landschaft erkunden, ohne sensible Bereiche für die Natur zu stören.
Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Das rund 3.550 Hektar große Areal der Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide umfasst weite Teile des ehemaligen Truppenübungsplatzes Döberitz und wurde mehr als 100 Jahre intensiv militärisch genutzt. Deshalb hielten sich Besiedlung und Landwirtschaft weitgehend fern. Es entstand ein Mosaik wertvoller, weitgehend unzerschnittener Lebensräume mit Trockenrasen, Heiden, Mooren, Laubmischwäldern, Feuchtwiesen, Röhrichten und Gewässern, Flugsandfeldern und Binnendünen, die rund 5.500 verschiedene, teils sehr seltene Tier- und Pflanzenarten beheimaten wie beispielsweise Seeadler, Ziegenmelker und Fischotter sowie Sumpfknabenkraut, Lungenenzian, Sonnentau und die Astlose Graslilie.
Die militärische Nutzung v. a. des letzten Jahrhunderts prägte die ökologische Ausstattung des Gebietes entscheidend. Eine weitgehend unterbliebene forstwirtschaftliche Nutzung, mechanischer Bodenabtrag durch Kettenfahrzeuge sowie zahlreiche Brände und Explosionen führten zur Entstehung großer Offenflächen und bewahrten vergleichsweise nährstoffarme Verhältnisse. Allerdings sind diese Phänomene aufgrund der ursprünglich reicheren Böden geringer ausgeprägt als auf vielen anderen großen Konversionsflächen; dies ermöglichte z. B. die Entstehung besonders artenreicher kontinentaler Trockenrasen. Gleichzeitig ist eine durch schnelle Sukzession bedingte große Dynamik der waldfreien Areale zu beobachten.


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Dokumente

Karte Döberitzer Heide

Urkrebse-Flyer-1

Urkrebse-Flyer-2

Beitrag-biol.Vielfalt-UN.Dekade.docx

 

Besuchen Sie uns

Schaugehege / Zugang Besucher-Informationszentrum Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide

Zur Döberitzer Heide
14641 Wustermark / OT Elstal

Öffnungszeiten: Winter: 10-16°° Uhr, Sommer: 10-18°° Uhr

Herr Peter Nitschke Heinz Sielmann Stiftung
Tel.:033234-24890
doeberitzer-heide@sielmann-stiftung.de
http://www.sielmann-stiftung.de

 

Weitere Infos

Heinz Sielmann Stiftung, hier "Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide"
Wustermark / OT Elstal

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