Abenteuer Biodiversität: Mit Biotracks Arten- und Ökosystemvielfalt erkunden

Der derzeit zu verzeichnende Rückgang der Biodiversität kann dazu führen, dass die Funktionsfähigkeit und Stabilität der Ökosysteme global herabgesetzt wird. Die biologische Vielfalt ist daher in den letzten Jahren zu einem wichtigen Feld der internationalen Umweltpolitik geworden. Bereits 1992 wurde die Biodiversitätskonvention in Rio de Janeiro verabschiedet, dennoch ist dieses Themenfeld bislang nicht ausreichend untersucht. Aus diesem Grund ist die Biodiversität auf allen Ebenen des Bildungssystems zu berücksichtigen. Das Projekt mit dem englischen Kurztitel -Adventure Biodiversity: Exploring species and ecosystem diversity with biotracks- knüpft an diesem Punkt an und widmet sich explizit der Integration des Themas Biodiversität in die Schulbildung an Thüringer Gymnasien im Fach Biologie in Form des Lernens an außerschulischen Lernorten, da der erhöhte Lernerfolg in Form des kumulativen Kompetenzerwerbs außerhalb des Schulgebäudes nachgewiesen ist. Ziel des im Oktober 2014 ins Leben gerufenen Projekts ist es, ein Verfahren zu entwickeln, aus dem ein Biotrack, d. h. eine biologisch basierte GPS-Tour resultiert, um einen Zugang zu den drei Bereichen Biodiversität, Bildung und Biologieunterricht herzustellen und diese sinnvoll miteinander zu verbinden. Da die Lebenswelt der Schüler in der heutigen Zeit vorwiegend medial geprägt ist und ihnen gleichzeitig essentielle Naturerlebnisse fehlen, wurde sich für den Einsatz von Smartphones entschieden.

Die Erprobung der verfahrensbasierten Biotracks erfolgte im Mai und Juni 2016 in Form von zwei Schülerexkursionen mit Schülern einer siebten und neunten Klasse am Nordufer des Bleilochstausees bzw. im Biotopverbund Rothenbach bei Heberndorf. Die Schüler des Staatlichen Gymnasiums Dr. Konrad Duden Schleiz und des Christian-Gottlieb-Reichard-Gymnasiums Bad Lobenstein nahmen damit erfolgreich am GEO-Tag der Artenvielfalt, der größten Feldforschungsaktion in Mitteleuropa teil. Anhand von Fragebögen, Exkursionsheften und Wissenstests wurde bestätigt, dass Biotracks positive Wirkungen auf die Einstellungen zur Biodiversität, das Biodiversitätswissen und das Umwelthandeln von Schülern haben. Neben dem Anknüpfen an die digitale Lebenswelt der Schüler wurde mit den Biotracks ein wertvoller Beitrag zur Verminderung von Bewegungsarmut, Naturferne und geringen Artenkenntnissen der heutigen jungen Generation geliefert, sodass das Verfahren nicht nur eine hohe wissenschaftliche, sondern auch gesellschaftliche Bedeutung hat. Von der Arbeitsgruppe Ökosystemanalyse des Instituts für Ökologie und Evolution Jena wurde konstruktive Unterstützung zur Biodiversitätstheorie bereitgestellt. Die Informationsstelle Naturschutz und Umwelt Plothen und das Naturparkhaus Leutenberg wurden ebenfalls in das Projekt einbezogen. Bei dem Biotrack-Verfahren handelt sich um ein langfristiges Projekt, da die in der Praxis erprobten didaktisch durchstrukturierten Biotracks über die Tätigkeit an der Universität hinaus gebucht und durchgeführt werden können. Die Biotracks wurden zu diesem Zweck u. a. in der Mediothek des Thüringer Schulportals veröffentlicht und stehen damit allen Thüringer Schulen zur Verfügung:
https://www.schulportal-thueringen.de/web/guest/media/detail?tspi=6358
https://www.schulportal-thueringen.de/web/guest/media/detail?tspi=6361
https://www.schulportal-thueringen.de/web/guest/media/detail?tspi=6360
https://www.schulportal-thueringen.de/web/guest/media/detail?tspi=6359
Zur Vermarktung des Biotrack-Verfahrens wurde ein Markenlogo entwickelt und in das Register des Deutschen Patent- und Markenamtes München eingetragen. Aus dem Projekt gehen zahlreiche didaktisch durchstrukturierte und praxiserprobte lehrplanbasierte Unterrichtsmaterialien hervor, die Lehrern, Dozenten, Didaktikern, Ökologen und anderen Wissenschaftlern als Handreichung und Arbeitsgrundlage dienen. Das Verfahren wird damit nicht nur der Forderung nach Lernziel-, Produkt- und Kompetenzorientierung gerecht, sondern bildet auch eine wertvolle Grundlage für die Konzeption zukünftiger umweltschutzbezogener außerschulischer Bildungsangebote sowie das mobile ortsbezogene Lernen.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Ziel der Bildungsmethode war das öffentlichkeitswirksame Kennenlernen, Wertschätzen und Schützen von Biodiversität. Die Schüler füllten während der Exkursion in Kooperation mit botanischen und zoologischen Experten die Arten- und Ökosystemlisten im Exkursionsheft aus. Die anhand der Biotracks 184 determinierten Arten dienen Forschungszwecken zum Schutz lokaler Populationen. Diese wissenschaftlichen Grundlagedaten stellen eine wesentliche Arbeits- und Beurteilungsgrundlage für die Naturschutzbehörde Schleiz dar und erweitern zentrale Forschungsdatenbanken. Hierzu zählen die drei regionalen Datenbanken FLOREIN, THKART und FIS Naturschutz (LINFOS) sowie die internationale Datenbank naturgucker.de. Die zwölf identifizierten Rote-Liste-Arten wurden in das regionale Projekt -Kartierung der FFH- und Rote-Liste-Pflanzenarten in Thüringen- eingearbeitet. Neben der Artenvielfalt wurde auch die Ökosystemvielfalt erfasst: Zur Bestimmung der Landschaftsdiversität wurden verschiedene Ökosysteme als POI’s definiert, während Mikrobiotope als POI’s zur Ermittlung der Habitatdiversität dienten. Am Nordufer des Bleilochstausees wurden acht Ökosysteme und 13 Mikrobiotope identifiziert. Im Biotopverbund Rothenbach bei Heberndorf lernten die Schüler elf Ökosysteme und zehn Mikrobiotope aktiv kennen. Mit dem Verfahren wurde nicht nur theoretisch, sondern auch praxiserprobt eine Möglichkeit aufgezeigt, wie Biotracks zur derzeit immer wichtiger werdenden Biodiversitätsbildung von Schülern beitragen.


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