Lebensraum artenreiche Streuobstwiese

Der Lebensraum Streuobstwiese nimmt bei der ehrenamtlichen Arbeit des ANU/Arbeitskreis Natur- und Umweltschutz einen hohen Stellenwert ein.
Durch die mosaikartige Strukturvielfalt an Lebensräumen und die fortführende Pflege der historischen Nutzungsformen der Streuobstwiesen und ihrer angrenzenden Habitate konnte durch die Arbeit des ANU auf den Flächen eine überwältigende Vielfalt an Flora und Fauna nicht nur langfristig gesichert werden, sondern die Artenvielfalt nimmt auch weiterhin zu.
Eingeschlossen zwischen Flächen der intensiven konventionellen Landwirtschaft und der Bundesautobahn bilden die Streuobstwiesen als Inseln der biologischen Vielfalt wichtige Rückzugsorte nicht nur für geschützte Arten der heimischen Flora und Fauna.

Schon seit seiner Gründung im Jahre 1989 setzt sich der ANU/Arbeitskreis Natur- und Umweltschutz im südl. EN-Kreis e.V. in diversen Projekten für den Erhalt und die Förderung der biologischen Vielfalt in der heimatlichen Kulturlandschaft ein. Hierbei besitzen die beiden seit 1998 betreuten Streuobstwiesen „Köttingen“ und „Im neuen Kamp“ einen hohen Stellenwert. Hier haben sich über die Jahre Inseln der biologischen Vielfalt entwickelt.
Bei beiden Flächen handelt es sich um die verwahrlosten Rudimente ehemaliger Hofstellen, die sich durch den intensiven ehrenamtlichen Einsatz des ANU zu Horten der biologischen Vielfalt entwickelt haben. Inmitten von Flächen konventioneller Landwirtschaft bilden diese beiden Streuobstflächen wichtige Rückzugsorte nicht nur für geschützte Arten der heimischen Flora und Fauna.
Bei den Flächen handelt es sich um 3,6 ha, die sich aus folgenden Biotoptypen zusammen setzen: 1,3 ha Streuobstwiese, 0,4 ha Dauergrünland, 0,2 ha Nassbrache, 1,7 ha Feldgehölze/Hecken und einem Traubeneichen–Rotbuchenbestand mit hohem Anteil an Altholz in entsprechenden Dimensionen.
Bedingt durch die Vielzahl unterschiedlicher Biotoptypen mit kleinräumiger Verteilung erhöhte sich die Wertigkeit der Vielfalt durch die zahlreichen Grenzlinieneffekte vor Ort.
Eines der wichtigsten Ziele war von Beginn an die dauerhafte Sicherung, Pflege und Förderung der noch rudimentär vorhandenen Streuobstbestände. Insgesamt werden 76 Obstbäume durch den ANU betreut und gepflegt. Absterbende Obstbäume werden durch die Neupflanzung von alten, regionalen Obstsorten kompensiert. Soweit möglich verbleiben die abgestorbenen Bäume bewusst in der Fläche um erst als stehendes und dann als liegendes Totholz die Vielfalt an Kleinsthabitaten für viele Arten in der Fläche zu bereichern.
Zur Bestäubung werden von Vereinsmitgliedern auf beiden Flächen Bienenvölker eingesetzt. Zusätzlich werden Hummeln und Wildbienen aktiv durch zahlreiche Nisthilfen gefördert. Die Streuobstwiesen und das angrenzende Dauergrünland werden periodisch durch Schafe unterschiedlicher Rassen gepflegt.
Außerhalb der beweideten Flächen werden gezielt zahlreiche Insekten-Nährpflanzen gefördert, nicht nur um in der Vegetationsperiode als Nahrungsquelle zu dienen, sondern auch um im Winter als Hibernationsraum für die unterschiedlichen Entwicklungsstadien der einzelnen Insektenarten zur Verfügung zu stehen. Die gezielte Förderung von Insektennährpflanzen bedingt eine reichhaltige Invertebraten-Fauna. Von unterschiedlichen Ameisenarten über Laufkäferarten bis hin zum Tag- und Nachtfaltern bieten beide Flächen eine reiche Vielfalt an seltenen wie Allerweltsarten auf kleinstem Raum.
In der Fläche „Im Köttingen“ grenzt sich das Grünland zusätzlich durch 10 Kopfweiden von der Nassbrache ab. Diese Bäume wurden durch den ANU aus „Setzstangen“ gezogen und werden nun regelmäßig gepflegt und in ihrer Entwicklung zu Kopfbäumen gefördert.
Im angrenzenden Altholzbestand ist neben diversen Baumhöhlen, welche durch eine Vielzahl von Arten genutzt werden, ebenfalls seit Jahren ein besetzter Bussardhorst zu finden. Im Traufbereich zur Streuobstwiese bewirken kleinstrukturierte Grenzlinieneffekte eine hohe Vielfalt an Strukturen und Kleinstlebensräumen und Artenvielfalt.
Zur Förderung der biologischen Vielfalt und deren Erhalt wurden neben der Umsetzung der großflächigeren Pflegemaßnahmen zusätzlich durch die ANU-Mitglieder zahlreiche Kleinstlebensräume etabliert. So bieten mehrere Totholz- und Lesesteinhaufen den in der Fläche vorkommenden Berg- und Fadenmolchen wie auch zahlreichen Erdkröten Unterschlupf und Nahrungsquelle. Ebenfalls nutzen häufig Waldeidechse, Ringelnatter und Blindschleiche diese Strukturen als Unterschlupf und zum Sonnenbaden und auch der Igel ist hier häufig anzutreffen.
Um die vorhandenen Nist- und Höhlenstrukturen für verschiedene Fledermausarten und zahlreichen Vertreter der Avifauna zu erweitern wurden durch den ANU vielfältige Nistkästen für höhlen- wie halbhöhelnbrütende Arten sowie einige Fledermauskästen installiert. Diese Nisthilfen werden zudem regelmäßig gepflegt und gewartet.
Wenn man sich auf den Flächen eine kurze Auszeit gönnt und in Ruhe verweilt, sieht man sofort neben den verschiedenen Meisenarten, Baumläufer, Spechte und viele weitere Vertreter der Offenlandarten der heimischen Vogelwelt. Obwohl der Wiedehopf in der unmittelbaren Nähe der Flächen noch nicht nachgewiesen werden konnte, finden sich auch für ihn, ebenso wie für den Steinkauz adäquate Nistmöglichkeiten. Mit viel Glück sieht man nicht nur Eichhörnchen und Feldhase, sondern kann auch Vertreter der Bilche beobachten.
Durch die mosaikartige Strukturvielfalt an Lebensräumen und die fortführende Pflege der historischen Nutzungsformen der Streuobstwiesen und ihrer angrenzenden Habitaten konnte sich mit Hilfe des ANU auf den Flächen eine überwältigenden Vielfalt an Flora und Fauna nicht nur langfristig sichern lassen, sondern auch stetig erweitern.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

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Obstwiese "Im neuen Kamp"

Im neuen Kamp
58285 Gevelsberg

Öffnungszeiten: nach Rücksprache

Michael Schüngel

 

Weitere Infos

ANU/Arbeitskreis Natur- und Umweltschutz im südl. EN-Kreis e.V.
Gevelsberg

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